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31. Juli 1926: Erich Rüttel, der „Vater des Westfalenstadions“, geboren

Am 31. Juli 1926 erblickte Erich Rüttel in DO-Kley das berühmte Licht der Welt.

Nach den Schrecken des 2. Weltkriegs, in dem es nicht möglich war, eine Lehre zu beginnen, bewarb er sich 1946, bereits 20 Jahre alt und Realschüler, bei der Stadt Dortmund – und wurde genommen!

Nach dem Inspektoren-Lehrgang am Westf.-Märkischen Studieninstitut für kommunale Verwaltung – heute Fachhochschule – folgte eine rasante Karriere über die Stationen Ausbildungsabteilung  des Personalamtes, Organisation Bundesgartenschau 1959 und Ordnungsamt, dessen Leiter erwurde..

Die Bundesgartenschau mit ihren sieben Millionen Besuchern organisierte er so gekonnt, dass ihm von überall her große Anerkennung zuteil wurde.

Die jungen Verwaltungslehrlinge der Stadt unterrichtete Rüttel  in der Berufsschule im Fach Staatsrecht. Das lag dem überzeugten Demokraten sehr am Herzen. Außerdem setzte er sich mit ganzer Kraft für die Aussöhnung mit Israel und den Juden in Deutschland ein. Auf ihn geht letztlich die Begründung der Städtepartnerschaft mit Netanya zurück. Das Rüttel-Buch „Israel – Heimat der Heimatlosen“ ist heute noch sehr lesenswert.

In diesem Kontext sollte auch nicht verschwiegen werden, dass Rüttel zu den wichtigsten Förderern der Steinwache mit ihrer Aufarbeitung der Zeit des Naziterrors in Dortmund gehörte.

Daneben war Rüttel aktiv in der SPD und in der ÖTV, in deren Hauptvorstand mit dem legendären Heinz Kluncker  an der Spitze er gewählt wurde.

Als der viel bewunderte Fritz Kauermann als Personal,- Sport,- Organisations- und Klinikdezernent in den Ruhestand ging, wurde Erich Rüttel sein Nachfolger. Ein Glücksfall für die Stadt und den gesamten Dortmunder Sport. Denn Rüttel füllte die großen Fußstapfen seines Vorgängers nicht nur aus, sondern rackerte sich unermüdlich ab, um die Bezeichnung „Sportstadt Dortmund“ mit Leben zu füllen. Er engagierte sich für die Leichtathleten, die Ruderer, die Schützen, und natürlich auch für den Fußball, und hier insbesondere für den BVB.

Rüttel ist einer der Väter der Helmut-Körnig-Halle, der Eislaufhalle an der Westfalenhalle und der bedeutendenSchießanlage in DO-Nord, um nur einige zu nennen.

Unsterblich allerdings ist Erich Rüttel als Vater des Westfalenstadions geworden.

Er griff den Gedanken Fritz Kauermanns auf, die Bewerbung um die Fußball-Weltmeisterschaft 1974 dafür zu nutzen, dem sportlich und finanziell stark angeschlagenen BVB mit einem neuen Stadion gleichzeitig eine tragfähige Grundlage für die zukünftige Entwicklung zu schaffen. Seine wichtigsten Mitstreiter waren Hermann Heinemann, Willi Spaenhoff und der Bundestagsabgeordnete Hans Urbaniak.

Die damalige Situation des BVB war außerordentlich prekär. Das Stadion „Rote Erde“ entsprach praktisch in keiner Beziehung mehr den modernen Anforderungen an eine Bundesliga-Arena. Sportlich war man am Ende, es drohte schon 1969 der Abstieg in die 2. Bundesliga (der dann 1972 auch kam). Und die FIFA hatte das Dortmunder Stadion in Paletten-Bauweise als WM-Arena als zu klein abgeschmettert. In dieser fast unmöglichen  „Gemengelage“ schlug Rüttel dem Rat der Stadt trotz allem vor, das Stadion zu bauen. Er warb Tag und Nacht für sein Projekt, putzte Klinken ohne Ende beim WM-OK in Frankfurt, beim Land NRW und bei der Bundesregierung. Die Klaviatur der filigranen, manchmal auch rustikalen Meinungsbeeinflussung spielte er über Monate hinweg rauf und runter, ging Gott und der Welt so lange auf die Nerven, bis die Finanzierung stand und der Rat der Stadt in namentlicher Abstimmung – ähnlich dem Hammelsprung im Bundestag - über das Rüttel- Projekt abstimmte. Es gab – auch dank seiner großartiger Rede vor dem entscheidenden Ratsvotum -  die erhoffte Mehrheit, und die erste reine Fußball- Arena Deutschlands mit Namen „Westfalenstadion“ konnte gebaut werden. Objektiv gesehen war der Stadionbau kommunalpolitischer Unsinn, subjektiv aus der Sicht eines BVB-Fans betrachtet  zwingende Notwendigkeit.

Als dann Köln aus finanziellen Gründen die Bewerbung zurück gab, wurde Dortmund aus der Reserveliste gezaubert, und die WM-Teilnahme mit letztlich vier tollen Spielen war gerettet.

Das Westfalenstadion wurde der Stadion-Hit der WM 1974 und für den BVB die Grundlage, sich finanziell und sportlich zu erholen, in die Bundesliga zurückzukehren und praktisch über Nacht der Finanz-Krösus des deutschen Fußballs zu werden.

Verheiratet mit Gattin Ellen verloren die Rüttels auf tragische Weise den einzigen Sohn Gerd im Alter von nur 16 Jahren bei einem Skiunfall. Diesen Verlust haben sie zeitlebens nicht verkraftet.

Eine sehr innige Beziehung pflegten sie später zur zweifachen  Olympiasiegerin Annegret Richter und ihrem Mann Manfred, dem exzellenten Hürdensprinter, mit denen sie bis zu ihrem Ableben eine tiefe Freundschaft verband.

Erich Rüttel starb 2009 im Alter von 83 Jahren.

Die Stadt Dortmund als Bauherr und Eigentümer und Erich Rüttel als Initiator, „Stadion-Flüsterer“ und  unermüdlicher Kämpfer für die Sache haben ohne Frage den BVB damals gerettet. Insbesondere ohne Rüttels unermüdlichen Einsatz für den Stadionbau würde es den BVB in seiner heutigen Form nicht mehr geben. Er hat  mit dafür gesorgt, dass der Satz „Aber eins, aber eins, das bleibt bestehn: Borussia Dortmund wird nie untergehn“ auch heute noch gilt.

Gerade deshalb wollen wir hiermit an den großen Erich Rüttel ehrend erinnern. Die BVB-Familie sollte ihn nicht vergessen!

 


Ein Text der AG-Tradition der BVB Fan- und Förderabteilung in Zusammenarbeit mit dem BORUSSEUM.

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