Adi Preißler mit der Meisterschale

Historisches

Hier findet ihr die Texte unserer AG Tradition zu Jubiläen, Spielern und weiteren wichtigen Ereignissen in der BVB-Geschichte. Viel Spaß beim Stöbern!

1956 sollte zum bislang wichtigsten Jahr in der BVB-Geschichte werden! Nach 1949 hat sich der Westdeutsche Meister Borussia Dortmund 1956  erneut für das Finale um die Deutsche Meisterschaft qualifiziert. Gegner ist am 24. Juni im Berliner Olympiastadion der Karlsruher SC.

Im BVB-Lager ist Optimismus angesagt. Als bekannt wird, dass Mittelstürmer Fred Kelbassa, der mehrere Tage an einer Halsentzündung laborierte, mit von der Partie sein würde, kommt zusätzliche Freude auf.

Kwiatkowski; Burgsmüller, Sandmann; Schlebrowski, Michallek, Bracht; Peters, Preißler, Kelbassa, Niepieklo, Kapitulski.

Mit dieser Elf geht BVB-Trainer Helmut Schneider an beagtem Sonntag, dem 24. Juni 1956, in das Finale.

Karlsruhe bietet R. Fischer, M. Fischer, Baureis, Ruppenstein, Geesmann, Dannenmaier, Traub, Sommerlatt, Beck, Kunkel und Termath auf.

 

Der BVB hat sich in der Vorrunde gegen den HSV, den VfB Stuttgart und Viktoria Berlin durchgesetzt, der KSC Schalke, Kaiserslautern und Hannover 96 hinter sich gelassen. Die Borussen stellen mit einem Altersdurchschnitt von 28,9 Jahren das insgesamt älteste Team der Endrunde, aber eben auch das spielerisch reifste.

Wegen des strömenden Regens füllen „nur“ 75.000 Besucher das Olympiastadion. Unter ihnen Hollywood-Star Gary Cooper (High Noon/Wem die Stunde schlägt) und und der nach dem englischen Pokalendspiel schwer verletzte und vom Hals bis zur Hüfte eingegipste deutsche Torhüter Bernd Trautmann

In der 9. Minute eine kalte Dusche für Schwarz-Gelb: Kunkel vom KSC arbeitet sich durch. Sein Flachschuss geht unhaltbar in die Ecke: 1:0.

Der BVB zeigt sich unbeeindruckt. Bereits fünf Minuten später egalisiert Alfred Niepieklo in unnachahmlicher Manier. Fred Kelbassa schießt vehement aufs Tor, den Abpraller nimmt „Niepo“  aus sechs Metern direkt und verwandelt unhaltbar.

Borussias Kombinationen nehmen Fahrt auf. Herrliche Ballstafetten verwirren den Gegner. Mittelstürmer Kelbassa erzielt in der 27. Minute per Kopfball nach einer Ecke die verdiente BVB-Führung.

Nach dem Pausentee geht es schneidig weiter: AdyPreißler zieht sein gekonntes Quer- und Steilpassspiel auf und düpiert den KSC Mal um Mal. In der 54. und 58. Minute landet der Westmeister den entscheidenden Doppelschlag. Zunächst ist es Mannschaftskapitän Preißler persönlich, der  aus 25 Metern ins Netz hämmert. Fünf Minuten später eine ähnliche Situation. Jetzt ist es Kelbassa, der aus ähnlicher Distanz abzieht. Fischer wehrt ab, Sully Peters bedankt sich. 4:1. Das Spiel ist „gegessen“.

Das 2:4 durch ein Eigentor von Verteidiger Willi Burgsmüller ist lediglich noch Ergebniskosmetik. Borussia Dortmund schaukelt das Spiel souverän  nach Hause. Als Ady Preißler aus den Händen von DFB-Präsident Dr. Peco Bauwens die Meisterschale überreicht bekam, treten ihm die Tränen in die Augen: Zum ersten Mal in seiner großen Geschichte ist Borussia Dortmund Deutscher Fußballmeister. Chapeau!

Mit einem Sonderzug der Deutschen Bundesbahn geht es für den frisch gebackenen Champion am folgenden Montag in Richtung Heimat.

 250.000 Menschen bereiten dem BVB einen geradezu triumphalen Empfang. So etwas hat die Stadt noch nie erlebt. Nach der offiziellen Begrüßung durch Oberbürgermeister Dietrich Keuning ruft Ady Preißler in die Menge: „ Eins versprechen wir heute: Die Meisterschale geben wir so schnell nicht wieder her!“

Das sind geradezu prophetische Worte, werden die Borussen doch 1957 in der identischen Aufstellung wie im Jahr zuvor erneut Deutscher Meister und schaffen damit eine Fußball-historische Einmaligkeit von bleibendem Wert.

Nürnberg in der Relegation zwei Mal geschlagen

Mit Otto Rehhagel als brandneuem Coach trat Borussia Dortmund, der Tabellendritte der Regionalliga Nord, am 17. Juni 1976 zum ersten Entscheidungsspiel zum Aufstieg in die Bundesliga im Frankenstadion gegen den legendären 1. FC Nürnberg an. Der gut eingestellte BVB arbeitete sich im Verlaufe des Spiels mehrere klare Chancen heraus, aber erst fünf Minuten vor Schluss markierte der kaltblütige Egwin „Ede“ Wolf das verdiente 1:0 für seine  Borussia, die  jetzt ausgezeichnete Chancen hatte, im Rückspiel am 23. Juni 1976 zu Hause im Westfalenstadion den Wiederaufstieg perfekt zu machen.

Otto Rehhagel vertraute  mit Bertram, Huber, Schwarze, Nerlinger, Ackermann, Mirko Votava, Hartl, Kasperski, Wolf, Schildt und Geyer der gleichen Elf, die bereits in Nürnberg siegreich gewesen war. Also spielte der BVB zunächst wieder ohne „Zauberer“ Zoltan Varga, der auf der Auswechselbank Platz nahm.

Von der ersten Minute an entwickelte sich unter der Leitung von Schiedsrichter Biwersi ein Aufstiegskrimi von außergewöhnlicher Rasse, Klasse und Qualität. Beide Teams spielten am Limit ihres Leistungsvermögens und ließen es auch an leidenschaftlichem Einsatz nicht mangeln.

Leidtragender der teilweise harten Gangart wurde BVB-Linksaußen Peter Geyer. Er ging nach einem Zusammenprall mit Nürnbergs Verteidiger Rüsing regelrecht knock out. Trotz einer leichten Gehirnerschütterung spielte er zunächst weiter und erzielte sogar das 1:0. Danach war aber Schluss für Geyer, der ins Krankenhaus gebracht werden musste. Für ihn kam in der 35. Minute Varga, der ungarische Rastelli unter den Fußballern.

Die 1:0-Führung und  die Anfeuerung der 54.000 Besucher beflügelten die  Borussen zusätzlich und stärkten die Moral.

In der Halbzeitpause schwor Rehhagel seine Truppe wortgewaltig auf die zweiten 45 Minuten ein. Nürnbergs Trainer Hans Tilkowski musste allerdings ähnlich agiert haben, denn seine Elf stürmte nach dem Wiederanpfiff  mit dem Mute der Verzweiflung. Nach genau einer Stunde Spielzeit belohnte Petrovic den „Club“ mit einem unhaltbaren Freistoßtor. 1:1!

Nürnberg witterte Morgenluft und griff weiter an, der BVB offenbarte Abwehrprobleme. Aber Rehhagel behielt einen klaren Kopf. Burghard Segler kam für „Ede“ Kasperski. Die erneute Führung der Hausherren durch Hannes Hartl (75.) egalisierte Sturz in der 80. Spielminute. Rehhagel agierte jetzt ununterbrochen an der Seitenlinie, beorderte den flinken Rechtsverteidiger Huber gestenreich nach vorn. Und genau dieser Lothar Huber markierte in der sprichwörtlich letzten Minute das 3:2 für den BVB und beantwortete damit endgültig die Frage nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga zugunsten seines Clubs.

Nach dem Schlusspfiff lag sich alles, was schwarz-gelb war, Spieler, Trainer und Verantwortliche, in den Armen. Die Fans stürmten das Stadion, sanken in die Knie und zelebrierten am Anstoßkreis einen unvergesslichen Aufstiegsjubel. Der BVB war wieder erstklassig. Die vierjährige Zeit in der fußballerischen Diaspora war endgültig beendet. 

Das Jahr 1926 hatte es in sich. Er setzte sowohl fußballerische als auch vereins- und sozialpolitische Akzente. Im Blickpunkt des Interesses stand natürlich der sich abzeichnende Aufstieg der Fußballer in die Ruhrbezirksklasse, die damals höchste deutsche Spielklasse. Aber auch die kämpferisch vorgetragene Forderung zahlreicher junger Damen, sich sportlich betätigen zu wollen, sorgte vereinsintern für Furore!

Borussia hatte 1923 mit Heinrich Schwaben einen neuen Präsidenten bekommen, mit dem spürbar ein frischer Wind Einzug hielt. Neben dem Ausbau der „Weißen Wiese“ zum „Borussia-Sportplatz“ als Grundlage für den Aufstieg der Fußballer legte Schwaben sein Augenmerk auf zwei neue Sportabteilungen, die er 1924 in den Club integrierte: Handball und Boxen, beides natürlich nur für gstandene „Mannsbilder“.

Schwaben war dann aber auch der entscheidende “Schalthebel” für die Ehefrauen und Freundinner von BVB-Akteuren, den “BVB-Suffragetten” eben, die höflich aber entschieden ihren Wunsch nach eigenem Wettkampfsport vortrugen. Ihr Wort hatte Gewicht im Club. Immerhin waren sie es, die die überaus beliebten Vereinsfeiern planten und organisierten. Die Meinung der “Herren der Schöpfung”, die holde Weiblichkeit gehöre an den heimischen Herd und keinesfalls auf den Sportplatz, konterte man kühl mit dem Hinweis, dass eine ablehnende Entscheidung erhebliche negative Auswirkungen auf die Qualität der BVB-Feten haben würde....

Das saß und machte gefügig. Am 18. Juni 1926 war es dann soweit:  Borussia bekam eine Damenabteilung, in der Leichathletik und Handball betrieben werden konnten. Und siehe da: Die sporttreibenden jungen Frauen legten viel Ehrgeiz und Ausdauer an den Tag und bissen sich durch. Immerhin waren die BVB-Amazonen zu ihrer Zeit mit wenigen Gleichgesinnten in anderen Clubs Wegbereiterinnen des Damensports in unserer Stadt und sich deshalb der Verantwortung ihren Geschlechtsgenossinnen gegenüber auf dem Weg zu sportlicher Emanzipation durchaus bewusst.

Über die Einrichtung der BVB-Damen-Abteilung hieß es 1926 im BVB-Vereinsheft für die Monate Juli-August noch recht despektierlich: „Die jüngste Abteilung unseres Vereins ist die Damenabteilung, am 18. 6.gegründet. Sie besteht sieben Wochen und zählt bereits 31 Mitglieder. Wider Erwarten sind die Damen mit großem Eifer und guter Beteilgung beim Training vertreten. So bleibt nur zu wünschen übrig, dass auch alle, die Sport betreiben wollen, wahre Sportsauffassung haben. Wer nicht von dem Willen beseelt ist, den Sport des Sportes und der Körperkultur wegen zu betreiben, wird auch nicht in der Damen-Abteilung zum Ziele kommen. Hoffen wir also, dass wirkliche Sportbegeisterung und nicht die Sucht, die neue Mode „Sport“ mit zu machen, das Leitmotiv unserer Damen-Abteilung sein und bleiben möge.“

Die Handballerinnen machten sich rasch einen guten Namen. Unter dem beliebten Vater, Förderer und Trainer der Damenmannschaft, Karl Hagedorn, spielten damals u. a. Hilde Trott, Luise Sümerns, Elisabeth Hagedorn, Hetty Wolfewitz, Adelheid Grischka, Hanna Bäk und Hetty Trautmann.

Nach getaner sportlicher Arbeit ging es im Vereinslokal „Zum Wildschütz“ so manches Mal ausgesprochen fröhlich zu. Da lernte auch Emil Stachorra, der Mittelläufer der 1. Fußball-Mannschaft, das Tanzen. Toni Weller, die spätere Ehefrau des bekannten Leichtathleten, Handballers und Widerstandskämpfers Fritz Weller, brachte es ihm gekonnt bei. 

Am 21.05. dieses Jahres wird der Ex-Borusse Erwin Kostedde 80 Jahre alt. Er stieß direkt nach dem Wiederaufstieg 1976 zum BVB und erzielte gleich im ersten Bundesliga-Spiel beim 3:4 Auswärtssieg gegen den hohen Favoriten Hamburger SV zwei Tore. Es sollten noch 16 weitere in 47 Spielen für die Borussia folgen. Der treffsichere, 1,77 m große Mittelstürmer hatte keine einfache Kindheit. Er war Sohn eines afroamerikanischen Soldaten und einer deutschen Mutter. Seinen leiblichen Vater lernte er nie kennen und war als Kind im Nachkriegsdeutschland auf Grund seiner dunklen Hautfarbe ein Außenseiter. Später wurde er dann gerne als der „braune Bomber“ bezeichnet, was ihm aber nicht gefiel. Auch als Jugendlicher kann er zunächst sein Talent nicht in die richtigen Bahnen lenken. Zu seinem Glück erkannte ein Spielervermittler sein Potential und vermittelte ihn vom MSV Duisburg zu Standard Lüttich, wo es mit seiner Karriere steil bergauf ging. Seine gesamtes Fußballerleben war ein einziges „Tor-Festival“ mit zahlreichen Stationen. Er lernte das Fußballspielen als Jugendlicher bei verschiedenen Vereinen in Münster. Hier startete dann 1965 auch seine Karriere in der ersten Mannschaft von Preußen Münster, (zu der Zeit Regionalliga West - heute: 2. Bundesliga) er erzielte gleich in 35 Spielen 18 Tore. Das weckte natürlich Begehrlichkeiten, und so wechselte er 1967 in die 1. Bundesliga zum Meidericher SV (heute MSV Duisburg), wo seine Torausbeute mit 5 Treffern in 19 Spielen eher gering ausfiel. Richtig durchgestartet wurde dann von 1968 bis 1971 in der ersten belgischen Liga bei Standard Lüttich mit 51 Toren in 67 Spielen und ab 1971 bei den Kickers aus Offenbach, mit denen er den Aufstieg in die erste Bundesliga schafft und deren Bundesliga-Rekordtorschütze er bis heute ist (129 Spiele, 80 Tore). Das im November 1994 gegründete und heute immer noch existente Fanmagazin der Offenbacher Kickers trägt ihm zu Ehren den Titel „Erwin“. Vor seinem Wechsel zu Borussia Dortmund (48 Spiele, 18 Tore) spielte er noch bei Hertha BSC (26 Spiele, 14 Tore). Über noch einmal Standard Lüttich und den französischen Erstligisten Stade Laval ging es dann zu Werder Bremen, schließlich beendete er seine Karriere beim Zweitligisten VfL Osnabrück. Insgesamt erzielte er in 219 Bundesligaspielen 98 Tore. Seine Gesamtzahl der Tore in den Spielen von 1965/66 bis 1982/83 wird mit 264 Toren angegeben. Erwin Kostedde war der erste schwarze deutsche Nationalspieler, in drei Einsätzen 1974 und 1975 gelang ihm aber leider kein Tor. Er wurde Torschützenkönig in der ersten belgischen (1970/71 - 26 Tore) und in der ersten französischen Liga (1979/80 – 21 Tore) und Belgischer Meister 1969, 1970, 1971. Ausserdem wurde er in Bremen 1981 zum „Sportler des Jahres“ gewählt und er erzielte 1974 das „Tor des Jahres“. Nach seiner Karriere war der gelernte Diplom-Sportlehrer einige Jahre im Amateursport tätig. Leider erging es ihm wie einigen seiner Kollegen auch, er verlor viel Geld durch dubiose Anlagen-Geschäfte. Zudem machten ihm immer wieder rassistische Äußerungen zu schaffen. Obendrein wurde er verdächtigt, in Coesfeld einen Spielhallen-Raubüberfall begangen zu haben, was ihm aber nie nachgewiesen werden konnte. Obwohl es erhebliche Ermittlungsfehler gab und er ein halbes Jahr unschuldig im Gefängnis gesessen hatte, war diese Geschichte für die Boulevard-Presse ein gefundenes Fressen und schadete seinem Image gewaltig. Leider erinnert man sich heute beim Namen Erwin Kostedde immer noch häufig zuerst an diese Geschichte, als an seine herausragende Karriere. Heute lebt er zurückgezogen in der Nähe von Münster. Zu seinem runden Geburtstag wünschen wir natürlich an erster Stelle Gesundheit und alles erdenklich Gute! 

Hunderttausende säumten am 6. Mai 1966 in Dortmund die Straßen, drängten sich auf dem “Neuen Markt” - heute Friedensplatz - , als der frischgebackene Sieger im Europacup der Pokalsieger nach dem großartigen 2:1 über den FC Liverpool in seine Heimatstadt zurückkehrte.

Schon die Ankunft auf dem Kölner Flughafen Stunden zuvor war super! Man hatte für den BVB sogar den sprichwörtlichen “Roten Teppich” ausgerollt. Wie Staatsgäste wurden die Meisterkicker empfangen. Mit dem Bus ging es dann weiter in Richtung Dortmund. Auf der B 54, der “Traumstraße”, stiegen die Sieger von Glasgow in offene Autos um. Damit begann ein unvergesslicher Autokorso. Der Weg ging über den Borsigplatz, der mehrfach umrundet wurde, und den Wallring bis zum Neuen Markt.

Besonders gefeiert wurden die beiden Torschützen Siggi Held und Stan Libuda, aber auch alle anderen Akteure standen mehrfach im Zentrum frenetischer Ovationen. Oberbürgermeister Dietrich Keuning hieß die siegreichen Recken, BVB-Präsident Willi Steegmann und Trainer Willi “Fischken” Multhaup willkommen.

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In das Spiel am Tag zuvor im Hampden Park zu Glasgow gingen die Schwarz-Gelben als krasser Außenseiter. Zu überlegen schienen die englischen Profis vom FC Liverpool, der Beatles-Stadt. Doch die Borussen entpuppten sich als taktisch klug eingestellt, gallig und effektiv im Zweikampf. Aus einer geschlossenen Elf ragten Kurrat, Assauer, Sturm, Paul und Tilkowski als ruhende Pole heraus.

Das 1:0 von Siggi Held (62.) mit herrlichem Schuss nach Vorarbeit von Emmerich glich Liverpool sieben Minuten später aus: Linksaußen Thompson angelte sich den Ball (wahrscheinlich) hinter der Grundlinie, Flanke, Roger Hunt verwandelte eiskalt. In der 109. Minute fällt eines der kuriosesten Tore der Europacupgeschichte: Held geht steil durch, schießt Keeper Lawrence an. Der Abpraller kommt zu Libuda, dessen Bogenlampe aus 25 Metern geht an die Latte. Mittelläufer Yeats kriegt den Ball an die Brust – Tor.

Als Kapitän Wolfgang Paul aus den Händen des Schweizer UEFA-Präsidenten Gustav Wiederkehr die Siegestrophäe entgegen nimmt, singen die etwa 2.000 mitgereisten BVB-Fans: “So ein Tag, so wunderschön wie heute”! Ein großariger Augenblick!

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Der BVB-Vorstand hatte offenbar nicht damit gerechnet, dass seine Mannschaft gewinnen könnte. Nur so ist es zu verstehen, dass keine Siegesfeier geplant war. Das war blamabel. Die Spieler improvisierten, plünderten die Küche und die Hotelbar und kamen so doch noch zu ihrer verdienten Fete.

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Die Helden von Glasgow

Hans Tilkowski: Weltklasse zwischen den Torpfosten

Hans Tilkowski (12. 7. 1935) hielt Anfang Oktober 1965 einen eindrucksvollen “Goldenen Fußball” in seinen Händen. Soeben war er als “Fußballer des Jahres 1965” ausgezeichnet worden. Die deutschen Sportjournalisten wählten mit ihm den ersten Torhüter überhaupt. 39.000 Besucher in der Kampfbahn “Rote Erde” waren Zeugen des Ereignisses. Der Präsident des DFB, Dr. Hermann Gösmann, war ebenso erschienen wie Bundestrainer Helmut Schön. Gerade Schön hielt es für seine Pflicht, seinem Nationalkeeper in verdienter Anerkennung die Hand zu drücken, war der “Til” doch für ihn eine feste Größe für die Weltmeisterschaft 1966 in England.

Hans Tilkowski stammte aus Dortmund-Husen und war über Kaiserau und Westfalia Herne 1963 zu Beginn der Bundesliga zum BVB gekommen. 

Am 4. Dezember 1963 stand er in der legendären BVB-Elf, die im “größten BVB-Spiel aller Zeiten” Benfica Lissabon, das Team von Eusebio und Coluna, mit 5:0 bezwang. Ab 1964 hütete er auch wieder das Tor der Nationalelf, aus dem ihn Herberger zur WM 1962 in Chile “verbannt” hatte.

Die Karriere Tilkowskis fand ihren Höhepunkt 1966. Sein BVB wurde Europapokalsieger und Deutschland mit ihm im Tor Vize-Weltmeister. Als Rekordtorhüter des DFB mit 39 Länderspielen beendete er 1967 im Stadion Rote Erde seine eindrucksvolle Nationalmannschafts-Karriere.

Schon zu seiner aktiven Zeit als Fußballer begann Hans Tilkowski, sich für Menschen in Not einzusetzen. Für sein außergewöhnliches Engagement wurde er u. a. mit dem Verdienstorden des Landes NRW und dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.

Gerd Cyliax: Supersprinter, Superspieler

“Verteidiger kauft man nicht, Verteiger macht man sich!” Einer, der diese “Fußball-Weisheit” eindrucksvoll bestätigt, ist Gerd Cyliax (23. 8. 1934 -17. 5. 2008). Seine Karriere begann beim TBV Mengede, setzte sich über Westfalia Herne und Preußen Münster fort und führte ihn 1959 in die Dortmunder Heimat zum BVB zurück. Er lief die 100 Meter unter 11 Sekunden und ist damit ist einer der Schnellsten, die jemals beim BVB gekickt haben. Immerhin gehörte er sogar zum erweiterten Kreis für die Sprintstaffel des DLV! Seine unglaubliche Geschwindigkeit entfaltete Cyliax besonders prägnant als Außenstürmer auf dem linken Flügel. Man erinnere sich nur an die BVB-Endspiele 1961 und 1963. Danach begann seine Karriere als rechter Außenverteidiger. Diese Position hatte er 1965 beim ersten BVB-Pokalsieg und 1966 beim unvergesslichen Europapokalsieg inne. Er war also ein beidfüßig agierender Kicker von großer Klasse. Als Verteidiger kannte er natürlich alle Tricks und Schliche seiner Kontrahenten und ließ sich kaum ein X für ein U vormachen. Leider hat Cyliax nie den Dress der Nationalmannschaft überstreifen dürfen. Mit der Deutschen Meisterschaft 1963, dem DFB-Pokal 1965 und dem Europapokal 1966 machte er unabhängig davon eine außergewöhnliche Vereins-Karriere. Gerd Cyliax, der stets unaufdringlich im Hintergrund blieb, hatte erstaunliche Entertainer-Qualitäten. Mit dem Akkordeon ging er virtuos um und erfreute in späteren Jahren manch gemütliches Beisammensein mit seinen alten Freunden aus Dortmund-Mengede.

Theo Redder: Hart und kompromislos

Das besondere Markenzeichen des Verteidigers Theo Redder (19. 11. 1941) war sein unerbittliches Tackling, das er mit atemberaubender Konsequenz praktizierte.  Damit war er der Prototyp des unangenehmen Gegenspielers. Callaghan, Liverpools Flügelflitzer im Endspiel zu Glasgow, kann davon ein Liedchen singen. Zum BVB stieß der gelernte Bäcker, der aus Werl stammt, in der Saison 1962/63. Borussias Trainer Hermann Eppenhoff formte den talentierten Außenverteiger zu einem Akteur von internationalem Format. Der Deutsche Meister 1963, DFB-Pokalsieger 1965 und Europacupsieger 1966 gehört auch zu den legendären Benfica-Helden. Theo Redder wurde von Bundestrainer Helmut Schön leider nur ein Mal – gegen Finnland -  in die Deutsche Nationalmannschaft berufen. Gemeinsam mit seinen BVB-Kollegen Tilkowski, Schmidt, Konietzka und Sturm stand er in jener Elf, die die Skandinavier 1964 mit 4:0 besiegte. Nach seiner aktiven Zeit – er musste seine Karriere beim BVB  schon mit 28 Jahren beenden - kümmerte sich Redder über viele Jahre hinweg liebevoll um die Traditionsmannschaft  des BVB. Der langjährige persönliche Freund Hoppy Kurrats ist heute stellvertretender Vorsitzender des BVB-Ältestenrates.

Dieter “Hoppy” Kurrat: Der Terrier

Für eine große Nationalmannschaftskarriere war Dieter “Hoppy” Kurrat (15. 5. 1942) leider ein paar Zentimeter zu klein. Auf dem Spielfeld hingegen wuchs der Junge vom Borsigplatz zu einem Abwehrriesen, der sich mit leidenschaftlicher Konsequenz um seine Gegenspieler kümmerte. Der “Hoppy”, wie ihn alle Welt nur nannte, war ein leuchtendes Aushängeschild der BVB-Nachwuchsarbeit. Auf den begabten  Jung-Kicker wurde auch der DFB schnell aufmerksam und berief ihn in die  Jugend-Nationalmannschaft. Beim BVB  folgte schon mit 18Jahren der Sprung in die 1. Mannschaft. Soeben war er mit der A-Jugend noch Westfalenmeister geworden, schon schaffte er nahtlos den Sprung in die erste Mannschaft. Das erste Oberligaspiel bestritt er am 9. Oktober 1960 gegen Hamborn 07. Im Endspiel um die “Deutsche” 1961, das der BVB gegen den 1. FC Nürnberg verlor, schnupperte er erstmals die Luft eines großen Finales. Es sollten weitere folgen! Der kleine Terrier mit dem großen Kämpferherzen wurde Deutscher Meister 1963, DFB-Pokalsieger 1965 und Europacupsieger 1966. Im Endspiel 1963 gegen den 1. FC Köln brachte er mit seinem überraschenden 1:0 in der 21. Minute den BVB auf die Siegerstraße. Alle waren erstaunt, denn das Toreschießen gehörte eigentlich nicht zu seiner “Kernkompetenz”.  In den großen Europacupspielen hatte es Kurrat zumeist mit den gegnerischen Spielmachern zu tun. So war Eusebio sein Gegner im Hinspiel 1963 in Lissabon, so setzte er sich mit Luis Suarez in den Partien gegen Inter Mailand auseinander. Suarez trat dem kleinen Mann vom Borsigplatz in der 18. Minute so brutal in den Unterleib, dass es nur die Konsequenz “Platzverweis” geben konnte. Ein bestochener Schiri namens Tesasic allerdings hatte im Gegensatz zu den Millionen an den Bildschirmen nichts gesehen.

Nach seiner aktiven Karriere stand Hoppy Kurrat dem BVB als Trainer zur Verfügung. Da die Borussen nach ihrem Abstieg 1972 finanziell ziemlich klamm waren, verzichtete er generös auf sein Trainergehalt. Später wechselte er als Spielertrainer zum SV Holzwickede, mit dem er 1976 Deutscher Amateurmeister wurde.

Wolfgang Paul: Karriere als “Stopper Paul”

Die BVB-Fans nannten den Uhrmachermeister Wolfgang Paul (25. 1. 1949) aus Bigge-Olsberg, der 1961 über den VfL Schwerte zum BVB stieß, wegen seiner eindrucksvollen Physis den “Ardeyhirsch”. Immerhin war er 1,86 Meter groß und mächtig von Gestalt. Bei Kopfbällen und in Zweikämpfen brachte er seine körperlichen Vorzüge mit wuchtigen Aktionen bestens zur Geltung. Hart, aber fair! Das waren die signifikanten Attribute des Sauerländers, der in seiner Fußballer-Karriere kein einziges Mal vom Platz flog.

Wolfgang Paul reifte beim BVB rasch zu einer Führungspersönlichkeit und wurde zu Beginn der Saison 1965/66 folgerichtig der Nachfolger von Aki Schmidt als Mannschaftskapitän der Schwarz-Gelben. In der Abwehrschlacht zu Glasgow konnten sich seine Mannen nicht nur auf ihren “Stopper Paul” verlassen, sondern sich auch an seinem kämpferischen Beispiel orientieren und aufrichten. Die englischen Medien flochten dem Hünen regelrechte Kränze der Verehrung.

Paul gehörte 1966 auch zum Aufgebot des DFB für die WM in England. Anders als Tilkowski, Held und Emmerich kam der untadelige Sportsmann allerdings zu keinem WM-Einsatz. Den Dress der Nationalmannschaft durfte sich der heutige Vorsitzende des BVB-Ältestenrates nur einmal, und das in einem inoffiziellen WM-Vorbereitungsspiel, überstreifen.

Rudi Assauer: Der schöne Rudi

“Als wir am 5. Mai 1966 in den Hampden Park zum Endspiel gegen Liverpool einliefen, hatte ich ziemlich die Hosen voll. Das hat der Aki, der direkt hinter mir stand, offensichtlich gemerkt. Seine Bemerkung: “Wenn Du heute Eierkes machst, dann bekommst Du einen Tritt in den A..., den Du nicht vergessen wirst”, habe ich das ganze Spiel über nicht vergessen. Deshalb unterlief mir in den 120 Minuten auch so gut wie kein Fehler!” Mit einem leichten Schmunzeln hat Rudi Assauer (30. 4. 1944) dieses Bonmot anlässlich eines Termins zur Vorbereitung der WM 2006 in Iserlohn erzählt, als er von einem Besucher auf das Europacupendspiel 1966 angesprochen wurde.

Der blendend aussehende gebürtige Sauerländer Assauer, der 1964 über die SpVgg Herten zum BVB kam, blieb den Schwarz-Gelben bis 1970 verbunden. Danach wechselte der technisch versierte linke Außenläufer zu Werder Bremen, wo er seine Karriere als Fußballer auch beendete. Es folgte eine eindrucksvolle Zeit als Werder-Manager und später als mächtiger Mann des FC Schalke 04.  Aber wo Rudi Assauer auch immer engagiert war, stets blieb er Mitglied beim BVB, mit dem er den größten Erfolg seiner Fußballerlaufbahn errungen hat.

Leider ist der zeitlebens vitale und lebensbejahende Rudi Assauer seit einigen Jahren schwer erkrankt und lebt heute völlig zurückgezogen. Sein alter Freund und Weggefährte Werner Hansch ist einer der Wenigen, die noch Zugang zu ihm haben. In Dortmund hat man Assauer zuletzt 2010 anlässlich der Premiere der Produktion “Leuchte auf, mein Stern Borussia” im Dortmunder Schauspielhaus gesehen, das er mit großer Freude erlebte.

Reinhard “Stan” Libuda: Flügelflitzer von Weltklasse

Wenn es bei Reinhard “Stan” Libuda “ (10. 10. 1943 – 25. 8. 1996) “lief”, dann brauchte er weltweit auf der Position des Rechtsaußen keinen Vergleich zu scheuen. Antrittsschnell, ein großartiger Dribbler – Libuda war ein Flügelflitzer, der jeden Gegenspieler zur Verzweiflung bringen konnte. Und seine Gegenspieler hatten es in aller Regel in sich: Kurbjuhn vom HSV, Bene aus Stuttgart, Piontek und Höttges von Werder Bremen gehörten dazu. Alles Kaliber, die einen schon das Fürchten lehren konnten. Aber der Mann aus Gelsenkirchen, der erst 1965/66 zum BVB stieß, ließ sie in Serie mit seinem berühmten Matthews-Trick schlecht aussehen. Gemeinsam mit Siggi Held und Lothar Emmerich bildete er ein Sturmtrio von internationalem Format.

Als Libuda 1965 zum BVB wechselte, wurde die verbale Gangart unter der Fans heftiger. Die unschöne Bezeichnung “Verräter” hielt Einzug in das Vokabular. Beim BVB blieb der Stan bis 1968. Dann wechselte er zurück zu seinem Stammverein, dem er im Herzen immer die Treue gehalten hatte.

In Glasgow lief es zunächst nicht so gut für ihn. Dann wurde er aber als Schütze des goldenen Tores über alle Maßen gefeiert.

In der Nationalmannschaft machte Libuda ebenfalls eine sehr respektable Karriere mit seinen 26 Länderspielen. Hier feierte er seinen größten Erfolg wohl mit dem Siegtreffer gegen Schottland in der WM-Qualifikation für 1970, mit dem er das Tor nach Mexico für die DFB-Formation öffnete. Die WM selber beendete er mit seinem Team auf einem großartigen dritten Rang.

Leider gehörte Libuda auch zu der Schalker Mannschaft, die Anfang der 1970er Jahre in den unseligen Bestechungsskandal verwickelt war. Unter diesem Fehltritt hat der prominenteste Grenzgänger zwischen dem BVB und Schalke 04 praktisch bis zu seinem frühen Tod gelitten.

 „Aki“ Schmidt: Meister der Regie

Das jugendliche Bürschen, das sich im Juli 1956 zu seinem ersten BVB-Training bei Trainer Helmut Schneider anmeldete, war gerade einmal 20 Jahre alt und stammte aus Berghofen. Sein Name: Alfred Schmidt, den seit Jahrzehnten jeder nur „Aki“ nennt.

Der erste Verein des Schüler- und Jugendkickers war die SpVggBerghofen. Seit er 1946 allerdings den BVB in einem Spiel gegen Witten im Hoeschpark gesehen hatte, schlug sein Herz für die Borussen. Bei diesem Club wollte er einmal spielen.

1956 also war es soweit. BVB-Trainer Helmut Schneider erkannte Schmidts großes Talent als Mittelfeldstratege und setzte ihn in der ersten Mannschaft ein.

Im September 56, im dritten Qualifikationsspiel des BVB für die Hauptrunde des Europapokals der Landesmeister gegen Spora Luxemburg, bestand er seine erste internationale Bewährungsprobe. Sepp Herberger wurde auf ihn aufmerksam und machte ihn bereits im Frühjahr 1957 in der Partie Holland – Deutschland zum Nationalspieler. Als Dank für das große Vertrauen des Bundestrainers schoss der Debütant dann auch gleich „sein“ Premierentor. Das war ein gelungener Einstand!

Aki Schmidts Erfolge als Spieler sind eindrucksvoll: Deutscher Vizemeister 1961, Deutscher Meister 1963, Benfica-Held, DFB-Pokalsieger 1965, Europapokalsieger 1966. Der großartige Mittelfeldstratege bildete zunächst mit Jürgen Schütz und Timo Konietzka und danach mit Siggi Held und Lothar Emmerich gefürchtete Sturmtrios.

Selbst die tollste Karriere erfährt da und dort Rückschläge. Das gilt auch für unseren Aki. Obwohl bereits Nationalspieler, fand er keine Berücksichtigung beim Endspiel um die Deutsche Fußball-Meisterschaft 1957 gegen den HSV, das BVB-Trainer Schneider mit der identischen Aufstellung bestreiten wollte wie im Jahr zuvor, um etwas Einmaliges zu schaffen.

In der Nationalmannschaft wurde Schmidt von 1956 bis 1964 in 25 Länderspielen eingesetzt, war 1958 WM-Teilnehmer in Schweden und danach der erste Kapitän der Nationalelf  aus dem „Hause“ BVB.

1966/67 besuchte Aki Schmidt mit Erfolg die Sporthochschule Köln und machte dort die Lizenz als Fußballlehrer. Seine Trainerstationen wurden Jahn Regensburg, Kickers Offenbach, Preußen Münster  und der FK Pirmasens. Der Deutsche Pokalsieg 1970 mit dem Zweitligisten Kickers Offenbach ist die besondere „Duftmarke“ seiner Trainertätigkeit.

Der lebensbejahende Aki Schmidt ist ein begnadeter Entertainer. Im Mai 2011 kreierte er das Lied „Rubbeldiekatz am Borsigplatz“, das praktisch der BVB-Song der Deutschen Meisterschaft 2011 wurde. Der Begriff „Rubbeldiekatz“ war sogar in der näheren Auswahl für das „Jugendwort 2011“.

Dass Aki Schmidt mit seinen jetzt 80 Lenzen dem BVB durch seine Tätigkeit im Ältestenrat noch treu verbunden ist, kann bei dieser Vita niemanden verwundern. 

Siegfried „Siggi“ Held: Schnell und torgefährlich

Über den SV Marktheidenfeld und die Offenbacher Kickers kam Siegfried „Siggi“ Held (geb. am 7. 8. 1942), der blonde Supersprinter unter den damaligen Fußballern, zu Beginn der Saison 1965/66 zum BVB. Der neue Trainer Willi „Fischken“ Multhaup, von Werder Bremen zum BVB gewechselt, hatte den pfeilschnellen Kicker schon auf seiner Wunschliste, bevor er den Vertrag mit den Borussen unterzeichnete. Siggi Held machte eine außergewöhnliche Blitzkarriere, die ihn rasch in die Nationalmannschaft führte. Sein erstes Länderspiel datiert vom 23. 2. 1966 gegen England. Neben seinen Auftritten in der Bundesliga nutzte er die internationalen Begegnungen des BVB im Europacup der Pokalsieger, um sich Bundestrainer Helmut Schön zu empfehlen. Gemeinsam mit Lothar Emmerich bildete er das international beachtete und gefürchtete Duo „The terrible Twins“. Held spielte nominell Mittelstürmer beim BVB, brach allerdings häufig auf den von ihm bevorzugten linken Flügel aus, um seine rasanten Sprints ansetzen zu können. Sein kongenialer Partner „Emma“ Emmerich rochierte dann in die Mitte und wartete auf die gefährlichen Pässe und Flanken seines fußballerischen Zwillings.

Im legendären Europacup-Endspiel 1966 war Held an beiden BVB-Toren beteiligt. Das 1:0 erzielte er höchstpersönlich, den Siegtreffer zum 2:1 bereitete er mit einem schneidigen Solo in Richtung Liverpooler Tor vor.

Es war nicht verwunderlich, dass Helmut Schön Siegfried Held auch mit zur WM nach England mitnahm. Im Eröffnungsspiel gegen die Schweiz erzielte er das erste WM-Tor der deutschen Mannschaft in diesem Turnier. Held wurde Stammspieler bei der WM und spielte in allen Partien bis zum Finale entweder Linksaußen oder Halblinks. Seine zweite WM erlebte er 1970 in Mexico. 1971 verließ Siegfried Held den BVB und schloss sich erneut den Offenbachern an. Nach dem Bundesligaaufstieg des BVB kam Held, von dem Trainer Otto Rehhagel eine Menge hielt, als Libero zurück zu den Schwarz-Gelben. Nach der aktiven Laufbahn war er als Trainer mit mehreren nationalen und internationalen Verpflichtungen erfolgreich. Gegenwärtig ist Siggi Held im Ältestenrat und als Fan-Betreuer weiterhin für den BVB tätig.

Willi Sturm: “Mister Zuverlässig”

Der Wattenscheider Vorortverein Union Günnigfeld hat zwei Fußballer mit dem Vornamen “Willi”  hervorgebracht, die zu Rang und Namen kamen und als Referenzadresse herhalten: Willi Schulz (FC Schalke und HSV), der als World Cup-Willi 1966 zu Ehren kam, und “Mister Zuverlässig” Willi Sturm (8. 2. 1940 – 5. 11. 1996), der mit dem BVB als Deutscher Meister, DFB-Pokalsieger und Europacupsieger großartige Erfolge feierte.

Sturm, ein Mann mit Pferdelunge, konnte praktisch alle Positionen im Mittelfeld mit gleichbleibend hoher Qualität ausfüllen.  Angenehm zurückhaltend und unaufdringlich im Wesen, war der Mann mit der schon früh hohen Stirn prädestiniert für die Übernahme von Spezialaufgaben. Sein großes Spielverständnis machte ihn zum idealen Partner für seine Mannschaftskameraden. Dabei war ihm kein Weg zu weit und keine Aufgabe zu unangenehm. Leider hat auch er nur ein einziges Mal in der Nationalelf – 1964 gegen Finnland - auflaufen dürfen.

Im Dress des BVB spielte Willi Sturm ein Jahrzehnt von 1961 bis 1971. Dabei kam er zu 53 Oberliga- und 186 Bundesligaseinsätzen. Darüber hinaus absolvierte er 22 Europapokalspiele für seine Schwarz-Gelben.

Lothar Emmerich: Der Mann mit den „linken Klebe“

Lothar Emmerichs fußballerische Karriere ist untrennbar mit seinem „Tor des Jahrhunderts“ im WM-Vorrundenspiel 1966 gegen Spanien in Birmingham verbunden. Dieser Treffer machte den schussgewaltigen Außenstürmer aus Dortmund-Dorstfeld, von dem das geflügelte Wort: “Gib mich die Kirsche!“ stammt, auf einen Schlag weltberühmt.

Lothar Emmerich, am 29. 11. 1041 geboren, kam 1960 von Dorstfeld 09 zum BVB und imponierte schon bald mit seiner sagenhaften Schusskraft. Mit dem BVB wurde er 1965 DFB-Pokalsieger und ein Jahr später im Hampden Park zu Glasgow gegen den FC Liverpool  Europacupsieger. Gemeinsam mit Siggi Held bildete er das europaweit gefürchtete Duo „The terrible Twins“ - die schrecklichen Zwillinge. Dabei war der elegante Held in aller Regel der Vorbereiter und der wuchtige Emmerich der Vollstrecker.

Der Bundesliga-Torschützenkönig 1966 und 1967 (gemeinsam mit Gerd Müller) erzielte in 32 Oberliga- und 183 Bundesligaspielen 126 Tore für die Borussen. Hinzu kommen 21 Europacupspiele mit 15 Toren.

Der fünfmalige Nationalspieler und Vize-Weltmeister von 1966 verließ den finanziell angeknockten BVB 1969 in Richtung Belgien. Nach seiner aktiven Karriere wurde er Trainer und kehrte 1999 nach Dortmund zurück. Hier fand er beim BVB als Fan-Beauftragter eine neue Aufgabe, der er sich mit Leidenschaft und Engagement verschrieb. Von seinen Stadionführungen gemeinsam mit Aki Schmidt schwärmen die Teilnehmer noch heute. Große Bestürzung erfasste zahllose Fußballfreunde, als die traurige Kunde von seinem unheilbaren Lungenkrebs die Runde machte, an dem er 2001 verstarb.

Zu Ehren des unvergessenen Linksfüßlers aus Dorstfeld trägt das heutige BVB-Maskottchen  den Namen „Emma“. Damit hat ihm der BVB ein bleibendes Denkmal gesetzt, das insbesondere die Kleinsten im BVB-Kids-Club über alle Maßen lieben.

Willy “Fischken” Multhaup: Der Gentleman-Trainer

Die schwarz-gelben Europacupsieger von 1966 sprechen voller Hochachtung von ihrem Trainer Willy “Fischken” Multhaup, der leider nur ein Jahr beim BVB unter Vertrag stand. Als Nachfolger von Hermann Eppenhoff übernahm Multhaup 1965 eine intakte Mannschaft, die er insbesondere taktisch verfeinerte. Hinzu kam, dass sich die beiden Neuzugänge Siggi Held und Stan Libuda als absolute Volltreffer herauskristalisierten, die auch in den Europacupspielen brillierten, ja, entscheidende Akzente setzten.

Der Essener “Fischken” Multhaup kam als Meistermacher von Werder Bremen zum BVB. Mit den Bremern war er 1965 überraschend Deutscher Meister geworden. Multhaup hatte ein großes Herz für seine Spieler und wurde rasch für sie zur Vertrauensperson. Er war stets hanseatisch vornehm im Umgang, punktuell Monokelträger und damit der Gentlemantrainer par exzellence.

Nach dem Europapokalsieg mit dem BVB, der sein größter Karriereerfolg war und blieb, verabschiedete er sich in Richtung Köln, wohin ihn FC-Boss Franz Kremer, einer der Väter der Bundesliga, mit einer großzügigen Offerte gelockt hatte.

In Quizfragen zum BVB werden gern Fragen nach dem ersten Nationalspieler, Olympiateilnehmer oder Weltmeister des BVB gestellt. Die Frage, wer eigentlich der erste Europameister des BVB war, ist zumeist nicht dabei. Die Antwort auf die nicht gestellte Frage: Mirko Votava.

Miroslav, kurz “Mirko” Votava wurde am 25. April 1956 in Prag geboren, wird also heute runde 70 Jahre alt.

Während des “Prager Frühlings” verließ die Familie 1968 ihre Heimat, kam zunächst nach Deutschland und ging dann für eine kurze Zeit nach Australien. Nach der Rückkehr  wurde man in Witten heimisch; die Brüder Mirko und Joschi kickten beim dortigen Vfl.

Heinz Keppmann, der A-Jugend-Trainer des BVB, wurde auf die veranlagten Jungs aufmerksam und holte sie 1973 zur Borussia.

Keppmann setzte alle erdenklichen Hebel in Bewegung, um die staatenlosen Votavas einzubürgern, was 1978 auch gelang. Damit stand  Mirko Votava auch eine Karriere in der Deutschen Nationalmannschaft offen.

Rasch fasste er in der 1. Mannschaft von Borussia Dortmund Fuß und wurde eine feste Größe in den Planungen seiner Trainer Otto Knefler, Horst Buhtz, Otto Rehhagel, Karl-Heinz Rühl, Branko Zebec und Udo Lattek. Sein wichtigster Erfolg beim BVB war  der Wiederaufstieg in die Bundesliga 1976. Für die Borussia bestritt er 189 Bundesligaspiele, in denen er 25 Tore erzielte.

Auch in mehreren Länderspielen kam er zum Einatz. Darunter befindet sich das letzte Gruppenspiel im Rahmen der Europameisterschaft 1980 am 17. 6. 1980 in Turin gegen Griechenland, das untentschieden 0:0 endete. Der 2:1-Sieg im Endspiel gegen Belgien wenige Tage später machte den DFB und damit auch Mirko Votava zum ersten “eingesetzten” BVB-Europameister.

Die Karriere von Mirko Votava im schwarz-gelben Dress endete 1982. Der Mittelfeldspieler wurde Borussias erster (lukrativer) Spanien-Transfer und Atletico Madrid sein neuer Arbeitgeber, mit dem er den spanischen Fußballpokal errang. 1985 zog es ihn in die Bundesliga zurück. Er folgte seinem früheren BVB-Trainer Otto Rehhagel und ging zu Werder Bremen. Dort feierte er herausragende nationale und internationale Erfolge und wurde mit Werder Bremen 1988 und 1993 Deutscher Fußballmeister, 1991 und 1994 DFB-Pokalsieger sowie 1992 Europacupsieger der Pokalsieger.

Als er 41-jährig 1997 als Bremens Mannschaftskapitän seine Karriere beendete, konnte er auf  546 Meisterschaftsspiele in der Bundesliga zurückschauen. Damit er in der bisherigen “Einsatzrangliste” die Nr. 5. Nicht schlecht!

Mirko Votava war kein Filigrantechniker, sondern ein Rackerer, ein Dauerläufer, ein bienenfleißiger Arbeiter und ein Mann mit einem großen taktischen Verständnis, das ihn für seine Mannschaften BVB, Atletico Madrid und Werder Bremen praktisch unverzichtbar machte.

Nach seiner aktiven Karriere wurde Votava Trainer.

Zuletzt sah ich  ihn im Mai 2024 in Dortmund. Er war gemeinsam mit Erdal Keser, Edin Tersic und Theao Schneider Ehrengast bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an seinen ehemaligen Förderer und A-Jugendtrainer Heinz Keppmann, zu dem er bis zu dessen Tod freundschaftliche Beziehungen unterhielt.

Mirko Votava war immer eine sportliches und – besonders wichtig – ein menschliches Vorbild. Deshalb gratulieren wir ihm auch ganz besonders herzlich zu seinem heutigen “runden” Geburtstag!

„Eine weitere Änderung in der Seelsorge trat Ostern 1906 dadurch ein, daß Kaplan Pott zum Vikar in Hordel ernannt wurde, Kaplan Klens zum 1. und der Seminarpriester Hubert Dewald aus Wanne zum 23. April 1906 zum 2. Kaplan wurde.“

Mit diesen recht dürren Formulierungen berichtet die Kirchenchronik der Dreifaltigkeitskirche von einer internen Personalie, die gut drei Jahre später eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für die Gründung des Ballspielvereins Borussia 09 Dortmund bekommen würde.

 

Hubert Dewald wurde am 15. November 1882 als Sohn eines Lokomotivführers in Wanne geboren. Der gute Schüler und fromme Katholik besuchte nach der Volksschule das Petrinum-Gymnasium in Recklinghausen und machte dort sein Abitur. Danach studierte er Theologie in Paderborn und in Freiburg. Am 6. April 1906 erlebte der 23-jährige Hubert Dewald im Hohen Dom zu Paderborn mit der Priesterweihe seinen bis dato größten Tag. Nur gut zwei Wochen später kam er als 3. Kaplan unter Pfarrer Klemens Cloidt zur Dreifaltigkeitskirche. Auf den jungen, ausgesprochen intellektuellen Geistlichen wartete mit der Leitung der Jünglings-Sodalität eine spannende und sehr umfangreiche  Aufgabe, gekennzeichnet von aufopferungsvoller Seelsorge und dem Willen, die Gemeindeschäfchen aus vieler Herren Länder in die Pfarrei zu integrieren und ihnen damit Halt und Charakter für den künftigen Lebensweg zu geben.

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Hubert Dewald wird im „Westfälischen Volksblatt“ wie folgt charakterisiert:

„Tiefe Frömmigkeit, ideale Berufsauffassung und hervorragende Begabung zeichneten ihn aus. Großes leistete er auf dem Gebiete der Jugendpflege als Präses und Bezirkspräses in den Jünglingssodalitäten der Stadt Dortmund. Nicht weniger liebevoll und eifrig war er bei den Kleinen in der Schule.“

Sein Aufgabenfeld in der Sodalität umfasste die Seelsorge für Kinder, Jugendliche und Familien mit der Unterweisung im Glauben und der Einbindung in die Pfarrei.

Der engagierte Kaplan hatte eherne Glaubensprinzipien, die er auch in mehreren Publikationen zum Ausdruck brachte.

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Hubert Dewald war ein Kind seiner Zeit und der damaligen Lebensumstände. Bezogen auf den „Fußball“ vertrat er eine Meinung, die von vielen bürgerlichen Kreisen, besonders von den Turnern, geteilt wurde: Fußball kommt aus England und ist deshalb als „englische Krankheit“ und „undeutsch“ abzulehnen. Der Begriff der „Fußlümmelei“ machte die Runde und: „Man tritt einen räudigen Hund mit dem Fuß, aber niemals ein Sportgerät“.

Das Buch „Sport und Körperpflege“ aus dem Geburtsjahr des BVB formuliert es wie folgt:

“Trotz alledem muss gewissenhaft registriert werden, dass das Fußballspiel Feinde hat, wie kaum ein anderer Sport. Es führt zu Raufszenen und verroht die Jugend, es ist reiner Muskelsport und bedingt keinerlei geistige Inanspruchnahme, die Beine

werden das Zentrum des Körpers, alles andere ist Nebensache, die Arme sind überflüssige Anhängsel, das Haupt gerade gut genug, einen Ball zu “köpfen”, und der Fußballchampion ist der Typus der vom Sport verschuldeten Degeneration.”

Mit dieser Haltung kam Kaplan Hubert Dewald in die Flurstraße zur Dreifaltigkeits-Gemeinde und widmete sich den jungen Sodalen, zu denen Franz Jacobi, Heinrich Unger und ihre Freunde gehören. Zu diesem Zeitpunkt landete bekanntlich aber auch der englische Lederball des Reinhold Richter am Borsigplatz. Auf dem städtische Gelände mit dem schönen Namen „Weiße Wiese“ gingen die Jungs von Stund an leidenschaftlich ihrem neuen Hobby nach.

Der Bauer Wübbecke, dessen Sohn ebenfalls dem runden Leder nachjagte, stellte ihnen seine Scheunen für die Aufbewahrung der Pfosten und Latten zur Verfügung stellt. Diese mussten unsere BVB-Pioniere damals an jedem Trainings- und Spieltag bis zur „Weißen Wiese“ und zurück schleppen.

Hubert Dewald sah im Fußball nach wie vor einen rohen und unpädagogischen Sport und bekämpfte ihn deshalb mit lauteren, teilweise aber auch mit unlauteren Mitteln. Ab und zu wurde mal ein Pfosten oder eine Latte aus den Wübbecke-Scheunen stibitzt. Öffentliche Schelten für die Rädelsführer der „Fußlümmelei“ wurden zur Regel. Die Jacobi und Co. wurden denunziert und angeschwärzt.

Im Herbst des Jahres 1909 spitzte sich die Situation weiter zu und gipfelte  in der Predigt Dewalds zum 4. Advent am 19. Dezember 1909, in der der Kaplan die sonntägliche Nachmittagsandacht um 14 Uhr als Pflichtveranstaltung für den Gemeindenachwuchs ausrief. Damit wollte er die Jungs packen, wusste er doch, dass genau zu diesem Zeitpunkt das sonntägliche Fußballspiel auf der „Weißen Wiese“ begann.

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Das war ernst zu nehmen, hatte Dewald seine Gedanken zum Sonntag doch in einem viel beachteten Buch in die Worte gekleidet:

„Der Sonntag gehört Gott dem Herrn.

Er wirft seinen warmen Schein vor allem ins Familienleben.

Er führt Eltern und Kinder zusammen.

Der Sonntag gibt uns auch Zeit, die Liebespflichten gegen andere zu erfüllen, Kranke zu besuchen, Betrübte zu trösten, die Gräber der verstorbenen Angehörigen aufzusuchen.

Er vergönnt uns stille Stunden geistiger Beschäftigung mit guten Büchern und wohltuender Erfrischung im Gebet.

Gott der Herr bietet uns am Sonntag reiche Seelenfreuden aus den reinsten Quellen des Glaubens, der Familie, der Freundschaft, der Natur.

Wer daraus schöpft, wird niemals die seichten Vergnügungen der anderen begehren.

Ihm wird der Tag zum Segen und zum Lob für Leib und Seele werden.“

Fußball dürfte in seinen Augen zu den „seichten Vergnügungen“ des Sonntags gehört haben, die er nicht akzeptieren konnte und wollte.

Nach der Morgenmesse, im Hause der Jacobis in der Wambeler Straße 12, schmiedeten die Kicker „revolutionäre“ Pläne. Reinhold Richter stieß zu ihnen und setzte ihnen den Floh einer eigenen Vereinsgründung ins Ohr. Mit ihren Freunden verabredeten sich die Sodalen für den Abend im Wildschütz, wo sich etwa 50 „Rebellen“ um 19.00 Uhr im Spiegelsaal einfanden und von Franz Jacobi und Heinrich auf die Trennung von der Jünglingssodalität eingestimmt wurden.

Als Dewald Wind von der Versammlung bekam, machte er sich mit wehenden Rockschößen auf, das kirchenspalterische Treiben zu unterbinden. Wie Franz Jacobi später erzählte, lief der Kaplan dabei in einen präzisen Uppercut. Es folgte Dewalds Treppensturz und die Erkenntnis, dass er an diesem Abend als „Gesprächspartner“ der „jungen Wilden“ nicht gefragt war.

Danach gründeten die verbliebenen 18 Jung-Sodalen den Ballspielverein Borussia 09 Dortmund und wählten Heinrich Unger zum ersten BVB-Präsidenten. Bei der Namensfindung stand übrigens die  „Borussia-Brauerei“ Pate, wie Franz Jacobi später gern erzählte.

Zum besseren Verständnis: Die Rebellen um Franz Jacobi sind aus der Jünglingssodalität ausgetreten, nicht aber aus der Dreifaltigkeitsgemeinde. Darin blieben die jungen und gläubigen Katholiken selbstverständlich weiter Mitglied.

Dewald war verbittert und gekränkt, besuchte in den folgenden Wochen und Monaten die Eltern der Rebellen und brachte es fertig, dass einige von ihnen zur Sodalität zurückkehrten. So zählte der junge Verein Ende 1910 nur noch zehn Mitglieder. Das war existenzbedrohend. Nach dem ersten offiziellen Spiel im Januar 1911 hängte man einige Fotos davon an die Kirchentür. Damit sollte stolz dokumentiert werden, dass man es trotz aller Restriktionen seitens der Kirche geschafft hatte. Kurze Zeit später schlossen sich mehrere „wilde Vereine“ mit den schönen Namen „Britannia“, „Rhenania“ und „Deutsche Flagge“ dem BVB an und füllten die gelichteten Reihen auf. Der BVB konnte in eine gesicherte Zukunft durchstarten.

Der Bruch mit Dewald und der Jünglingssodalität  hielt nach einer beiderseitigen Schmollzeit nicht lange an. Man arrangierte sich pragmatisch und arbeitete zum Wohle des Borsigplatzes wieder zusammen.

Kaplan Hubert Dewald ist fraglos eine zentrale Figur im Zusammenhang mit der Gründung des BVB. Ohne seine negative  Haltung dem Fußball und seinen „Dreifaltigkeitss-Kickern“ gegenüber wäre Borussia Dortmund nie gegründet worden, hätte es für eine Trennung von der Jünglingssodalität keinerlei Grund gegeben. Auf der anderen Seite sollte aber nicht verkannt werden, dass es Dewald war, der die Sodalen in dem Geiste erzogen hatte, sich nicht wegzuducken, aufrecht und mutig durchs Leben zu gehen und stets zur eigenen Meinung zu stehen. Dank also dem unfreiwilligen „Vereinsgründer“.

Nach elf Jahren in Dortmund sagte Hubert Dewald der Dreifaltigkeits-Gemeinde „ade“ und wurde Vikar in Anröchte. Hier starb er nach einer kurzen, schweren Erkrankung (wahrscheinlich an der Spanischen Grippe, einer Pandemie ähnlich Corona, die Tausende dahinraffte), am 15. Oktober 1917, gerade einmal 36 Jahre alt. Zu seiner Beisetzung auf dem Friedhof der Liebfrauenkirche in Gelsenkirchen (!) entsandte die Dreifaltigkeitskirche eine Delegation ehemaliger Zöglinge Dewalds, um ihm die letzte Ehre zu erweisen.

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Die Dortmunder „Tremonia“, heute „Ruhrnachrichten“, schrieb in ihrem Nachruf:

„Seine Gedankentiefe in allem, was er gesprochen in Predigt, Katechese und Vortrag und was er geschrieben, war geradezu hervorragend.“

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„Aufstieg! Endlich haben wir es geschafft! Den Meistertitel des Kreises Mark haben wir uns nun endgültig erkämpft!“

Mit diesen Worten feierte Heinz Schwaben, der Nachfolger des legendären BVB-Präsidenten Franz Jacobi, in der „Aufstiegs-Nummer“ der Vereinszeitung das Erreichen der 1. Ruhrbezirksklasse Gruppe Dortmund -Gelsenkirchen, also der damals höchsten deutschen Spielklasse. Damit war der BVB zum ersten Mal in seiner Geschichte erstklassig geworden. 

Hießen die Gegner bislang Viktoria Dortmund, SV Wanne, Westfalia Herne und Hörder SC, so spielten die Schwarz-Gelben in der Saison 1926/27 gegen Schalke 04, Union Gelsenkirchen oder den DSC 95, Dortmunds erstem Fußballclub überhaupt.

Den letzten und entscheidenden Sieg auf dem Weg zum Aufstieg errangen die Mannen vom Borsigplatz am 28. März 1926 in der Partie gegen Viktoria Dortmund, die mit 5:1 deutlich gewonnen wurde. 1.500 Fußball-Begeisterte waren zum Borussia-Sportplatz gekommen, um den Sieg und damit den Aufstieg in die Erstklassigkeit mitzuerleben.

Der BVB bestritt die Partie mit Kniprath, Jakubowitz, Kopacki, Weih, Hagedorn II, Schlabbers, Fischer, Zeitzer, Weiß und Wolf.

Herausragende Akteure waren Karl Hagedorn, der Strafstoßspezialist, Torwart Kniprath, die Außenstürmer Fischer und Zeitzer und  der gefährliche Weiß.

Im Verlaufe des Spiels wurde die Partie immer härter, teilweise brutal. Das Ergebnis: Borussias Weiß musste wegen „unsportlichen Benehmens“ vorzeitig in die Kabine.

In der 1. Ruhrgebietsklasse erging es dem BVB, der auf vielen Positionen neu formiert wurde, denkbar schlecht. Mit dem vorletzten Tabellenplatz musste man die Erstklassigkeit ad acta legen und fand sich 1927 in der 2. Bezirksklasse Dortmund wieder. Der Vorstand um Heinz Schwaben hatte den Clubs der umliegenden Gemeinden die besten Spieler weg gekauft. Das ging in die viel zitierte „Hose,“ Die Neuen - alles aus ihrer Sicht Führungsspieler – passten sich weder an noch in das Mannschaftsgefüge ein. Hohe Niederlagen wie 0:7, 0:9, 1:9 oder 2:7 waren die Folge. Das brachte umgehend den Abstieg.

Danach gab es eine Zäsur beim BVB, ein echtes Umdenken. Künftig wurde nicht mehr wild „eingekauft“, sondern man setzte auf die eigene Jugend und führte die talentiertesten Jung-Akteure an die 1. Mannschaft heran.

Das trug Früchte und sorgte auch dafür, dass sich die BVB-Mitglieder und die 1. Mannschaft als Einheit sahen, die willens war, ihrem Club durch Dick und Dünn zu folgen und zu ihm zu stehen.

Ihre Erstklassigkeit erkaufte sich der BVB im wahrsten Sinne des Wortes teuer. Man hatte Versicherungspolicen mit 12.000 Reichsmark beliehen und damit die wagemutige Einkaufspolitik finanziert. Danach war man fast pleite und konnte das Geld nicht zurückzahlen.

Um den Bankrott des BVB zu verhindern, griff Präsident Heinz Schwaben, ein Mann der Dortmunder Wirtschaft, tief in die eigene Tasche, bewahrte seinen Club vor dem entscheidenden Gang zum Amtsgericht  und wurde so zum ersten Retter des BVB.

 

Zu den Sympathieträgern der legendären BVB-Elf, die 1976 den Wiederaufstieg  in die Fußball-Bundesliga realisierte, gehörte ohne Frage Klaus Ackermann.

Der immer freundliche, konziliante und verbindliche Außenstürmer, Mittelfeldspieler  und spätere Verteidiger wurde am 20. März 1946 - also am Frühlingsanfang des schweren ersten Nachkriegsjahres – in Hamm geboren.

Schon als Jugendlicher bei  Germania Hamm wurde der begabte Nachwuchskicker  in die westfälische und in die westdeutsche Auswahl berufen. Seinen ersten Profivertrag unterzeichnete der nur 1,67 m große Flügelstürmer, erst18 Jahre jung, bei Preußen Münster. Nach drei Jahren Regionalliga wurde der legendäre Hennes Weisweiler auf ihn aufmerksam und holte den gelernten Elektroinstallateur zu den Gladbacher Fohlen. Am Bökelberg erreichte er mit seinem Team zweimal Platz drei in der Bundesliga. Als ihn aber zwei Spielzeiten später ein besseres Angebot des 1. FC Kaiserslautern erreichte, folgte er dem Lockruf und ging in die Pfalz.

Dort formten ihn die Trainer Lorant, Weise und Ribbeck weiter auf dem Weg zu einem anerkannten Spitzenmann. Erich Ribbeck setzte ihn  gern auch als Mittelfeldakteur ein. Mit den „Roten Teufeln vom Betzenberg“ erreichte er 1972 das Deutsche Pokalendspiel, indem der 1. FC K.  aber sang-und klanglos 0:5 gegen den FC Schalke unterlag.

Zu Beginn der Saison 1974/75 wechselte der „Acki“ zum BVB. Hier wurde der untadelige Sportsmann unter Trainer Otto Knefler sogar Mannschaftskapitän. Nach einem verletzungsbedingt schwächeren zweiten Jahr beim BVB avancierte er zum Außenverteidiger, der es mit der Erfahrung des früheren Außenstürmers vielen seiner Gegenspieler schwer machte. Gemeinsam mit Lothar Huber bildete er eine gefährliche Flügelzange mit häufig ungebremstem Offensivdrang.

Nach dem Wiederaufstieg, an dem er maßgeblich beteiligt war, wurde Klaus Ackermann in der ersten Bundesligasaison von Otto Rehhagel in sämtlichen Meisterschaftsspielen eingesetzt. Danach kamen viele Verletzungen, sodass er seine Karriere beim BVB 1979 beendete. Nach einem sich anschließenden Jahr beim Zweitligisten FC Herford war dann Schluss mit dem Kicken.

Mit seiner alten BVB-Truppe fühlt sich Klaus Ackermann nach wie vor verbunden. So war es für selbstverständlich, vor zwei Jahren an der Beisetzung von Horst Bertram teilzunehmen, ebenso wie Ackermann beim BVB zeitweise Mannschaftskapitän.

Für die Schwarz-Gelben absolvierte Klaus Ackermann 56 Zweitliga- und 43 Bundesligaspiele.

Heute wird der äußerst sympathische Junge aus dem Nachbarort Hamm also runde 80 Jahre alt. Dazu gratulieren wir ihm sehr herzlich und wünschen für die Zukunft alles erdenklich Gute!

Heinrich Schwaben, der langjährige Präsident und zweite Ehrenpräsident des BVB, wurde am 9. Januar 1896 am Borsigplatz geboren. Er stieß 17-jährig als Spieler zum BVB, machte sich als erstklassiger Verteidiger einen Namen über die Grenzen Dortmunds hinaus, war später als Geschäftsführer die rechte Hand von Franz Jacobi und wurde 1923 für fünf Jahre BVB-Präsident. 

Schwaben ist der Vater des Ausbaus der „Weißen Wiese“ zum „Borussia-Sportplatz“, führte den BVB 1926 in die damals höchste deutsche Spielklasse, gründete die Box-, Handball- und Damenabteilung und wurde 1928 der ersten Retter unseres Clubs, indem er aus eigener Tasche 13.000 Reichsmark Vereinsschulden beglich und dadurch den Gang zum Konkursrichter verhinderte.

Auch nach dem 2. Weltkrieg war er über Jahre hinweg in Spitzenämtern  tätig und galt zu recht als die „Graue Eminenz“ im Hintergrund des Clubs, die immer zur Stelle war, wenn es irgendwo brenzlig wurde.

Heinrich Schwaben war ein Mann der Dortmunder Wirtschaft. Zunächst erfolgreich bei der AEG tätig, wechselte er 1934 zur Union-Brauerei, bei der er als Vertriebsdirektor bis in den Vorstand aufstieg.

Eine riesige Trauergemeinde, an der Spitze BVB-Präsident Dr. Werner Wilms, unzählige schwarz-gelbe Weggefährten, Repräsentanten der Stadt Dortmund und der Industrie- und Handelskammer und viele andere Trauernde mehr, nahm am 2. November 1955 von der legendären BVB-Ikone einen sehr tränenreichen Abschied.

Dr. Wilms: „Heinrich Schwaben war ein Mann des Rechts, der Gerechtigkeit, des Ausgleichs. Viel haben wir unserem Heinz für seine unermüdliche Arbeit, für seinen nie versagenden Quell an Humor und  seine unermüdliche Tatkraft zu verdanken. Es ist besonders ehrend für ihn, dass er sich durch gelegentliche Enttäuschungen nicht beirren ließ und weiter zu seinen Borussen in guten und noch mehr in schlechten Tagen hielt. Im Vordergrund stand die Fürsorge für seinen BVB, und es muss festgehalten werden, dass er im Rahmen seiner Möglichkeiten stets bereit war zu helfen, beispielsweise um für die berufliche Unterbringung junger Sportkameraden zu sorgen.

Bis zu seinem allzu frühen Tode, ein Menschenleben lang, ist Heinrich Schwaben dem Sport in unserer Gemeinschaft treu geblieben. Wir gedenken seiner als eines aufrechten, frohen und hilfsbereiten Menschen, als eines tüchtigen und erfolgreichen Kaufmanns, eines Sportfreundes von besonderem Format und eines weit über dem Durchschnitt stehenden Mannes in des Wortes bester Bedeutung.“

Auch und gerade heute können und dürfen wir konstatieren: Heinrich Schwaben gehört zur creme de la creme der absolut bedeutendsten Borussen, die unser Club in seiner bisherigen Geschichte gehabt hat.

Hier einige seiner wichtigsten Aussagen:

“Unsere Stärke war immer die Geschlossenheit und Einigkeit, mit welcher unsere Mitglieder und Anhänger zusammenstanden. Wohl kein Verein kann diese innere Geschlossenheit aufweisen, wie wir sie haben. Opposition und Quertreiberei kennen wir bisher nur dem Namen nach.

Von Bedeutung ist für uns der Umstand, dass wir fast geschlossen in einem Stadtviertel wohnen, gewissermaßen eine Gemeinde für uns bilden. Man hat uns oft in spöttischer Weise, sowohl in Sportskreisen als auch in der Tagespresse, als „Leute vom Borsigplatz“ bezeichnet. Uns hat das wenig geniert, im Gegenteil, wir sind stolz darauf, am Borsigplatz einen derartigen Verein aufgebaut zu haben. Und wie so oft im Leben schlägt die Sache ins Gegenteil um. Wenn heute einer von „den Leuten vom Borsigplatz“ hört oder spricht, dann verbindet sich bestimmt damit die Vorstellung, dass sich dort ein Verein mit Wille und Energie seinen Platz erkämpft hat.“

Mit diesen unvergesslichen Worten hatte Schwaben 1926 in der Zeit der Weimarer Republik den ersten Aufstieg des BVB in die Erstklassigkeit des Fußballs „besungen“ und damit beredt den Familiensinn seines BVB in großartige Worte gefasst.

Wenn auf einen berühmten Fußballer die Bezeichnung „Entertainer“ zutrifft, dann auf Willi Lippens, der am 10. November 2025 die Vollendung seines 80. Lebensjahres feiern konnte. 

Ähnlich wie Weltmeister und Ulknudel Sepp Maier hat der gebürtige Holländer, der für die Niederlande sogar einmal ein Länderspiel absolvierte, die Bundesliga mit seinen fußballerischen Scherzen und Streichen geradezu außergewöhnlich bereichert.

Lippens, der wegen seines Watschelganges landauf, landab nur „Ente“ genannt wurde, machte seine ersten fußballerischen Schritte beim VfB Kleve 09. Bei einem Probetraining beim ETB Schwarz-Weiß Essen fiel er durch, landete dann später aber beim Stadtnachbarn Rot-Weiß und avancierte dort zum Publikumsliebling. Seine Körpertäuschungen, seine Tricks und Finten waren einmalig und ließen praktisch jeden gegnerischen Abwehrspieler schier verzweifeln. 

Nach eigenem Bekunden war einer der legendären Weltmeister von 1974, Berti Vogts mit Namen, sein Lieblingsgegner. Vogts kam mit dem Fußball-Gaukler fast in keinem Spiel zurecht und fühlte sich dabei häufig regelrecht düpiert.

Nach elf Jahren bei den Rot-Weißen erlag die „Ente“ zu Beginn der Spielzeit 1976/77 den Verlockungen des BVB und dessen Trainer Otto Rehhagel und verlegte seine Showbühne ins Westfalenstadion. Auch hier verzauberte der mittlerweile 30-Jährige das Publikum und wurde zum Star eines Teams, in dem er in Manni Burgsmüller einen fast gleichrangigen Ballzauberer als Partner fand.

Willi „Ente“ Lippens blieb bis 1979 beim BVB und ging nach zwei, drei schwereren Verletzungen  wieder zu „seinem“ Lieblingsclub Rot-Weiß Essen zurück, wo er seine Karriere auch beendete.

Für den BVB absolvierte die fußballspielende „Ente“ 70 Bundesligapartien, in denen „sie“ - die Ente - 13 Treffer erzielte.

Am 10. November wurde er also 80 Jahre alt, der unvergessliche Willi Lippens. Wir gratulieren sehr herzlich und wünschen dem Geburtstagskind alles erdenklich Gute, viel Gesundheit und ebenso viele gute Erinnerungen an den – seinen - BVB.

Das obige Foto zeigt eine tolle Szene aus dem Länderspiel Irland – Deutschland im Jahre 1956. Torhüter Heinrich Kwiatkowski hat sich instinktiv in die rechte Ecke geworfen. Vor ihm klärt allerdings per Flugkopfball sein Dortmunder Mannschaftskollege Elwin Schlebrowski die Situation mit einem gekonnten Flugkopfball.

 

Genau dieser Elwin Schlebrowski, der leider nur zwei Mal den Dress der Deutschen Nationalmannschaft überstreifen durfte, wurde gestern vor 100 Jahren, also am 31. 8. 1925, in Klein-Kamionken, dem damaligen Ostpreußen, geboren.

Die Familie Schlebrowski erlag schon kurz danach den Verlockungen des Ruhrgebietes und ließ sich unweit von Dortmund  in Wanne-Eickel nieder. Hier schloss der kleine Elwin sich als Schüler  Preußen Wanne an und wechselte später zu den  Sportfreunden, mit denen er 1950 in die 2. Liga West aufstieg. Damals hatte der BVB schon ein Auge auf den begabten Mittelfeld- und Abwehrspieler geworfen. Zur Saison 1951/52 war es dann soweit: Elwin Schlebrowski wechselte zum BVB und spielte bis 1960 für schwarz und gelb. Und das mit großem Erfolg!

Er wurde mehrfach Westdeutscher Meister mit dem BVB in den Jahren 1956 und 1957 Deutscher Fußballmeister. Diese großartigen Titel markieren dann auch seine größten sportlichen Erfolge in einer durchaus bemerkenswerten Karriere. Hinzu kam Anfang 1958  die Auszeichnung

„Mannschaft des Jahres“ für sein Team, in dem er ein unermüdlicher Antreiber mit einer nie ermüdenden Pferdelunge war. Natürlich stand er auch in der Elf, die  am 1. 8. 1956 das allererste Europapokalspiel des BVB gegen Spora Luxemburg absolvierte.

Leider konnte der anerkannte Meisterspieler in der Nationalmannschaft unter Sepp Herberger nie so richtig reüssieren. Der Sepp war eben ein Nickel, wie es Ady Preißler einmal formulierte, und mochte die Spieler aus dem Fußballwesten  nicht so sehr.

Dafür war er aber beim BVB eine überausfeste Größe und als wichtiger Teil der Läuferreihe Schlebrowski – Michallek – Bracht unverzichtbar.

Beruflich war der „Schlebro", wie er nur genannt wurde, zunächst unter Tage als Bergmann tätig, schulte später jedoch zum kaufmännischen Angestellten der Dortmund-Hörder-Hüttenunion um.

Nach seiner aktiven Zeit war der großartige Fußballer und bescheidene Mensch, der sich nie in den Vordergrund schob, mehrere Jahre Trainer der BVB-Jugend und aktiver Mitstreiter in dem von Legende Aloys Scheffler geleiteten Ältestenrat.

Die ungeklärte NS-Vergangenheit bezieht sich primär, aber auch lediglich darauf, dass Schlebro  1943 mit 18 als verführter Jugendlicher in die NSDAP eingetreten ist. Wie Hunderttausende andere auch. 

Zu seinem 100. Geburtstag, stellen wir ihn in den Mittelpunkt unserer Betrachtungen, um nachdrücklich eines vorbildlichen Sportsmanns zu gedenken, dem der BVB viel verdankt.

Dortmund lag 1945 in Trümmern; die Innenstadt war zu 93% zerstört. Der BVB - wie alle anderen Vereine auch - hatte aufgehört zu existieren. Die Alliierten hatten den Sport, der von den Nazis als  Kriegsvorbereitung missbraucht worden war, zunächst   kategorisch unterbunden, dann aber nach kurzer Zeit diese Anweisung etwas gelockert. Erst nach und nach kehrten die Spieler aus der  Kriegsgefangenschaft in die Heimat zurück. Nicht Jedem jedoch war diese Rückkehr vergönnt. Viele große Talente des BVB bezahlten Hitlers Wahnsinn mit dem Leben.

Schon wenige Wochen nach der bedingungslosen Kapitulation am 8. 5. 1945 trafen August Busse, Franz Jacobi, Heinrich Unger,  Heinrich Karsten, Egon Pentrup, Fritz Weller und einige andere Getreue in der Gaststätte von Willi Schneider am Borsigplatz zur ersten BVB-Vereinssitzung nach dem 2. Weltkrieg zusammen.

Die Bestandsaufnahme war trostlos. Alle Unterlagen des BVB waren vernichtet, eine Brandbombe hatte die Geschäftstelle in der Oesterholzstraße 60 völlig zerstört. Dort war der BVB am 19. 12. 1909 einmal gegründet worden. Hinzu kam: Jede Benutzung eines Sportplatzes war von der Genehmigung der britischen Militärregierung abhängig. Deshalb fand das erste provisorische „Training“ der Rumpfmannschaft auch auf des Kegelbahn der Gaststätte „Haus Herzog“ am Borsigplatz statt.

Kurze Zeit später fand in der „kriegsversehrten“ BVB-Geschäftsstelle eine richtungweisende Besprechung statt: In Anwesenheit  des einflussreichen späteren   Sportdezernenten Fritz Kauermann sprach man über die Wiedergeburt des Sports in unserer Stadt. Kauermann vom früheren Arbeiter-, Turn- und Sportverband hatte das Sagen in dieser Runde. Mit dem Arbeitersportkartell hatte er am 13.Juni 1926 schon als Staffelläufer an der Eröffnung der Kampfbahn „Rote Erde“ teilgenommen und unter dem Verbot des Arbeitersports durch die Nazis auch persönlich sehr gelitten.

Kauermann hatte schon gegen Ende April 1945 Kontakte zu den Alliierten aufgenommen, um den Sport in Dortmund „demokratisch“ neu zu strukturieren. Unmittelbar nach der Kapitulation wurde er Stadtsportbeauftragter der britischen Militärregierung und des Regierungspräsidenten in Arnsberg. Später gründete er den Kreissportverband Dortmund – heute Stadtsportbund – und war dessen längjähriger Vorsitzender. Für den Wiederaufbau des gesamten hiesigen Sports nach 1945 wurde er über mehr als zwei Jahrzehnte die herausragende Persönlichkeit.

Kauermann verdeutlichte in der Besprechung mit den Borussen die Auflage der Briten, nur  politisch einwandfreie Vereinsfunktionäre zu akzeptieren und örtliche  Großvereinen zu bilden. GemeinsameVorstellung sei es, so Kauermann weiter, auch den BVB aufzulösen und per Fusion in den Arbeitersport zu integrieren.

Selbst den künftigen Namen hatte er schon parat: “Freie Sportgemeinschaft Borussia von 1898” sollte er lauten. Unter diesem Namen wurde der BVB dann auch für einige wenige Wochen bei der Militärregierung geführt. Die “Sportgemeinschaft Borussia” entsprang einer  Fusion mit dem “Freien Sportverein 1898” und der Werksportgemeinschaft der Hoesch AG. Aus letzterer stammten übrigens so erfolgreiche BVB-Akteure wie Heinrich Ruhmhofer und Fritz Ibel, die mit den Borussen 1949 Deutscher Vizemeister wurden. .

Aber die Borussen löckten einmal mehr in ihrer Vereinsgeschichte wider den Stachel - schon am 15. Juli 1945 galt wieder der “alte”, traditionsreiche Name. Das war auch gut so, denn die BVB-Akteure sahen sich ihrer Identität beraubt. Der große Max Michallek, Borussias liebstes und talentiertestes Eigengewächs, liebäugelte sogar mit einem Wechsel nach Holzwickede. Die Vereinsvertreter führten den Alliierten gegenüber erfolgreich ihre drei Widerstandskämpfer gegen Hitler argumentativ ins Feld, von denen zwei  (Heinrich Czerkus und Franz Hippler) von den Nazis ermordet worden waren,  Hinzu kam, dass sich der frühere Präsident Egon Pentrup 1933/34 den damaligen Machthabern nicht gebeugt hatte. Er war nicht, wie gefordert, in die NSDAP eingetreten, sondern hatte stattdessen sein Amt als Präsident zur Verfügung gestellt. Als „graue Eminenz“  im Hintergrund bestimmte er aber weiterhin bis 1945 die Vereinsgeschicke mit. Diese Argumente waren hieb- und stichfest und überzeugten!

In der Jubiläumspublikation zum 60. Bestehen beschreibt der BVB die damalige Situation wie folgt:

„Der Name BVB Borussia 09 war uns aberkannt worden. Man wollte uns mit anderen Sportvereinen verschmelzen. Aber Dank unserer Initiativen wurden wir später unter Beibehaltung früherer Rechte doch wieder der alte BVB. Das war die Wiedergeburt unseres Vereins. Am 15. Juli 1945 bestätigte die Militärregierung den kommissarischen Vorstand mit Willi Bietzek (Foto) als Vorsitzendem sowie Franz Jacobi als Stellvertreter  und Schriftführer .“

Das erste Freundschaftsspiel nach dem 2. Weltkrieg machte der BVB im Hoeschpark – das Stadion Rote Erde war im März 1945 weitgehend durch Bombenangriffe zerstört worden  und die Nutzung oblag ausschließlich den Briten - gegen Unna 07/08. Die Partie endete vor 20.000 Besuchern 4:4. Die „Rote Erde“ stand erst einige Zeit später wieder zur Verfügung und 1947 konnte das erste Spiel der neugegründeten Oberliga West gegen die Sportfreunde Katernberg (3:0)  hier stattfinden. Die zerbombte Tribüne der Kampfbahn wurde nach ihrem Wiederaufbau das Stadion-Prunkstück der Studenten-Weltspiele 1953. Acht Jahre lang hatte die traditionsreiche Arena unter den Kriegsfolgen gelitten....

Wenn der BVB jetzt im Rahmen derClub-WM in den USA auf Real Madrid trifft, dann sein an dieser Stelle an das allererst Match der beiden großen Teams erinnert, das Ende Mai 1960 – also exakt vor 65 Jahren - in Sevilla stattfand. Hier die Geschichte:

Die Spiele zwischen dem BVB und Real Madrid sind legendär, waren häufig genug auch höchst spektakulär. Begonnen hat alles am 26. Mai 1960 in Sevilla. Der BVB war gemeinsam mit dem FC Valencia, Real Madrid und den Bolton Wanderers zu einem bedeutenden Vierer-Turnier eingeladen worden. Das war eine große Ehre für den Deutschen Meister der Jahre 1956 und 1957, der in seinen ersten Europapokalspielen der Landesmeister eine ausgezeichnete Visitenkarte abgegeben und sich dadurch für wichtige internationale Aufgaben wie für dieses Turnier empfohlen hatte.

Real Madrid war in diesen Jahren fußballerisch zumindest in Europa, wenn nicht gar weltweit, das absolute Maß aller Dinge. Fünfmal in Folge hatte das legendäre „weiße Ballett“ von 1956 an den Europapokal der Landesmeister für sich entschieden und erst wenige Tage zuvor – am 18. Mai 1960 – im Hampden Park zu Glasgow, wo der BVB 1966 den ersten Europacup einer deutschen Fußballmannschaft errungen hatte, im Finale Eintracht Frankfurt mit 7:3 geradezu deklassiert.   Alfredo di Stefano mit drei und der alles überragende Linksfüßler Ferenc Puskas mit vier Treffern hatten die Eintracht quasi in ihre Einzelteile zerlegt.

Bereits in der ersten Turnier-Begegnung kreutzten die „Königlichen“  wie die Madrilenen auch genannt wurden, mit den Borussen die Klingen, die mit Kwiatkowski, Burgsmüller, Thiemann, Bracht, Steinkuhl, Kelbassa, Peters, Cyliax, Schmidt, Konietzka und Pritz nicht in bester Besetzung antraten und beispielsweise auf Schütz und Cieslarczyk verzichten mussten.

Der BVB spielte unabhängig davon völlig angstfrei auf, war gleichwertig und hielt mehr als nur wacker mit. Zur Halbzeit stand es 0:0. Das war auch ein Verdienst des großartigen Keepers Heinrich Kwiatkowski, der überragend hielt und von der spanischen Presse als neuer Ricardo Zamorra gefeiert wurde, der damals als der beste Torwart aller Zeiten galt.

Die Schwarz-Gelben versteckten sich also nicht, suchten couragiert ihre Chancen und hatten durch Timo Konietzka und Aki Schmidt  durchaus eigene Möglichkeiten, die Real argentinischer Schlussmann Dominguez allerdings entschärfen konnte.

In den zweiten 45 Minuten setzte sich dann die überlegene individuelle Klasse der Spanier durch, die mit allen ihren Assen aufgelaufen waren. Santamaria, Canario, Cento oder Kopa wiesen nach, warum man weltweit einen so legendären Ruf als Ausnahmeteam genoss.

Die absoluten Superstars Alfredo di Stefano und Ferenc Puskas behielten es sich letztendlich  - ähnlich wie gegen Frankfurt - vor, drei Zaubertore zu schießen und den BVB mit 3:0  - etwas zu hoch – zu besiegen.

Da der BVB wenig später die Bolton Wanderers mit 3:2 bezwang (eine Woche zuvor hatten die Borussen in der Roten Erde gegen die nickeligen Wanderers noch mit 0:1 verloren) und gegen Valencia 2:2 unentschieden spielte, belegte man in diesem hochklassigen Turnier einen ehrenvollen zweiten Platz und brachte einen tollen, mit Juwelen geschmückten Pokal mit nach Hause.

Den 19. Juni 1955 haben die Handball-Abteilung des BVB bis zur Auflösung der Männer-Mannschaft in den späten 1980er Jahren als die Krönung der Geschichte der schwarz-gelben Feld-Handballer geradezu verehrt.

Denn an diesem letzten Spieltag der Aufstiegsrunde, die man als Sieger der westfälischen Staffel IV erreicht hatte, stiegen die Herren von Borussia Dortmund  in die Oberliga Westfalen und damit in die höchste deutsche Handball-Spielklasse auf.

Der Gegner in dieser entscheidenden Heimpartie hieß Sachsenross Hille.

In den Spielen zuvor gegen Hohenlimburg, SV Gütersloh, TG Münster und Ferndorf hatten sich die Jungs vom Borsigplatz eine gute Ausgangsposition für ihr erklärtes Aufstiegs-Ziel geschaffen. Allerdings musste man gegen Hille gewinnen, sonst konnte man sich alle Ambitionen von der Backe putzen.

Die „Sachsenrösser“ waren der erwartet schwere Gegner mit spielerisch und taktisch bestens geschulten Akteuren. Die Partie wogte hin und her und stand vom Ergebnis her immer auf des Messers Schneide.

Die Gäste hatten bereits drei Tore vorgelegt, als der BVB zum ersten Mal erfolgreich abschloss. Auf beiden Seiten zeigten sich die Angriffsformationen in guter Verfassung, trafen allerdings auf gut disponierte Torhüter. Nach dem Pausenstand von 5:5 wurde die Dramatik in der zweiten Halbzeit auf die Spitze getrieben. Die Borussen kämpften mit dem Mut der Verzweiflung, Hille hielt dagegen und das Ergebnis offen. Dabei halfen den Sachsenrössern drei verwandelte 13-Meter-Strafwürfe.

Unmittelbar vor dem Abpfiff tauchte urplötzlich Borussias „Mr. Handball“  Fritz Weller im Angriff auf, schnappte sich das Leder, setzte gekonnt eine Körpertäuschung an, zog ab, und der Ball trudelte am verdutzten gegnerischen Keeper vorbei ins rechte Toreck. Das war der entscheidende Treffer zum 13:12. Sekunden danach war die Partie beendet. Gemeinsam mit ihrem Trainer Jupp Fröhlich tanzten die Schwarz-Gelben ausgelassen über das Spielfeld. Das große Ziel war erreicht, die höchste deutsche Spielklasse regelrecht im Sturm erobert worden.

Die Namen der siegreichen Kämpen: Henkmeier, Just, Brinkmann, Darge, Cerwinski, Weller, Siegmund, Hansmeier, Waskowiak, Thurau, Abramowsky, Grothus, Scholten, Wick, Schoppohl.

Leider war es den Borusen nur in der Saison 1955/56 vergönnt, in der Oberliga zu spielen. Danach musste man der Erstklassigkeit wieder adieu sagen.

Fritz Weller, der Schütze des entscheidenden Tores gegen Hille, war bereits vor dem Krieg im BVB- Handball-Lager eine feste Größe und brillierte daneben auch als der mit Abstand beste Leichtathlet der Clubs.

Wellers Spezialität war der sog. „Schockwurf“, der seinem Namen alle Ehre machte. Er schockierte nämlich in aller Regel den gegnerischen Schlussmann derart, dass der Ball meistens im Tor landete.

Fritz Weller, geboren am 11. Juli 1912, war zum Zeitpunkt des Spiels gegen Hille bereits 43 Jahre alt, aber immer noch ein unermüdlicher Käpfer, der nie resignierte, geschweige denn aufgab. Er gehörte während der Nazi-Zeit neben Heinrich Czerkus und Franz Hippler zu den Widerstandskämpfern gegen das Hitler-Regime, hatte im Gegensatz zu diesen beiden aber das große Glück, den Terror der Gestapo-Schergen zu überleben.

Die Handball-Herren gab es beim BVB seit 1924.

Der Begründer der Abteilung war Heinrich Schwaben, Jahrgang 1896. Er beerbte 1923 den legendären Franz Jacobi als BVB-Präsident. Schwaben war ein angesehener Mann der Dortmunder Wirtschaft, der in jungen Jahren beim BVB selbst Fußball gespielt hatt, seit 1919 als Geschäftsführer und seit 1920 als Vize-Präsident Jacobis rechte Hand in allen Vereinsfragen wurde. Beruflich war er zunächst bei der AEG in herausgehobener Funktion tätig, bevor er 1934 zur Union-Brauerei wechselte, bei der er es bis zum Vorstandsmitglied brachte.

Als erster Mann der Borussen setzte der „Heinz“ bemerkenswerte neue Akzente. Neben dem Ausbau der „Weißen Wiese“ zum „Borussia-Sportplatz“ legte er sein Augenmerk auf zwei weitere Sportabteilungen, die er 1924 folgerichtig in den Verein integrierte: Handball und Boxen.

An die Spitze der Handballabteilung traten zunächst Robert Unger, der Bruder des ersten BVB-Präsidenten, und Karl Wienke, als Mitglied der legendären Sprintstaffel der Gründerjahre ein Begriff am Borsigplatz und darüber hinaus.

Sie also organisierten den Spielbetrieb so effizient, dass bereits kurz darauf zwei komplette Mannschaften am Spielbetrieb teilnehmen.

Der sportliche Aufschwung ging zügig vonsttatten, was dazu führte, dass sich morgens bei den Handballern mehr Zuschauer einfanden als nachmittags bei den kickenden Kollegen. 1931gelang der Aufstieg in die höchste Liga. Zur Aufstiegself gehörte auch ein gewisser August Lenz, der nicht nur Fußball spielte und als Sprinter Aufsehen erregte, sondern auch als Handballspeiler reüssierte.

1933 wurde der Gruppensieg im Ruhrgebiet errungen. Akteure wie Gruhn, Burzik oder Kopacki waren ebenfalls vielseitig begabt. Ähnlich wie der blonde August spielten sie Handball und Fußball.

Das hohe Niveau zu halten, fiel den Handballern schon vor dem 2. Weltkrieg schwer, da der Fußball mehr und mehr die Geschicke des BVB bestimmte.

Der Höhepunkt der Feldhandball-Geschichte der Männer war fraglos der Oberliga-Aufstieg 1955 gegen Hille. Ende der 1980er Jahre war das Ende der Handball-Herren gekommen. Der BVB focussierte sich nunmehr mit großem Erfolg ausschließlich auf die Damen-Mannschaft, die ja 2020 wahrscheinlich als Tabellenführer nur durch den Saisonabbruch des Verbandes den ersten Deutschen Meistertitel verpasste. 

Preußen Münster (1:0), Tennis Borussia Berlin (2:1) Eintracht Braunschweig (2:0) und 1. FC Nürnberg (4:2). Über diese Stationen gelangte der BVB 1965 in das DFB-Pokalfinale, das „auf neutralem Geläuf“ in Hannover im dortigen Niedersachsenstadion stattfand. Gegner war Alemannia Aachen. Damit trafen  zwei Teams mit den Vereinsfarben schwarz-gelb aufeinander. Für zwei durchaus zentrale BVB-Persönlichkeiten hatte das Cup-Endspiel eine besondere Bedeutung: Timo Konietzka und Trainer Hermann Eppenhoff verließen mit dieser Partie nach langen, erfolgreichen Jahren “ihren” Club. Gemeinsam waren beide 1963 Deutscher Meister geworden, gemeinsam hatten sie die glorreiche Europapokalsaison 1963/64 mit dem Erreichen des Halbfinales bestritten. Timo Konietzka zog es übrigens zu München 1860, wo sein früherer Coach Max Merkel, dem er freundschaftlich verbunden war, das Zepter schwang.

Mit 55.000 Besuchern war das Niedersachsenstadion nicht ganz ausverkauft, als Schiedsrichter Jakobi aus Heidelberg die Partie bei guten äußeren Bedingungen anpfiff. Der BVB war eindeutiger Favorit. Die Alemannen, als Zweitligist in das Pokalendspiel vorgedrungen, hatten sich allerdings eine Menge vorgenommen. Sie wollten als der krasse Außenseiter für eine fußballerische Sensation sorgen.

Und da mit Dr.  Heinrich Lübke zum ersten Mal in der DFB-Geschichte ein amtierender Bundespräsident dem Pokalendspiel beiwohnte, schienen eigentlich alle Voraussetzungen für ein schönes, flottes Spiel gegeben.

Doch leider weit gefehlt. Die 22 Akteure auf dem grünen Rasen ließen sich durch den hohen Gast und die respektable Kulisse keineswegs beflügeln, sondern lieferten insgesamt ein Match ab, dem es eindeutig an fußballerischen Höhepunkten mangelte.

 

Den Borussen konnte diese Erkenntnis relativ egal sein. Sie garnierten ihr Spiel mit zwei Treffern, die Aki Schmidt in der elften und Lothar “Emma” Emmerich in der 19. Minute erzielten. Damit hatte es sich aus der Sicht des Favoriten.

Heinrich Lübke allerdings, ganz Fußball-Fachmann, meinte nach den 90 Minuten zu seinem Nachbarn Altbundestrainer Sepp Herberger: „Das war ja wohl ein tolles Spiel, nicht wahr!?

Mit leichtem Sarkasmus antwortete Herberger: ”Das Beste an diesem Match war neben dem guten Wetter die Musikkapelle in der Halbzeit.”

Den Borussen waren aus dem Häuschen. Sie waren zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte Deutscher Pokalsieger und feierten schon im Niedersachsenstadion den Pokalgewinn mit einer zünftigen Ehrenrunde. Mannschaftskapitän Aki Schmidt hielt den begehrten Pokal dabei minutenlang stolz in die Höhe.

Ähnlich stolz hatte er schon vor der Partie seine Mannen dem Bundespräsidenten vorgestellt.

 

Heinrich Lübke, ganz Staatsmann, blickte bereits nach vorn, als er die Frage stellte, ob der Bundespräsident auch in den kommenden Jahren  den DFB-Pokal überreichen dürfe. Ihm schien das Pokalendspiel mit einem Gewinner, der “ja fast aus seinem heimatlichen Sauerland stammte”, in der Tat bestens „gemundet“ zu haben.

Den Dortmundern war das Pro und Contra rund um die Qualität der Begegnung schnurz. Sie feierten den Deutschen Pokalsieger nach seiner Ankunft in Dortmund frenetisch zu Zigtausenden mit einem Autokorsos und dem obligatorischen Empfang auf dem Neuen Markt..

BVB-Trainer Hermann Eppenhoff stellte abschließend fest: ”Für mich ist der Erfolg der einzig anzulegende Maßstab. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass wir in der Pokalvorrunde mehrfach sehr stark gespielt haben. Ich bitte also um eine Gesamtbetrachtung der Pokalbegegnungen und freue mich riesig über den Pokal, mit dem ich mich aus Dortmund verabschiede”.

Heute kann man rückblickend  sicher folgendes feststellen: Zwar mag das Pokalfinale 1965 nicht allen hochgesteckten Erwartungen gerecht geworden sein. Es legte aber zweifelsfrei den Grundstein für einen der beiden größten Erfolge in der bisherigen BVB-Vereinsgeschichte, den Sieg im Europacup der Pokalsieger ein Jahr später im Hampdon Park zu Glasgow nämlich.

BVB: Tilkowski; Cyliax, Redder; Kurrat, Paul, Straschitz; Wosab, Sturm, Schmidt, Konietzka, Emmerich.

Lange hatte Dortmund um ein Länderspiel ringen müssen, aber der DFB stellte sich über mehrere Jahre hinweg stur. Dann endlich war es soweit: Zum allerersten Mal in der Länderspielkarriere des DFB ging es gegen die Iren.

Obwohl der DFB erstmals in seiner Geschichte einen Mittwochtermin ausgewählt hatte, war die „Rote Erde“ mit 35.000 Zuschauern bestens besucht, Zeitungsberichte sprechen sogar von „völlig überfüllt“! Und das, wie gesagt, an einem Mittwoch und damit an einem ganz normalen Werktag. Fußball hatte sich also bereits als Zuschauermagnet etabliert und Länderspiele galten als sportliche Festtage.

Alle waren voller Vorfreude und sehr gespannt darauf, was die Buchloh; Janes, Tiefel; Zielinski, Goldbrunner, Bender; Lehner, Siffling, Lenz, Damminger und Fath im DFB-Trikot gegen die Berufsspieler von der grünen Insel würden ausrichten können. Insbesondere der Mannheimer Otto Siffling war praktisch überall Gesprächsthema, galt (und gilt) er doch „als einer der begnadetsten Fußballspieler, die Deutschland je hervorgebracht hat“, wie es der Kicker einmal formulierte.

Mit August Lenz vom heimischen BVB und Paul Zielinski (Union Hamborn) waren lediglich zwei Akteure aus dem Ruhrgebiet dabei. Fritz Szepan saß verletzt auf der Tribüne. August Lenz hatte genau zehn Tage zuvor im Heysselstadion zu Brüssel beim 6:1-Sieg über Belgien sein Debüt im Trikot der Nationalelf gefeiert und gleich bei seinem Einstand zwei astreine  Tore erzielt.

„Aber vor dem Spiel gegen Irland zuhause in Dortmund und in meinem Stadion „Rote Erde“, da hatte ich doch mächtigen Bammel“, so erzählte der blonde August gern, wenn er Freunden und Fans von seiner großen fußballerischen Karriere berichtete.

Die erste Halbzeit der Partie gehörte dem Gast aus dem Freistaat Irland. Mit ihrem halbhohen Spiel verwirrten sie die die DFB-Kicker ganz gehörig. Folgerichtig gingen sie auch durch ihren Verteidiger Geskins in Führung, bevor der Halblinke Ludwig Damminger per Kopfball den Ausgleich erzielte.  Mit diesem Ergebnis ging es dann auch in die Halbzeit.

Nach der Pause lief das deutsche Spiel flüssiger, und bei leichter Feldüberlegenheit schafften erneut Damminger und dann Ernst Lehner mit ihren Treffern das letztlich verdiente 3:1 für den Gastgeber.

Der Sieg konnte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die deutsche Leistung insgesamt gesehen nicht voll befriedigte. Übrigens: Auf der Tribüne der „Roten Erde“ saß an diesem Mittwoch auch die spanische Nationalmannschaft, gegen die Deutschland nur vier Tage später in Köln anzutreten hatte. Die spanischen „Kiebitze“ leisteten ganze Arbeit: Nach einer langen Reihe von Siegen verlor Deutschland diese Partie mit 1:2.

Auch das Rückspiel gegen Irland brachte eine Niederlage. Am 17. Oktober 1936 hagelte es für die DFB-Formation in Dublin eine 2:5-Packung.  

Fred „Freddy“ Kelbassa, geboren heute vor 100 Jahren am 21. April 1925 und verstorben am 11. August 1988, kam 1954 vom STV Horst Emscher zum BVB.

In Horst und bei Preußen Münster hatte er seit Beginn der Oberliga West 1947 als torgefährlicher Sturmtank Aufsehen erregt. Bei seinem neuen Klub musste er sich zunächst einmal durchbeißen. Trainer Bumbas Schmidt musste erst davon überzeugt werden, dass hier ein absoluter Spitzenmann im Kader stand, der mit seiner Torgefahr Spiele auch ganz allein entscheiden konnte. Als Helmut Schneider 1955 neuer Coach beim BVB wurde, war Kelbassa als Mittelstürmer (nach dem damaligen WM-System) quasi gesetzt.

Der überaus dynamische und torgefährliche Sturmtank selbst zählte die beiden Deutschen Meisterschaften 1956 und 1957 zu seinen besonderen sportlichen Höhepunkten. Insbesondere im Endspiel 1957 gegen den HSV, der mit Uwe Seeler und Klaus Stürmer antrat, lehrte Kelbassa den Keeper der Hanseaten Horst Schnoor regelrecht das Fürchten, indem er zwei grandiose Tore erzielte und auch anschließend mit der ihm eigenen Energie und Kraft Schnoor die Bälle regelrecht um die Ohren „haute“.

Anfang 1958 gehörte der Torjäger mit zu der BVB-Elf, die von den deutschen Sport-Journalisten zur ersten „Mannschaft des Jahres“ überhaupt gewählt und von Bundesinnenminister Dr. Gerhard Schröder ausgezeichnet wurde.

Natürlich stand ein Mann mit der Qualität eines Fredi Kelbassa auch im Notizbuch des damaligen Bundestrainers Sepp Herberger.

1958, bereits 33 Jahre alt, wurde Kelbassa in das DFB-Aufgebot für die WM in Schweden berufen. Sein Pech: Der Youngster “Uns Uwe” Seeler startete damals seine große internationale Karriere.  Kelbassa blieb in diesem Turnier, in dem die Welt zum ersten Male staunend den Namen „Pele“ zur Kenntnis nahm, nur das kleine Endspiel um die Plätze drei und vier mit der Niederlage - 4:6 - gegen Frankreich.

Insgesamt absolvierte der Stürmerstar lediglich sechs Länderspiele. Viel zu wenige für einen Mann seiner Klasse!

Beim BVB allerdings war der wuchtige Mittelstürmer eine unverzichtbare Größe in der Sturmmitte. Wenn der pfeilschnelle Modellathlet davonzog, dann gab es vielfach kein Halten mehr. Und die Schüsse Kelbassas waren so hart, dass das eine oder andere Tornetz dem Druck nicht standhielt.

Er spielte bis 1962 in schwarz-gelb und “gab” zuletzt einen respektablen Mittelläufer “alter Art.” 1961 als Rechtsaußen noch einmal in einem Deutschen Endspiel eingesetzt, reichte es beim 0:3 gegen den 1. FC Nürnberg leider nicht zur dritten Deutschen Meisterschaft für ihn und für den BVB. Diesen Titel errang er dann

1963, wenn auch absolut überraschend und eigentlich so nicht vorgesehen. Die Situation: Mit Ende der Saison 1961/62 ging Fred Kelbassa in den verdienten Fußballer-Ruhestand und beobachtete mit Freude, dass sein BVB sich zum Ende der Oberliga-Saison 1962/63 für die letzte Endrunde vor Einführung der Bundesliga qualifizierte. Kurz vor Endrundenbeginn jedoch verletzte sich der etatmäßige Mittelstürmer Jürgen Schütz so schwer, dass er die ersten Matches nicht mitmachen konnte. Ein adäquater Ersatz stand nicht parat. Also fragte man den „Rentner“ Kelbassa, ob er vielleicht für ein paar Spiele einspringen würde. Kelbassa war bereit und absolvierte im stolzen Alter von 38 Jahren die ersten vier Partien dieser historischen Endrunde. Ohne Trainings-Vorbereitung, versteht sich. Im Spiel gegen den HSV (3:2) erzielte der „Oldie“ sogar noch einen wirklich schönen Treffer. Danach war Charly Schütz wieder fit und Kelbassa konnte nun endgültig in den Fußball-Ruhestand gehen. Jetzt allerdings als dreifacher Deutscher Meister,,,

Alfred Kelbassa absolvierte insgesamt für den BVB 214 Spiele und erzielte dabei 122 Tore. Gemeinsam mit Weltmeister Hans Schäfer vom 1. FC Köln und seinem Mannschaftskollegen Adi Preißler führt er übrigens die ewige Torschützenliste der gesamten Oberliga West an, die von 1947 bis 1963 bestand.

Mit seinem Stürmer-Kollegen Alfred Niepieklo verstand er sich auch privat ausgezeichnet. Kelbassas Sohn und Niepieklos Tochter schlossen folgerichtig den Bund fürs Leben.

Neben dem Fußball gehörte Fred Kelbassas sportliches Herz der Leichtathletik und nach seiner aktiven BVB-Zeit auch dem Tennis. Als leichtathletischer Mehrkämpfer wurde er zweimal Westdeutscher Meister. Mit Sicherheit war der vielseitige Athlet einer der schnellsten Sprinter, die jemals den BVB-Dress getragen haben.

Mit seinen kongenialen Partnern Alfred Preißler und Alfred Niepieklo bildete er das legendäre Trio „Die drei Alfredos“, und damit einen Innensturm, der in ganz Europa gefürchtet war und in einem Atemzug mit den Madrilenen Gento - Kopa und di Stefano genannt wurde.

Beruflich war Alfred Kelbassa diplomierter Sportlehrer in Diensten der Stadt Dortmund und beim Sportamt für die Vergabe der Sportplätze und der Sporthallen an die Dortmunder Vereine zuständig. Seine faire Art der Zusammenarbeit brachte ihm auch hier viel Anerkennung und positiven Zuspruch.

Heute wäre Fred Kelbassa also 100 Jahre alt geworden. Deshalb erinnern wir hiermit gern an einen vorbildlichen Sportsmann, der beim BVB den Status einer ewigen Legende besitzt und in den großartigen 1950er Jahren ganz besondere sportliche und menschliche Akzente in schwarz und gelb gesetzt hat. Und eigentlich mehr zufällig seinen dritten deutschen Meistertitel einheimste.

Vor 80 Jahren, Anfang April 1945, rückten die Alliierten auf Dortmund vor und besetzten die Stadt. Nur wenige Tage nach der Befreiung, am 19. April 1945, begann im Dortmunder Süden die Exhumierung der letzten Opfer der Nazis. 

In den Ostertagen jenes Jahres hatte die Gestapo Dortmund in der Bittermark, im Rombergpark und an einer Bahnstrecke in Hörde noch 230 Gegner des Regimes ermordet und ihre Körper verscharrt: vor allem Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, aber auch Widerstandskämpfer, die der Gestapo infolge eines Verrats im Februar 1945 in die Hände gefallen waren. Unter den Exhumierten befanden sich auch zwei Borussen: Heinrich Czerkus und Franz Hippler. Zwei Männer, die im Viertel rund um den Borsigplatz zuhause und bekennende Mitglieder der BVB-Gemeinde waren. Der gemeinsame Kampf gegen Hitler hatte sie zusammengeführt. Sie fielen der faschistischen Gewaltherrschaft zum Opfer, weil sie ihr eigenes Schicksal dem Ringen um Freiheit für alle unterordneten.

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Jedes Jahr am Karfreitag findet zum Gedenken an die beiden Borussen wie an alle anderen Opfer der Naziherrschaft der Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf statt, der vom Stadion Rote Erde zum Mahnmal in der Bittermark führt.

Heinrich Czerkus (1894-1945)

Heinrich Czerkus wurde 1894 in Minge, in Preußisch-Litauen geboren. 1920 kam er nach Dortmund, wo er im Hoesch-Viertel, in der Schlosserstraße 42, eine Wohnung und im benachbarten Stahlwerk Arbeit als Schlosser fand. Als er 1925 seinen Arbeitsplatz verlor, bot ihm der BVB die Stelle eines Platzwartes auf dem Borussia-Sportplatz an der Wambeler Straße an.

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Heinrich Czerkus war nicht nur im Hoesch-Viertel, sondern in der ganzen Stadt als Mitglied der Kommunistischen Partei bekannt. Bei der Stadtverordneten-Wahl vom 12. März 1933 hatte er erfolgreich für das Stadtparlament kandidiert, konnte aber sein Mandat wegen des Ausschlusses der kommunistischen Mitglieder nicht mehr antreten. Von da an hatte die Gestapo Heinrich Czerkus auf der Schwarzen Liste, kannte seine Adresse und seinen angestammten Arbeitsplatz auf dem Borussia-Gelände – und dennoch konnte sie ihn erstaunlicherweise nicht fassen. Zeitzeugen aus dem Kreis des BVB wiesen nach dem Krieg darauf hin, dass es innerhalb des Viertels und vor allem innerhalb des Vereins viel Solidarität und zudem eine Art Warnsystem gegeben habe, das es ihrem Platzwart stets ermöglicht habe, rechtzeitig unterzutauchen, wenn eine Aktion der Gestapo bevorstand. So blieb er unentdeckt und im Untergrund aktiv.

Um Heinrich Czerkus dreht sich eine erbauliche Geschichte, die auf den ersten Blick unwahrscheinlich anmutet. Auf der Geschäftsstelle des BVB gab es einen Vervielfältigungsapparat, der - so die Nachkriegserzählung innerhalb des Vereins - von Heinrich Czerkus mit Wissen des Vereinsführers August Busse bis 1944 wiederholt benutzt wurde, um kommunistische Flugblätter gegen die braune Herrschaft zu vervielfältigen. Da es politischen Widerstand gegen das Regime während des Krieges kaum noch gab und in Dortmund nur noch einige wenige Personen aktiv waren, haben Kritiker die Geschichte um den Vervielfältigungsapparat des BVB eher belächelt und als Wunschdenken abgetan. Dass es jedoch tatsächlich der Apparat des BVB war, den nicht nur Czerkus verwendete, sondern mit Hilfe dessen auch die gesamte noch tätige Widerstandsgruppe ihre Flugblätter für die Zeit des Zusammenbruchs herstellen wollte, bestätigt dann ein Bericht der Gestapo vom März 1945.

Heinrich Czerkus zu verhaften, gelang der Dortmunder Gestapo erst im Februar 1945, nachdem sie einen V-Mann in den Kreis jener Aktivisten eingeschleust hatte, die gegen Ende des Krieges mit dem Ziel einer Neuorganisation der KP-Strukturen wieder tätig wurden. Zu diesem Zweck hatte Heinrich Czerkus auch wieder Kontakt zu seinem alten Bekannten aus dem Kreis der KPD wie aus dem Verein aufgenommen - zu Franz Hippler.

Franz Hippler (1895-1945)

Franz Hippler wurde 1895 im ostpreußischen Allenstein als Spross einer Arbeiterfamilie geboren.  1905 zogen seine Eltern der Arbeit wegen ins Ruhrgebiet und ließen sich im Dortmunder Hoesch-Viertel nieder. Ihr Sohn Franz besuchte die katholische Dreifaltigkeitsschule und wechselte gleich nach Abschluss in die Fabrik. 1915 zum Heeresdienst eingezogen, geriet er 1918 in Gefangenschaft. Im Zuge der revolutionären Nachkriegswirren stand er 1920 auf Seiten der Roten Ruhrarmee und trat später in die Kommunistische Partei ein. Er wurde früh Mitglied des BVB, besuchte regelmäßig die Spiele der Mannschaften und war in den führenden Kreisen des Vereins wohlbekannt.

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Hippler wohnte mit seiner Familie in der Wambeler Straße und arbeitete als Maschinist im Hoesch-Stahlwerk, verlor aber wie viele seiner Kollegen in den späten 1920er Jahren wiederholt seinen Arbeitsplatz. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten im Januar 1933 und dem Verbot der der KPD arbeitete Hippler im Untergrund weiterhin für die Partei.

1935 wurde Hippler verhaftet und gemeinsam mit 85 weiteren Beschuldigten wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ vom Oberlandesgericht in Hamm verurteilt; er erhielt drei Jahre und neun Monate Zuchthaus. Nach Ablauf seiner Strafe kam Franz Hippler nicht etwa frei, sondern wurde am 14. Juli 1939 in „Schutzhaft“ (ein juristisches Willkürinstrument, das es den Handlangern des Regimes erlaubte, jeden Missliebigen zu inhaftieren) genommen, zunächst in der Steinwache inhaftiert und von dort am 24. Juli 1939 ins Konzentrationslager Buchenwald überstellt.  Aus dem KZ wurde er erst am 6. April 1943 „probeweise“ entlassen, nachdem seine Frau und der gemeinsame, an der Front im Einsatz stehende Sohn wiederholt entsprechende Eingaben eingereicht hatten.  

Hippler wohnte zunächst wieder mit seiner Frau in der alten Wohnung in der Wambeler Straße 11.  Im Sommer 1944 erhielt das Haus bei einem Luftangriff einen Bombentreffer und Franz und Sophie Hippler mussten eine neue Unterkunft finden. Sie fanden sie in der gleichen Straße, ein paar Häuser weiter, in der Wambeler Straße 3. Das Haus gehörte Willi Röhr, SA-Mann und braune Eminenz des BVB, ehe er 1939 aus allen Parteiorganisationen austrat. Seine Familie war 1944 ins Hessische evakuiert worden. Daher gab es Platz im Haus, den er den Hipplers zur Verfügung stellte. Zum 1. Juni 1944 zogen sie ein. So wohnte nun ein kommunistischer Ex-KZ-Häftling im Haus eines Ex-SA-Mannes. Die Verbindung zwischen ihnen stellte die langjährige Zugehörigkeit beider zum BVB dar. Die ungewöhnliche Konstellation im Hause Röhr vervollständigte ein Polizei-Hauptwachtmeister, der ebenfalls dort wohnte. Trotz der acht Jahre Haft und aller erlittenen physischen und psychischen Misshandlungen scheute Hippler nicht davor zurück, wieder Kontakt zu ehemaligen Bekannten und Freunden aus der KPD aufzunehmen. Wie Czerkus und alle anderen wurde er im Februar 1945 verhaftet, verhört, gefoltert und schließlich von der Gestapo ermordet.

Wir möchten heute an einen verdienten,  großen Borussen erinnern. Willi Burgsmüller verstarb am 8. April im Alter von 93 Jahren.  

Die Deutsche Meisterschaft 1963 – die letzte vor Einführung der Bundesliga - und das „Spiel aller Spiele“ zwischen dem BVB und Benfica Lissabon Anfang Dezember 1963 in der Kampfbahn „Rote Erde“ gelten als markante Eckpunkte der BVB-Geschichte.

In beiden Spielen trug ein Mann die Kapitänsbinde der Borussen, der zu den Bescheidenen im Hintergrund gehört und ungern Aufhebens um sich macht. Gemeint ist der am 18. Januar 1932 geborene Willi Burgsmüller. 

Willi Burgsmüller, der von Westfalia Huckarde an den Borsigplatz wechselte, war ab 1953 in der 1. Mannschaft des BVB eine feste Größe als rechter Verteidiger. Auf dieser Position wurde er zur Zuverlässigkeit in Person und lieferte großartige Partien ab. Nationalspieler ist er trotz allem nie geworden. Verletzungen verhinderten mehrfach seinen Einsatz im Nationaltrikot. Darüber hinaus stand Sepp Herberger auch nie in dem Ruf, Akteure aus dem Westen bevorzugt in die Nationalmannschaft einzubauen.

Burgsmüller erlebte seine größten sportlichen Erfolge deshalb in der Vereinsmannschaft „seiner“ Borussen. Und hier machte er eine Karriere, die sich absolut sehen lassen kann: Drei Mal wurde er Deutscher Meister in einem „echten“ Endspiel um die Krone des deutschen Fußballs. Hinzu kommt etwas, was in Dortmund fast noch mehr wiegt als eine Meisterschaft: Burgsmüller ist einer der elf Benfica-Helden.  Ein „Hero“ des Spieles also, das als das Match des Jahrhunderts in die Geschichte von Borussia Dortmund eingegangen ist. Abgerundet wird alles durch die Auszeichnung „Mannschaft des Jahres,“ die der BVB mit Blick auf die beiden Titel 1956 und 1957 erhielt.

Nachdem der BVB schon mehrfach Westdeutscher Meister geworden war, klappte es 1956 dann auch mit der ersten „Deutschen.“ Gegen den KSC siegten die Dortmunder souverän mit 4:2. In diesem Endspiel, das am 24. Juni 1956 im Berliner Olympiastadion ausgetragen wurde, unterlief „Mr. Zuverlässigkeit“ doch tatsächlich ein Eigentor zum Endstand von 4:2. Ansonsten hatte er seinen Gegenspieler Termath bestens im Griff.

1957 folgte das Meisterstück des Trainers Helmut Schneider. In der identischen Aufstellung wie 1956 triumphierte der BVB über den HSV, der mit 4:1 an die Elbe zurückgeschickt wurde. Burgsmüller erhielt für seine tadellose Partie Lob von allen Beobachtern.

Der bescheidene Abwehrspieler hatte innerhalb der Mannschaft Rang und Namen. Deshalb kann es nicht verwundern, dass Trainer Hermann Eppenhoff seinen Schützling 1963 zum Mannschaftskapitän ernannte. In dieser Funktion erlebte er sowohl das letzte Endspiel „alter Art“ gegen den 1. FC Köln als auch das legendäre Match gegen Benfica. Unvergessen ist sicher, wie er 1963 mit dem Turban auf dem Kopfe – er hatte sich im Zweikampf eine klaffende Wunde zugezogen – die Meisterschale nach dem 3:1 über die hoch favorisierten Kölner in Empfang nahm. Ein tolles Bild mit einem tollen Hauptdarsteller! Und als am 4. Dezember in Anwesenheit der Überlebenden des Bergwerk-Unglücks von Lengede Europapokalsieger Benfica Lissabon mit 5:0 auseinandergenommen wurde, da setzte Willi Burgsmüller einen Schlusspunkt unter seine markante fußballerische Karriere.

Ein Jahrzehnt hat Burgsmüller die sportlichen Geschicke des BVB entscheidend mit beeinflusst, ja gestaltet. Deshalb könnte er durchaus als der Spieler des Jahrzehnts von 1953 – 1963 bezeichnet werden.

Am 08. April 2025 ist Willi Burgsmüller im Alter von 93 Jahren von uns gegangen.

Auch die BVB-Fan- und Förderabteilung trauert um eine wunderbare Persönlichkeit, die allen Fans und Freund*innen des BVB sicher unvergesslich sein und bleiben wird. Unsere Anteilnahme gilt insbesondere seiner Frau und seiner Familie.

 

Heute erinnern wir uns gern an einen verdienten, aber leider weitgehend vergessenen großen Borussen, der am 9.4.1925, also vor genau 100 Jahren, geboren wurde. Sein Name: Erwin Halfen.

Im Dunstkreis des Borsigplatzes groß geworden, stieß er schon in jungen Jahren zu den Schwarz-Gelben, bei denen er erfolgreich die Schüler- und Jugendmannschaften durchlief.

Als der BVB 1945 nach dem schrecklichen Zweiten Weltkrieg begann, sich wieder Gedanken über den Aufbau einer neuen Mannschaft zu machen, spielte der Name Erwin Halfen in den Überlegungen der meisten Vereinsfunktionäre eine wichtige Rolle, wenn es um die Besetzung der beiden zentralen Verteidigerpositionen nach dem damals praktizierten WM-System ging.

Als rechter Verteidiger war Heinrich Ruhmhofer quasi gesetzt, als kongenialer linker Deckungsspieler ebenso Erwin Halfen, der im Blickpunkt der heutigen Betrachtung steht. Gemeinsam mit Ruhmhofer war er in der legendären BVB-A-Jugend des Jahres 1939 bereits Westfalenmeister im Endspiel gegen den FC Schalke 04 geworden.

In einer Mannschaftsvorstellung aus dem Jahr 1949 wird Halfen wie folgt beschrieben: „Seine faire, unverwüstliche Kampfesweise sichert ihm alle Sympathien und rechtfertigt seine Aufstellung im Repräsentationsspiel des Westens gegen Bremen. Mit dem Verteidigerpaar Ruhmhofer – Halfen sehen wir in aller Ruhe kommenden Ereignissen entgegen.“

Und in der Tat konnte sich der BVB von 1945 bis 1952 auf seinen linken Verteidiger stets verlassen. Mit seinem konsequenten Deckungsspiel setzte er manchen Klassestürmer regelrecht schachmatt.

Erwin Halfen gehörte zu dem ebenfalls heute legendären Team, das 1947 am Schloss Strünkede zu Herne den FC Schalke 04 mit 3:2 bezwang, Westfalenmeister wurde und damit die Dominanz der Knappen in Westfalen, ja, in ganz Westdeutschland, ein für alle Mal brach.
Er stand natürlich auch in jener Elf, die ebenfalls 1947 in der Kampfbahn „Rote Erde“ im ersten Spiel der neu gegründeten Oberliga West die Sportfreunde Katernberg mit 3:0 nach Hause schickte.

Erwin Halfen wurde 1948, 1949, 1950 und 1951 mit Borussia Dortmund sage und schreibe viermal in Folge Westdeutscher Meister. Er machte 1949 alle vier Spiele der deutschen Endrunde mit und wurde selbstverständlich auch für das Endspiel um die „Deutsche“ 1949 in Stuttgart gegen Mannheim aufgestellt, das die Borussen in einer wahren Hitzeschlacht unter sehr unglücklichen Umständen knapp mit 2:3 verloren. Halfen, dessen Todestag uns leider nicht bekannt ist, galt als „Kampfschwein“, das aber nie die Gesetze der Fairness missachtete.

Insgesamt absolvierte Erwin Halfen 100 Meisterschaftsspiele im Rahmen der Oberliga West für den BVB und hat mit seiner ruhigen, niemals aufdringlichen Art viele, viele Sympathien in der schwarz-gelben Vereinsfamilie einheimsen können. Zu seinen Mannschaftskameraden gehörten so arrivierte Cracks wie Addy Preißler, Erich Schanko, Max Michallek, Pat Koschmieder und die Gebrüder Erdmann.

Von 1950 bis 1957 spielte beim BVB ein junger Mann mit außergewöhnlichen fußballerischen Gaben, dessen Name Programm für seine Position auf dem Platz war: Hans „Hänschen“ Flügel. Insbesondere als Linksaußen verzückte er förmlich die Massen im Stadion Rote Erde. Seine Kunststücke mit dem Ball waren eine wirkliche Augenweide. Oftmals konnten einem die gegnerischen Verteidiger leid tun, wenn Flügel wieselflink an ihnen vorbei sprintete, ja, regelrecht flitzte. Die Fan- und Förderabteilung von Borussia Dortund erinnert an Hans Flügel.

Hans Flügel wurde am 11. 3. 1930, also genau heute vor 95 Jahren, geboren. Die sprichwörtlichen ersten fußballerischen Sporen verdiente sich der junge Stürmer bei Tura Elsen (Stadt Paderborn). Seine Premiere beim BVB feierte er am 27.08.1950 gegen die SpVG Erkenschwick. Der BVB siegte 2:1; die Sturmformation agierte mit Werner Erdmann, Pat Koschmieder, Josef Linneweber, Erich Schanko und Hänschen Flügel. 

Bei Flügels großem Talent wurde natürlich auch Sepp Herberger rasch auf ihn aufmerksam. Schon am 9. 11. 1950, er spielte gerade einmal ein paar Monate in der Oberliga West, lief er in der deutschen B-Nationalmannschaft – ja, so etwas gab es einmal beim DFB – in der Partie gegen die Schweiz aufs Feld, die Deutschland mit 2:0 gewann. Beide Treffer markierte Flügel. Eine Karriere in der Nationalmannschaft schien die logische Folge seiner tollen Auftritte zu sein.

Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit dem „Flügelflitzer in schwarzgelb.“ Eine Augenerkrankung musste mehrmals operativ behandelt werden und zwang Flügel letztlich zur Aufgabe. Hinzu kamen mehrere schwere Verletzungen, die ihn ebenfalls in seiner Entwicklung beeinträchtigten. Insgesamt absolvierte Hans Flügel 122 Meisterschaftsspiele für den BVB, in denen er 44 Treffer erzielt. 

Nach seiner leider nur sehr kurzen aktiven Zeit ließ er sich als Konditormeister in Paderborn nieder, wo er am 16. September 2012,  verstarb. 

Heute erinnert die Fan- und Förderabteilung des BVB an einen Spieler, der in den glanzvollen 1950er Jahren beim BVB kickte, drei Mal – 1953, 1956 und 1957 – mit den Schwarzgelben Westdeutscher Meister wurde und den nur ein trauriges Schicksal dran hinderte, eine ganz große fußballerische Karriere zu machen. 

Die Kampfbahn „Rote Erde“ oder: Die Geschichte einer weltbekannten Sportarena. Gerd Kolbe, BVB-Archivar und Leiter der AG Tradition, hat die Chronik der Roten Erde verschriftlicht.

Liebe Freund*innen des BVB,

2024 ist für uns ein ganz besonderes „Stadion-Jahr.“ Nicht nur, dass das Westfalenstadion, der heutige Signal Iduna Park, 50 Jahre alt wird. Nein, darüber hinaus gibt es drei weitere BVB-Arenen, die runde Geburtstage feiern bzw. an die man mit Blick auf die Vereinsgeschichte erinnern sollte.

Unser Archivar und Historiker Gerd Kolbe, gleichzeitig Vorsitzender der AG-Tradition, hat die Historie dieser vier Stadien – neben dem Westfalenstadion die Kampfbahn Rote Erde, der BORUSSIA-SPORTPLATZ und der BVB-Sportplatz an der Brackeler Straße – zu einer „Stadion-Tetralogie“ aufgearbeitet, die wir in der nächsten Zeit auf unserer Internetseite präsentieren werden. Herzlichen Dank dafür!

Wir beginnen mit der Kampfbahn „Rote Erde“, deren 1. Spatenstich am 1. April 1924, also genau vor 100 Jahren, vollzogen wurde.

Viel Spaß beim Lesen auf den spannenden Spuren der „Roten Erde.“ Die Story ist faszinierend.

Eure

BVB Fan- und Förderabteilung

 

 

Die ersten Dortmunder Sportplätze

Trotz der Tatsache, dass ja einige Turnvereine bereits existierten, gab es bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein keine Sportplätze, geschweige denn städtische Sportanlagen heutiger Prägung, in Dortmund.

Der Grund: Die Turnvereine wie die „Eintracht-Dortmund“, ihre Vorläufer „Turngemeinde“ und  der „Turnverein 1856,“ turnten in Hallen oder auf freien Flächen, die man  nicht besonders als Sportplätze herrichten musste.

Die „Turngemeinde“ absolvierte ihre ersten Übungsstunden beispielsweise im Haßlingschen Hof zwischen Rosenthal und Olpestraße, später im Anbau des Kühnschen Lokales und des dazu gehörigen Gartens in der Wißstraße.

Sportplätze wurden eigentlich erst erforderlich, als der „Sport", aus England kommend, Mitte der 1870er Jahre Einzug in Deutschland hielt. Zum „Sport“ gehörten neben der Leichtathletik die Ballspiele wie Fußball, Schlagball, Prellball,  und Cricket.

1892 stellte dann die Stadtverwaltung zwei größere Grundstücke außerhalb des eigentlichen Stadtgebietes als Spielplätze für unterschiedlichste Aktivitäten bis hin zum Schlittschuhlaufen im Winter zur Verfügung. Eine dieser Flächen befand  im Bereich des Fredenbaums. Dort  entstand 1913 dann auch mit den Mende-Sportanlagen, benannt nach dem großen Dortmunder Mäzen Eduard Mende, die erste kommunale Sporteinrichtung.

Der Staat jedenfalls – einschließlich der Gemeinden und Städte – sah es lange Zeit nicht als seine Aufgabe an, Sportplätze zur Verfügung zu stellen. Erst zu Beginn der Weimarer Republik setzte ein Umdenken ein. 1919 wurde der Entwurf eines „Reichsspielplatzgesetzes“ vorgelegt. In diesem Kontext setzte sich generell die Einsicht durch, den Sportstättenbau zu forcieren.

 

Der bedeutende Stadtbaurat Hans Strobel.

 

Hans Strobel: Der Vater des „Volksparks" - 

Heute kennt so gut wie jeder in Dortmund die „Strobelallee", an der die Eislaufhalle, die Westfalenhalle, die Helmut-Körnig-Leichtathletikhalle, das Stadion „Rote Erde“ und der Signal Iduna Park liegen. Wie es die FAZ einmal ausdrückte: „Neben dem Olympiapark in München“ das größte Sportzentrum der Bundesrepublik.“ Wer war dieser Herr Strobel, dessen Vorname Hans lautete, und welche Bedeutung hatte  er für unsere Stadt? Die Bezeichnung„Strobelallee“ geht übrigens auf den früheren Oberbürgermeister Fritz Henßler zurück, der im Gedenken an den großen Stadtbaurat im November 1953 den Rat animierte, den bisherigen „Grünen Weg“ in „Strobelallee“ umzutaufen, da es ansonsten erstaunlicherweise keinen Hinweis in Dortmund auf seinen vielleicht bedeutendsten Stadtgestalter gab.

Der Gedanke Strobels, eine große Sportanlage als Herz des Sport-, Turn- und Spielbetriebs für ganz Westfalen in Dortmund zu bauen, geht auf das Jahr 1919 zurück. Die Stadt Dortmund  entschied sich, so die damalige Publikation „Fußball und Leichtathletik“, für die „wahrhaft ideale Freifläche im Südwesten der Stadt hinter dem „Steinernen Turm“. Zunächst hatte man auch Standorte in Brackel in der Nähe des Flughafens und in Wambel an der Pferderennbahn ins Kalkül gezogen.

Das Projekt wurde dann aber vom legendären Hans Strobel unter der Globalbezeichnung „Kleingartendaueranlage und Spiel-und Sportplätze im Volksparkgelände hinter dem Steinernen Turm“ erarbeitet, von der Stadtverordnetenversammlung am 24. März 1924 beschlossen und später vom Regierungspräsidenten in Arnsberg, den es damals schon gab, unterstützt. Warum aber der plakative Bezug auf die Kleingartendaueranlage im Titel? Nun, für solche Projekte gab es Zuschüsse, die man dringend benötigte.

Zu dem zunächst geplanten Gesamtensemble kam dann auch noch die Westfalenhalle hinzu.

Das Bodenschichtenmodell des Volksparks Dortmund aus der Frühzeit der Planungen.

Hans Strobel, geboren 1881 in Weiden, kam im Mai 1914 nach Dortmund. Er hatte sich bereits in Bremen und Leipzig als visionärer Architekt einen Namen gemacht. Strobel ist der „Vater“ des Hauptfriedhofes, der „Dortmunder Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft (DOGEWO)“ und der Bundesstraße 1, damals Hindenburgdamm genannt. Sein größtes Werk aber war und ist der „Dortmunder Volkspark“ mit der Westfalenhalle, der Kampfbahn „Rote Erde“, der Kleingartendauerlanlage Ardeyblick, dem Schwimmstadion Volkspark und der Volkswiese.

„Als ich den Zirkelschlag machte, stand mir die zukünftige Gestaltung des Volksparks klar vor Augen: 'Die Kampfbahn das Herz, die Westfalenhalle die Krone'“, so Strobel in einem Aufsatz.

 

Am 1. April 1924 begannen die Vorarbeiten mit dem symbolischen ersten Spatenstich. Strobel durfte mit Zustimmung der Bezirksregierung hunderte  Arbeitslose im Rahmen einer „Arbeitsbeschaffungsmaßnahme“ einsetzen. Das Projekt „Rote Erde“ bezog sich auf die Erd- und Wegearbeiten für die Kampfbahn einschließlich zweier Übungsfelder und der Planung der Gebäude. Erste Überlegungen sahen eine 50 Meter lange und mit sechs Terrassenstufen zweireihig ausgebaute Tribüne vor. Später erhielt diese eine Länge von 100 Metern und zwölf Terrassenstufen.

Die günstige Gesamtlage ermöglichte die gewünschte Nord-Süd-Richtung des Fußballfeldes. Neben einem normalen Spielfeld, einer vorgeschriebenen 450 Meter (!) langen und 7,20 Meter breiten Laufbahn im Halbkreisbogen sowie einer 100-Meter-Bahn wurden auch Weitsprung- und Stabhochsprung-Anlagen eingerichtet.

110.000 qm Boden, davon 21.000 qm Mutterboden, und 80.000 qm Lehm sowie schwerer Mergelboden wurden mit Spaten und Hacke bewegt. Als Hilfsmittel standen lediglich Muldenkipper, Gleise, Benzol-Lokomotiven und Schubkarren zur Verfügung.

Termingerecht zum 1. Juni 1926 war die „Rote Erde“ fertig.  Der Begriff "Rote Erde" leitet sich übrigens von “gerodete Erde” ab, da man im Rahmen der Industrialisierung des Ruhrgebiets die ursprünglich vorhandene Heidelandschaft mit ihren Urwäldern rodete und für die heutige Nutzung vorbereitete. Einschließlich aller Nebenanlagen sowie der Straßen und Wege kostete sie 1,8 Mio. Reichsmark und fasste 35.000 Besucher, das Stadion separat betrachtet 400.000 RM.

Der Dortmunder Autor Max Ostrup schrieb kurz nach der Eröffnung über das neue Stadion: „Wuchtig und trutzig wächst die Kampfbahn aus dem Land der Roten Erde hervor, selbst ein Sinnbild der Kraft, die in diesem Boden steckt und die zu erhalten dies beitragen soll.

Die prächtige Gesamterscheinung wird durch die Bauweise und den Baustein erzielt, in dem das gesamte Stadion ausgeführt ist. Bei allen Bauten, auch bei den Stufen des Walls, ist der heimische Ruhrkohlesandstein verwandt worden, der die löbliche Eigenschaft hat, um so schöner zu wirken, je weniger man an ihm herumarbeitet. Er besitzt in seinen wundervoll wechselnden Farben, seinen Kohlenkristallen und Kernbildungen, bruchrau verarbeitet, Flächen voller Lebendigkeit und Frische, gegen die keine Ornamente oder farbige Behandlung aufkommt, hält sich ganz ausgezeichnet und stempelt die Kampfbahn mit ihren vielen stattlichen Bauten zu einem Prunkstück“.

Blick von Osten auf den „Musikpavillon".

Und Architekt Hans Strobel ergänzt: „Im Kernbereich zeigt der Ruhrkohlesandstein mannigfache, im wesentlichen helle Farben von Graublau bis Goldocker und schöne holzartige Maserungen; in seinen natürlichen Lagern ausgelöst, kommen leuchtende Orydschichten, vom tiefsten Rostbraun über Rosarot bis Kanariengelb, hervor. Ein unter der Hacke stehender Ruhrkohlesandsteinbruch am grünen Berghang unter blauem Himmel bietet Bilder von berückender Schönheit. Von solchem flammenden Farbenmeer einen Teil in fertige Bauwerke hinüberzuretten, ist des Schweißes des Architekten wert. Dieser wundervolle Baustoff in seinem natürlichen Zustand verwendet, ergibt Flächenwirkungen so schön, wie man sie weder durch Ornamente noch durch Farbgebung erzielen könnte.“

 

Zwei spektakuläre Eröffnungen!

Als sich der Eröffnungstermin abzeichnete, lud Strobel Vertreter des bürgerlichen Sports und des Arbeitersports zu sich ein.

Gemeinsam machte man sich Gedanken über den festlichen Ablauf der Premiere.

Doch die Vorstellungen der rivalisierenden Sportverbände ließen sich nicht unter einen Hut bringen. Kein Konsens war beispielsweise über ein gemeinsames Programm zu erzielen. Schweren Herzens stimmte Strobel dann zu, zwei offizielle  Eröffnungen durchzuführen.

Am 6. Juni 1926 kamen wegen des schlechten Wetters lediglich 8.000 Besucher zur „bürgerlichen“ Schlüsselübergabe durch Oberbürgermeister Dr. Eichhoff und Stadtbaurat Strobel.

Als Gegner der Dortmunder Stadtauswahl im Fußball hatte man den renommierten Club Wacker München verpflichtet. Die Gäste von der Isar, mehrfacher Süddeutscher Meister, gewannen souverän mit 11:1. Das war happig!

Star der Gäste war der Ungarische Nationalspieler Alfred „Spezi“ Schaffer, der erste Superfußballer des Kontinents und zwei Mal Europas Rekordtorschütze.

 

Pressebericht über die Rote-Erde-Eröffnung

Peter Szabo, ebenfalls Nationalspieler Ungarns, und der englische Internationale Edward Hanney, Olympiasieger im Fußball 1912, standen ihm nur wenig nach.

Der interessanteste Aspekt dieser Eröffnung dürfte jedoch darin liegen, dass der Münchener Spieler Karl Reiter sich während der Partie in eine auf der Laufbahn stehende junge Dortmunderin unsterblich Hals über Kopf verliebte. Das Ende vom Lied: Reiter blieb hier, schloss sich dem DSC 95 an und ließ sich mit seiner Angebeteten in DO-Dorstfeld nieder, wo heute noch die Nachfahren dieser „Stadion-Eröffnungsliebe“ beheimatet sind.

Die zweite Stadionpremiere eine Woche später mit stolzen 30.000 Zuschauern organisierte der Arbeitersportbund. Ein Festumzug mit 6.000 Teilnehmern führte zunächst durch die Stadt und verbreitete eine tolle Stimmung.

Und dann bescherte der Arbeiterschachverein Dortmund pünktlich um 16.30 Uhr dem Schachsport, den man begeistert pflegte, den bislang weltweit spektakulärsten Auftritt “aller Zeiten".

 „Arbeiter sollen nicht nur malochen und pöhlen, Arbeiter sollen auch ihren Geist schulen.” So lautete die Devise der Arbeitersportler. Deshalb also eine Schachpartie mit lebenden Figuren. 64 Felder auf dem Rasen, die agierenden Arbeitersportler als König, Dame, Turm, Springer, Bauer dekorativ gewandet. Eine hübsche Idee, auch und insbesondere fürs Auge! Die Kostüme waren in monatelanger Kleinarbeit liebevoll genäht worden. Die Initiatoren hatten eine spezielle Schachpartie komponiert, die eine Szene aus der französischen Revolution darstellte. Die Züge wurden per Megaphon übermittelt. Im letzten Zug schlug - oh schöne Symbolik - der schwarze Bauer den König, stürzte damit die Monarchie und befreite die Bauern vom Joch des Absolutismus.

Das Stadion “Rote Erde” ist die einzige bekannte Sportarena der Welt, die mit einer Schachpartie eröffnet wurde. Die 30.000 Besucher dürften darüber hinaus die größte Anzahl sein, die jemals “live” ein Schachspiel erlebte.

 

Die berühmte „lebende Schachpartie" vom 13. 6. 1926

Hier die Notation der Partie:

Weiß:

Darstellend das Königtum in eitlem Prunk und Verschwendung auf Kosten der Besitzlosen.

Schwarz:

Die revolutionären Kämpfer in einfacher Tracht, beseelt von eisernem Willen, das unwürdige Joch abzuschütteln.

Der im Entstehen begriffene Aufruhr des Volkes veranlasst die Königspartei, sofortige Gegenmaßnahmen zu ergreifen, indem zunächst ein Posten vorgeschoben wird

  1. e 2 – e  4    

Die ersten Anzeichen einer gewaltigen Empörung machen sich bemerkbar.

     1. e 7 – e 6

Die Königstreuen werfen Verstärkung nach vorn

  1. d 2 – d 4

Die rote Partei ist nicht gewillt, dem Gegner alle Machtpositionen zu überlassen und setzt sich ebenfalls im Zentrum fest.

     2. d 7 – d 5

Schon fallen die ersten Opfer aus dem sich entwickelnden Geplänkel

  1. e 4 x d 5                                             e 6 x d 5

Kavallerie greift ein

  1. Sp g 1 – f 3

Ein Führer des Volkes eilt nach vorn

      L f 8 – d 6

Auch die Königspartei sendet einen Offizier zum Kampfplatz

  1. L f 1 – d 3

Weit hinten in feindliches Gebiet wagt sich ein zweiter Führer

     L c 8 – g 4

Der König wählt den besseren Teil der Tapferkeit und und flüchtet hinter kugelsichere Festungsmauern

  1. O – O

Beritten gemachtes Fußvolk wird ins Feuer geführt

    Sp b 8 – c 6

Die Vorposten des Königs erhalten Unterstützung

  1. c 2 – c 3

Das Revolutionsbanner taucht hinter den Kämpfenden auf

     D d 8 – d 7

Beiderseits werden reitende Kräfte mobil

  1. Sp b 1 – d 2                                     Sp g 8 – e 7

Drohend geht im Hintergrund die Artillerie in Stellung

  1. T f 1 – e 1

Aber auch die Revolutionäre ziehen starke Kräfte heran, um im geeigneten Moment, unter gleichzeitiger Sicherung ihrer Hauptstellung, vorzubrechen

     0 – 0 – 0

Die weiße Königin begibt sich, ungeachtet des bevorstehenden roten Ansturms, auf gefährliche Abenteuer, denen aber sofort ein Halt geboten wird.

    1. D d 1 – a 4                                  K c 8 – b 8
  • L d 3 – b 5                                   T h 8 – e 8

In wütendem Ansturm versuchen die Weißen, den Gegner zu überrennen

  1. Sp f 3 – e 5

Doch alle Angriffe werden abgewehrt

     L d 6 x Sp e 5

    1. d 4 x L e 5                                       Sp e 7 – g 6
    2. Sp d 2  - b 3                                    Sp g 6 x e 5
    3. L c  1 – e 3                                      D d 7 – c 8
    4. Sp b 3 – c 5                                    T d 8 – d 6
  • Sp c 5 x b 7       

Die große Attacke der Weißen zerschellt am Siegeswillen ihrer Gegner, und mich wuchtigen Schlägen in opferreichem Kampfe geht die Königsherrschaft mit ihrer stolzen Festung in Trümmer.

T d 6  -  g 6

    1. L e 3 x a 7 +                                      Sp c 6 x  a 7    
    2. L b 5 x  T e 8                                     Sp e 5 – f 3 x
  • K g 1 – h 1

Der König ist auf der Flucht, aber sein Schicksal ist besiegelt.

     L g 4 – h 3

  1. T e 1 – g 1                                          L h 3  x g 2 x
  2. T g 1 x l g 2                                        D c 8 – h 3
  3. T a 1 -  g 1                                          D h 3 x h 2
  4. T g 2 x D h 2                                      T g 6 T g 1 Matt                         

 

4. - 6. September 1927: Katholikentag in Dortmund - Späterer Papst Leiter und Gastgeber

1927 fand der 66. Katholikentag in der Westfalenhalle und in der „Roten Erde“ statt.

Die Leitung hatte der damalige apostolische Nuntius des Vatikans in Berlin, Eugenio Pacelli.

Der ranghohe Gast kam bereits zwei Tage vor Beginn des Katholikentages, den er als Vertreter des Vatikans leiten würde: Eugenio Pacelli erreichte Dortmund am 2. September 1927 auf dem Luftwege.  Von Trier kommend landete er auf dem Flughafen in DO-Brackel. Bereits kurz nach seiner Ankunft fuhr er zur Westfalenhütte und suchte im Rahmen einer Werksbesichtigung auch Kontakt.zu den Stahlwerkern. Deren Belange lagen ihm am Herzen. Später, in seiner Residenz im Christinenstift, arbeitete er an seinen Predigten und Ansprachen und bezog die Hoesch-Eindrücke gezielt ein.

Dortmund hatte sich akribisch auf das große Ereignis vorbereitet, das vom 4. - 6. September stattfand. Stadtrat Kayser war Chef des Lokalkomitees und koordinierte zwischen katholischer Kirche und Stadt Dortmund.

Der apostolische Nunzius Eugenio Pacelli in der Roten Erde.

Am Sonntagmorgen, dem 4. September, war es dann soweit: Zigtausende Gläubige trafen sich in allen Stadtteilen und formierten sich zu zwei mächtigen Marschsäulen, die sich im Stadion “Rote Erde”, dem Ort des Eröffnungs- und Festgottesdienstes, trafen. Sie alle hatten sich über das festlich mit Flaggen und Wimpeln geschmückte Dortmunder Stadtbild gefreut.

Eingerahmt in Massenchöre und Darbietungen von Musikkorps zelebrierte Kardinal Pacelli in der zur “Kirche unter freiem Himmel” umfunktionierten Sportarena die heilige Messe und spendete den Gläubigen seinen Segen. Zu den Teilnehmern gehörten auch Delegationen aus Amerika, Ungarn, der Schweiz und der Tschechoslowakei.

Für Dortmund war der Katholikentag ein großer Erfolg. Westfalenhalle und “Rote Erde” wiesen nach, auch für Veranstaltungen dieser Größe und Ausrichtung bestens geeignet zu sein. Und die zahlreich anwesenden internationalen Journalisten trugen den Namen der Stadt  in alle Welt.

Übrigens: Der apostolische Nuntius Eugenio Pacelli wurde wenige Jahre später zum Papst gewählt und ging als  Pius XII – wenn auch nicht unumstritten -  in die Geschichte ein. 

 

Der Fußball findet seine Heimat

Der Fußball war in der Geschichte der „Roten Erde“ immer ein besonderer Kristallisationspunkt. In den ersten zehn Jahren waren es aber keineswegs die Borussen, sondern die Knappen vom FC Schalke 04, die das Spiel  in das Stadion tragen. Von 1926/27 bis 1938/39 wurde die Kampfbahn neunmal Austragungsort von Vorrundenspielen zur Deutschen Meisterschaft mit den Jungs aus Gelsenkirchen im Mittelpunkt.

Es beginnt 1927. Da spielt der FC Schalke am 8. Mai in der Vorrunde zur Deutschen Meisterschaft gegen München 1860 und verliert mit 1:3. Und was vermeldet der „Sport vom Sonntag“ am Tag danach? „Die Organisation, die diesmal Borussia 09 in Händen hatte, klappte gut.“

 

Die Schalker brachten den großen Fußball in die Rote Erde.

Und  weiter heißt es: „Die 25.000 – 30.000 Zuschauer, die die Kampfbahn „Rote Erde“ gut füllten, hätten ihrem Verhalten nach einen Sieg Schalkes lieber gesehen..“

Sieh mal einer an! Der BVB organisiert ein Spiel der Blau-Weißen und die Besucher stehen wie ein Mann hinter den Jungs aus der Nachbarstadt. Wie geht das denn? Ist das überhaupt erlaubt?  Aber klar! Man war damals nämlich miteinander befreundet, und die Borussen verehrten die Knappen als ihre Vorbilder.

Weiter gings 1929 mit einem 4:1-Sieg über die alte Dame Hertha BSC, die mit dem berühmten „Hanne“ Sobeck antrat oder 1932 mit dem 5:4 über den heute gänzlich unbekannten SuBC Plauen.`

Zwei Jahre später, als die Königsblauen 1934 zum ersten Mal Deutscher Meister wurden, gab es auf dem Heimweg mit der Reichbahn einen Stopp in Dortmund. Hier wurden die Schalker Meisterspieler am Bahnhof wärmstens empfangen und nach einem karnevalsähnlichen Umzug durch die City durften sie sich als erste Fußballmannschaft überhaupt ins Goldene Buch der Stadt Dortmund eintragen. Der BVB kam erst 2011 in diesen Genuss...

Weitere spannende Aktivitäten

Im extrem kalten Winter 1928/29 wurde das nördliche Übungsfeld der Kampfbahn in eine Eisbahn umgewandelt. Wichtig war, dass die Fläche absolut horizontal lag. Das allerdings konnte der problemlos garantiert werden. Die Eisbahn wurde ein Hit.

Die Rote Erde 1927 als „Wintermärchen“

1932 folgte das 3. Reichstreffen der Deutschen Jugendkraft. Zu den Hauptrednern gehörten Reichskanzler Dr. Brüning und der Oberbürgermeister von Köln, Dr. Konrad Adenauer mit Namen. Die DJK war in der Weimarer Republik der bedeutendste der konfessionellen Sportverbände und stand der Zentrumspartei nahe. 15.000  Sportler und Tausende Besucher erlebten ein eindrucksvolles sportliches Schauspiel.  Am 2. und 3. Juli 1932 stand der Reichskriegertag mit 125.000 Teilnehmern auf dem Programm.

Nach den ersten Großveranstaltungen stellte man schon 1928 fest, dass das Fassungsvermögen der „Roten Erde“ nicht ausreichte. Als wichtigste Ausbaumaßnahme wurden die Doppelstehreihen durch den Einbau einer Steinkante geändert. Einige tausend Besucher mehr hatten Platz. Trotzdem brachte diese Lösung nicht den gewünschten Erfolg. Weitere Vorschläge folgten. Erfreut wurde 1932 zur Kenntnis genommen, dass 234.000 RM aus Arnsberg für die Erweiterung bereitgestellt worden seien. Leider beschlagnahmten die Nazis kurz nach ihrer „Machtübernahme“ am 15. Februar 1933  die vorgesehenen Mittel und verwendeten sie für eigene Projekte. Die  „Rote Erde“  guckte in die sprichwörtliche „Röhre“, in diesem Fall in die „Nazi-Röhre“.

1935: Erstes Länderspiel gegen Irland in Dortmund

Die Rote Erde hatte mittlerweile landauf, landab einen exzellenten Ruf. Nur ein Fußball-Länderspiel hatte es hier bis 1935 noch nicht gegeben. Die Dortmunder Stadtväter „rödelten“ unablässig beim DFB. Dann endlich, 1935, war es soweit. Dortmund erhielt mit der Begegnung Deutschland – Irland am 8. Mai 1935 sein allererstes Länderspiel, wobei die Gesamtbilanz der Arena mit insgesamt nur zwei Länderspielen doch recht schmalbrüstig wirkt.

Obwohl der DFB erstmals in seiner Geschichte einen Mittwochtermin ausgewählt hatte, war die „Rote Erde“ mit 35.000 Zuschauern bestens besucht, Zeitungsberichte sprechen sogar von „völlig überfüllt“! Und das, wie gesagt, an einem Mittwoch und damit an einem ganz normalen Werktag. Fußball hatte sich also bereits als Zuschauermagnet etabliert und Länderspiele galten als sportliche Festtage.

Otto Siffling vom VfR Mannheim gehörte zu den Stars der Deutschen Nationalmannschaft.

Alle waren voller Vorfreude und sehr gespannt darauf, was die Buchloh; Janes, Tiefel; Zielinski, Goldbrunner, Bender; Lehner, Siffling, Lenz, Damminger und Fath im DFB-Trikot gegen die Berufsspieler von der grünen Insel würden ausrichten können. Insbesondere der Mannheimer Otto Siffling war praktisch überall Gesprächsthema, galt (und gilt) er doch „als einer der talentiertesten Fußballspieler, die Deutschland je hervorgebracht hat“, wie es der Kicker einmal formulierte.

Mit August Lenz vom heimischen BVB und Paul Zielinski (Union Hamborn) waren lediglich zwei Akteure aus dem Ruhrgebiet dabei. Fritz Szepan saß verletzt auf der Tribüne. August Lenz hatte genau zehn Tage zuvor im Heysselstadion zu Brüssel beim 6:1-Sieg über Belgien sein Debüt im Trikot der Nationalelf gefeiert und gleich bei seinem Einstand zwei astreine  Tore erzielt.

Pressebericht über das Länderspiel Deutschland – Irland

„Aber vor dem Spiel gegen Irland zuhause in Dortmund und in meinem Stadion „Rote Erde“, da hatte ich doch mächtigen Bammel“, so erzählte der blonde August gern, wenn er Freunden und Fans von seiner großen fußballerischen Karriere berichtete.

Die erste Halbzeit der Partie gehörte dem Gast aus dem Freistaat Irland. Mit ihrem halbhohen Spiel verwirrten sie die die DFB-Kicker ganz gehörig. Folgerichtig gingen sie auch durch ihren Verteidiger Geskins in Führung, bevor der Halblinke Ludwig Damminger per Kopfball den Ausgleich erzielte.  Mit diesem Ergebnis ging es dann auch in die Halbzeit.

Nach der Pause lief das deutsche Spiel flüssiger, und bei leichter Feldüberlegenheit schafften erneut Damminger und dann Ernst Lehner mit ihren Treffern das letztlich verdiente 3:1 für den Gastgeber.

Der Sieg konnte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die deutsche Leistung insgesamt gesehen nicht voll befriedigte. Übrigens: Auf der Tribüne der „Roten Erde“ saß an diesem Mittwoch auch die spanische Nationalmannschaft, gegen die Deutschland nur vier Tage später in Köln anzutreten hatte. Die spanischen „Kiebitze“ leisteten ganze Arbeit: Nach einer langen Reihe von Siegen verlor Deutschland diese Partie mit 1:2.

Auch das Rückspiel gegen Irland brachte eine Niederlage. Am 17. Oktober 1936 hagelte es für die DFB-Formation in Dublin eine 2:5-Packung. 

 

1938: BVB – Ostmark Wien mit Sindelar zu Gast

Während die Fußball-Fans heute von Ronaldo, Mbappé oder Messi schwärmen, hießen die Stars vor dem 2. Weltkrieg Ademir, Leonidas, Meazza oder Matthias Sindelar. 

Sindelar, wegen seiner schmächtigen Körperstatur „Der Papierene“ genannt, war Star mit Kultstatus bei Austria Wien, das sich nach dem „Anschluss an das Deutsche Reich“ Ostmark Wien nennen musste. Und genau gegen Ostmark Wien spielte der BVB Ende Mai 1938 in der „Roten Erde“.

Austria Wien ging 1926 aus dem „Vienna Cricket-Club und der Abspaltung „Wiener Amateur-Sportverein“ hervor. Eines der Vorstandsmitglieder: der spätere Trainer des österreichischen „Wunderteams“ Hugo Meisl. Meisl war der Begründer des berühmtem „Mitropa-Cups“, der als Vorläufer des späteren Europapokals der Landesmeister, heute Champions League, in den 1930er Jahren entstand.

Österreichische Meisterschaften und Cupsiege wurden wie am Fließband erreicht.

Austria holte sich 1933 und 1936 den Mitropa-Cup als Höhepunkte der Vereinsgeschichte.

Matthias Sindelar, der „Beckenbauer der 1930er Jahre"

All dies fiel auch in die Zeit der österreichischen „Wunderelf“, der Nationalmannschaft die in Folge in 15 Länderspielen ungeschlagen blieb. Matthias Sindelar, WM-Teilnehmer 1934, war auch hier der Garant für überragende Spielkultur, sportliche Leichtigkeit und fußballerischen Erfolg.

Während die österreichischen Fußballprofis ihr Spiel perfektionierten, vollzog Hitler am 12. März 1938 den sog. Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich.

Um sportliche Reichs-Harmonie zu dokumentieren, ließ Hitler Ostmark Wien auf „Deutschland-Tournee“ gehen. So kam es Ende Mai 1938 zur  Begegnung zwischen dem BVB und den „Ostmärkern“.

Borussia hatte 1936 mit tatkräftiger Hilfe der beiden Schalker Trainer Ernst Kuzorra und Fritz Thelen die Gauliga erreicht. Man war ambitioniert, großen Fußball im Stadion Rote Erde, in dem man seit der Verdrängung vom „Borussia-Sportplatz“ am Borsigplatz zu spielen hatte, zu bieten. Da kam die Tournee von „Ostmark“ genau zum richtigen Zeitpunkt. Die Wiener hatten im Rahmen ihrer Reise bislang nur Triumphe gefeiert. Gegen den BVB gab es jedoch lediglichein 1:1-Unentschieden. Die 6.500 Besucher erlebten Tore von Bordolie (Ostmark) und August Lenz, der den Ausgleich markierte.

Das besondere Augenmerk lag fraglos auf Matthias Sindelar, der gemeinsam mit seinem kongenialen Partner Jerusalem im Wiener Sturmzentrum auftrumpfte. Vielleicht hatte der 37-Jährige zu diesem Zeitpunkt bereits den Höhepunkt seines Könnens überschritten. Trotzdem: Es war eine Augenweide, ihn zu sehen und zu erleben, wie er genial die Bälle verteilte.

Der weitere Lebensweg des Matthias Sindelar verlief tragisch. Der aus dem Wiener Vorort Favoriten stammende „Papierene“ litt sehr unter den neuen Machthabern. Er war mit der „halbjüdischen“ Italienerin Camilla Castagnola liiert. Auch für Austria gab es schwere Zeiten, galt der Club doch allgemein ebenfalls als jüdisch.

Herberger, der sich um Sindelar als Akteur der Deutschen Nationalmannschaft wegen seiner Erfahrung, seiner Spielübersicht und seiner Autorität bemühte, holte sich eine Abfuhr. Sindelar wollte nicht; aus politischen Gründen, wie man munkelte.

Am 13. Januar 1939 starb Matthias Sindelar. Er wurde gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin tot aufgefunden. Todesursache: Vergiftung. Die Frage damals lautete: Mord, Selbstmord, Doppelselbstmord, Unglücksfall? Letzte Zweifel an der Todesursache wurden niemals ausgeräumt.

Der bekannte jüdische Schriftsteller Prof. Friedrich Torberg, langjähriger Übersetzer Ephraim Kishons, setzte Matthias Sindelar ein eindrucksvolles literarisches Denkmal mit dem anrührenden Gedicht: „Auf den Tod eines Fußballspielers“.

 

Kein Länderspiel, aber fast: Auswahlspiel Deutschland – Böhmen-Mähren.

 

14. November 1943: Borussias erster Sieg über Schalke

„Der unüberwindliche Riegel vor dem Borussen-Tor“. Mit dieser Überschrift feierte die „Westfälische Landeszeitung – Rote Erde“ den ersten Sieg des BVB über den FC Schalke 04 in der Geschichte der beiden großen westfälischen Rivalen. Und in der Tat war es ein bemerkenswertes Match mit ebenso bemerkenswerten Begleiterscheinungen, das an diesem 14. November 1943 – einem Sonntag – in der  „Roten Erde“ über die sprichwörtliche Bühne ging.

Der große FC Schalke und die Schwarz-Gelben vom Borsigplatz waren bereits seit Jahren in schöner Regelmäßigkeit aufeinander getroffen. Und fast ebenso regelmäßig hatten die Knappen aus Gelsenkirchen die Nase vorn gehabt. Bereits das erste Spiel 1925 entschieden die Schalker mit 4:2 für sich.

Weitere schmerzhafte Niederlagen – vereinzelt sogar zweistellig - folgten.

 

August Lenz, der Schütze des Siegtores für den BVB

Aber nun zum 14. November 1943. Schalke und der BVB hatten sich in der Saison 1943/44 souverän von den anderen Teams abgesetzt. Die Blau-Weißen hatten sich noch gar keinen, die Schwarz-Gelben lediglich einen Minuspunkt „eingehandelt“. Es stand also ein echtes Spitzenspiel auf dem Programm, das auch unter Prestige-Gesichtspunkten von erheblicher Bedeutung war.

Doch alle Verantwortlichen stellten sich die bange Frage: “Wie viele Besucher würden zu der Partie kommen“? Immerhin hatte es nur drei Tage zuvor einen der vielen Bombenangriffe auf Dortmund mit zahlreiche Toten und Verletzten gegeben. Von den zahllosen zerstörten Wohnungen ganz zu schweigen. Jeder damals wusste: Die Alliierten ließen ihre Bomber Tag und Nacht fliegen und scherten sich den Teufel um die Tatsache, dass in Dortmund Fußball gespielt wurde.

Mit dieser Gefahr im Nacken bildeten die 18.000 unentwegten Besucher eine sehr respektable Kulisse, als Schiedsrichter Lang aus Bochum die Partie anpfiff.

Borussia beeindruckte insgesamt durch den größeren Einsatz und deutlich mehr Zielstrebigkeit. Damit triumphierte man letztlich über den gepflegten  Schalker Kreisel, der in dieser Partie nur sporadisch zum Tragen kam.

Schon nach drei Minuten gab es die erste gute Chance für die Gastgeber. August Lenz  zog vehement ab, traf aber nur den Pfosten. Die frühen Lücken in der Schalker Abwehr nutzte in der achten Minute erneut Lenz und verwandelte gekonnt zum 1:0. Hans Klodt im Gästekasten reagierte zu spät. Das war dann auch schon der Siegtreffer!

Der spätere Weltmeister Bernie Klodt spielte schon 1943 bei den Knappen.

Der BVB spielte unerschrocken und stark auf. Vor dem sicheren Keeper Hoffmann brillierte die Läuferreihe, das Glanzstück der Heimmannschaft. Mit Müller, Stachorra und Goebel legten die Borussen einen Riegel vor ihr Tor, der nicht zu überwinden war. Stachorra war der Prellbock, Müller und Goebel trieben ihre Elf unermüdlich an. Vorn überzeugte Lenz mit Einsatz und Schnelligkeit, assistiert von den technisch  versierten Trapp und Zideller.

Schalke trat mit den Brüdern Hans und Bernie Klodt an, die beide eine gute Visitenkarte abgaben. Szepan, Schweißfurth und Tibulski ragten weiterhin heraus.

Der verdiente Sieger spielte mit:

Hoffmann; Ruhmhofer, Richert; Müller, Stachorra, Goebel; Schüttners, Trapp, Lenz, Zideller, Rogoll.

 

Schlussakkord im Bombenhagel

Auch das Stadion Rote Erde wurde letztlich ein Opfer der alliierten Bombenangriffe, die die Sportstätte noch kurz vor dem Ende des 2. Weltkriegs in Schutt und Asche legten.

Fritz Kauermann sagt dazu in der Publikation „Dortmund -  von der toten zur lebendigen Stadt":

Fritz Kauermann, einer der wichtigsten Wegbereiter des Dortmunder Sports nach 1945.

„12. März 1945: Letzter Großangriff auf Dortmund. Am Standort, von dem ich Monate vorher die Westfalenhalle niederbrennen sah, beginnt diesmal der Bombenregen. Neben den anderen gewaltigen Zerstörungen verwandelte der Angriff die zweite sportlichen Großveranstaltungen dienende Großanlage, das Stadion „Rote Erde“ mit dem Schwimmbad und dem Luftbad, in einen Trümmerhaufen, sodass in den folgenden Tagen die Bevölkerung dieser Gegend den Beinamen „Mondlandschaft“ gab.“

Ein schrecklicher Anblick: Die zerstörte Rote Erde 1945

 

Die Zeit nach dem 2. Weltkrieg

Seit den schweren Zerstörungen 1945 stand die Kampfbahn nur als „Torso“ für den Sport zur Verfügung. Über 90 Bombenkrater zählte man nach Kriegsende. Zwar gingen 1946 erste kleinere Veranstaltungen im Radsport über die Bühne, das Stadion selber wirkte aber immer noch wie ein Mahnmal gegen den Krieg.

Für den BVB, der wenig später die Anlage wieder nutzen durfte, hatten die Kriegszerstörungen auch zur Folge, dass sich die Schwarz-Gelben und der jeweilige Gegner im benachbarten Schwimmstadion „Volkspark“ umkleiden mussten, um dann durch ein Spalier zahlloser Fußballfreunde zum Marathontor und von da aus zum Anstoßpunkt des Stadions zu schreiten.

Erich Schanko kam 1946 zum BVB.

 

14. September 1947: Startschuss für die “Fußball-Oberliga West” - 

Die Bundesliga, heute unser Maß aller Dinge im Fußball, wurde bekanntlich 1962 in Dortmund beschlossen. Damit endete ein Jahr später die Geschichte der “Oberliga West“, die am Sonntag, dem 14. September 1947, ihre Geburtsstunde erlebte. Eine Geburtsstunde, die buchstäblich aus den Trümmern des 2. Weltkrieges heraus erwuchs.

Neben den arrivierten Clubs wie dem BVB, Schalke 04,  Düsseldorf oder Aachen waren heute fast vergessene Vereine wie Sportfreunde Katernberg, STV Horst-Emscher, VfR Köln, Preußen Dellbrück und der VfL Witten in der ersten Spielzeit vertreten.

Als Favoriten galten der Altmeister FC Schalke 04 und der frischgebackene Westfalenmeister BVB mit seinem Trainerfuchs Ferdinand Fabra. Borussia vertraute auf die bewährten Kräfte rund um Ady Preißler, “Pat” Koschmieder, August Lenz, Max Michallek und Keeper Willi Kronsbein. Als Neuling empfahl sich  Erich Schanko aus Bövinghausen.

Heinz Kubsch stand bei Katernberg im „Kasten“.

Der BVB begann mit einer Heimbegegnung gegen die Sportfreunde aus Katernberg, bei denen ein 18-Jähriger mit Namen Heinz Kubsch im Tor stand. Er sollte 1954 gemeinsam mit Borussias Heini Kwiatkowski und Toni Turek als WM-Torhüter in die Schweiz fahren. Kwiatkowski, von den Fans liebevoll “Kwiat” gerufen, stand zur Oberliga-Premiere übrigens im Gehäuse des FC Schalke 04. Ein weiterer Deutscher Doppelmeister des BVB der 50er Jahre, Fred Kelbassa, jagte Anno ´47 noch beim STV Horst-Emscher dem runden Leder nach.

Borussia wirkte gegen Katernberg spielerisch reifer, technisch und taktisch bestens geschult. Insbesondere die Außenläufer Michallek und Janowski waren Trumpfkarten im schwarz-gelben Aufbauspiel. Katernberg stellte sich zwar als kampfstarkes Team vor, zog insgesamt aber mit 0:3 Toren den Kürzeren. Die Tore für den BVB schossen Ibel und Lenz (2).

Borussia spielte mit:

Kronsbein, Ruhmhofer, Halfen, Michallek, Koschmieder, Janowski, Sandmann, Preißler, Lenz, Ibel, Schanko.

Den ersten Spieltag der Oberliga West verfolgten insgesamt 100.000 Besucher. Die Borussen  wurden 1948 nach Abschluss der 24 Saisonspiele der erste Westdeutsche Meister der Oberliga-Geschichte. Vizemeister wurde Katernberg; der FC Schalke landete nur auf einem enttäuschenden sechsten Rang. Die große Zeit der Knappen ging zu Ende. Borussia hingegen wurde bis 1963 der erfolgreichste Club im Westen mit insgesamt sechs Titeln. Hinzu kamen die Deutschen Meisterschaften 1956, 1957 und 1963.

In der “ewigen” Oberliga-West-Tabelle dominiert der BVB mit 600:336 Punkten (Zweipunkte-Regelung) deutlich vor dem FC Schalke, der es auf 555:361 Punkte brachte. Neun Mal wurden die Borussen August Lenz (1948), Ady Preißler (1949 und 1950), Alfred Niepieklo (1956), Alfred Kelbassa (1956 und 1957) und Jürgen Schütz (1960, 1961 und 1963) Torschützenkönige, wobei Jürgen Schütz mit 31 Treffern in der Saison 1959/60 den Torrekord aller 16 Spielzeiten aufstellte.

Franz Podgorski, der Schütze des Siegtores.

 

1948: BVB schlägt Schalke 1:0. Franz Podgorskis „Goldenes Tor“ - 

Mehr als 20 übervolle Sonderzüge der Reichsbahn fuhren am Sonntag, dem 19. Januar 1948, allein von Gelsenkirchen nach Dortmund. Der Grund der modernen Völkerwanderung: Borussia Dortmund, der amtierende Westfalenmeister, traf  im zweiten Rückrundenspiel der Premierensaison der Oberliga West 1947/48 auf den sechsmaligen Deutschen Meister Schalke 04. So eine Resonanz hatte es noch nie gegeben! Bereits in den Vormittagsstunden pilgerten Zig-Tausende Fußballfreunde  die Hohe Straße in Richtung Süden hinauf, um rechtzeitig zum Anpfiff um 15.00 Uhr im Stadion  zu sein.

Einige Zeitungen schrieben von 50.000 Besuchern, andere von 45.000. Die Polizei legte sich letztlich auf 46.000 fest. Das war ein bis dato unfassbarer bundesweiter Besucherrekord für ein „normales“ Meisterschaftsspiel zweier Vereinsmannschaften.

Aber es ging ja auch um nicht mehr und nicht weniger als um die Vormachtstellung in der herausragenden Fußball-Region Westfalen, damals weit und breit das Maß aller fußballerischen Dinge. Schalke hatte vor dem Krieg alles souverän im Griff, nach 1945 meldeten die Borussen ihrerseits erfolgreich Ansprüche an, Westfalens Nr. 1 zu sein.

Aus heutiger Sicht muss der damalige Gang zum Stadion regelrecht gespenstisch anmuten: Die  Innenstadt war im Krieg zu 93% zerstört worden, in der Hohen Straße sah es ähnlich aus. Auch die Westfalenhalle lag noch in Trümmern.

Vor den Kassenhäuschen in der Strobelallee, damals noch „Grüner Weg,“ bildeten sich bis zu hundert Meter lange Schlangen, um die begehrten Eintrittskarten zu ergattern. Und dann ging`s ab ins Stadion, dessen Besucherränge ebenfalls noch die Spuren des Bombenhagels vom März 1945 aufwiesen.

Die Partie der Hinrunde war in Gelsenkirchen unentschieden1:1 ausgegangen. Die Knappen schwächelten in der ersten Halbserie. Der BVB hingegen war  mit den Sportfreunden aus Katernberg an der Spitze der Tabelle angesiedelt. Trotzdem waren die Borussen keineswegs favorisiert. Immerhin traten die Gäste mit ihren Cracks Szepan, Kuzorra, Burdenski, Bernie Klodt und Tibulski an. Im Tor stand als Nachfolger von Nationaltorhüter Hans Klodt ein gewisser Heinrich Kwiatkowski, der einige Jahre später den Weg zum BVB finden  und hier eine große Karriere mit zwei Deutschen Meistertiteln und dem  Gewinn der Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz absolvieren sollte.

Heinrich Kwiatkowski, später Borussias Meistertorwart, hier im Gehäuse des FC Schalke.

Das Spiel hielt alles, was es versprochen hatte. Beide Teams zeigten eine erstklassige Partie mit großen spielerischen Momenten. Schon bald erkämpften sich die Hausherren Vorteile, die sich allerdings noch nicht in zählbaren Torerfolgen ausdrückten.

Der BVB-Siegtreffer fiel kurz vor der Halbzeit und wird in einem damaligen Zeitungsbericht fast prosaisch wie folgt beschrieben:

„Und stets wechseln die aufregenden Bilder vor den Toren, bis in der 43. Spielminute Podgorski im Anschluss an die Abwehr eines Eckballs mit wunderbarem Torinstinkt weich und flach, an vielen Beinen vorbei, durch eine sich nur Sekunden öffnende Lücke den Ball im Schrägschuss in den unteren Torwinkel des Netzes lenkt.“

In der zweiten Halbzeit dominierte dann der BVB das Geschehen deutlich. Nur weitere Treffer fielen nicht. Im Gegenteil versiebte der ansonsten groß auftrumpfende BVB-Star August Lenz einen an Erdmann verschuldeten Foulelfmeter.

 

Selten genug: August Lenz verschoss einen Elfer. Gästetorhüter Heinrich Kwiatkowski lenkte mit einer tollen Robinsonade das Leder neben den Pfosten.

Es blieb beim verdienten 1:0-Sieg der Borussen, die mit diesem Erfolg im Rücken die weitere Saison dominierten und 1948 zum ersten Westdeutschen Meister in der Geschichte der Oberliga West werden konnten.

BVB: Kronsbein; Halfen, Ruhmhofer; Michallek, Koschmieder, Schanko; Janowski, Preißler, Lenz, W. Erdmann, Podgorski.

 

29. 5. 1949: BVB startet schlitzohrig in neue Republik - 

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne!“ Dieser schöne Hesse-Satz gilt auch für die Bundesrepublik, die am Montag, dem 23. Mai 1949, gegründet wurde.

Gerade einmal drei Tage später war „Vatertag“ in Deutschland, genau genommen „Christi Himmelfahrt.“ Einige Clubs nutzten den Feiertag, um die allerersten Fußballspiele in der neuen Republik durchzuführen. Zu diesen „Pionieren“ gehörte natürlich auch der BVB, der nach Gütersloh zu einem „Gesellschaftsspiel,“ wie es damals so schön hieß, reiste.

Quasi als Aufgalopp für ein bemerkenswert-kurioses Match, das am Sonntag, dem 29. Mai 1949,  in der heimischen Kampfbahn „Rote Erde“stattfand. Borussia Dortmund traf in einer Partie um die „interne Zonenmeisterschaft“  auf den ruhmreichen Hamburger Sportverein, den Deutschen Meister von 1923 und 1928.

„Interne Zonenmeisterschaft, was war das denn?“ Die Antwort spiegelt den damaligen Zeitgeist wider:

Als die Währungsreform 1948 den drei Westzonen der späteren Bundesrepublik die D-Mark bescherte, standen auch die Fußballclubs vor einem absoluten finanziellen Neubeginn. Die erste Bestandsaufnahme lautete: „Kein Geld da und damit so gut wie keine sportlichen Entwicklungsmöglichkeiten!“

Doch bekanntlich macht Not erfinderisch. So ersannen zum Beispiel der BVB und der Hamburger SV im Frühjahr 1949 nach Abschluss der Oberligen Nord und West kurzerhand eine „interne Meisterschaft“ der britischen Zone, um zusätzlich Geld in der neuen harten Währung zu verdienen!

In den beiden Jahren zuvor hatte es nämlich offizielle Zonen-Meisterschaften gegeben, die ein großes Zuschauerinteresse fanden. Für 1949 war dieses Format vom DFB allerdings ad acta gelegt worden.

Die Zeitungen berichteten ausführlich vom „inoffiziellen“ Zonenendspiel 1949.

Sehr zum Leidwesen des Westmeisters BVB und des Nordmeisters HSV, die eigentlich in den Genuss des finanziell lukrativen Endspiels gekommen wären.

Also hatten sich die Präsidien des BVB und des HSV auf eine kleine Trickserei verständigt. Es wurde beim Westdeutschen Spielverband  eine  Freundschaftsbegegnung zwischen den beiden Oberligameistern angemeldet. Den DFB ließ man außen vor, um keine schlafenden Hunde zu wecken. In der Werbung allerdings wurde die Partie als „Fußball-Großkampftag“ und  „Interne Zonenmeisterschaft“ auf  riesigen Plakaten groß herausgestellt und wurde damit zum ersten großen Fußball-Ereignis in der Geschichte der Bundesrepublik!

Leider regnete es an dem besagten 29. Mai 1949 wie aus Kübeln. Deshalb folgten  nur 18.000 Fußballfans der freundlichen „internen“ Endspiel-Einladung. Sie wurden jedoch nicht enttäuscht. Der BVB siegte nach großem Spiel mit 5:2. 

Max Michallek, einer der größten BVB-Spieler aller Zeiten.

Günter „Bubi“ Rau, der anstelle des verletzten Stammtorwarts Willi Kronsbein zwischen den Pfosten des BVB-Gehäuses stand, wies seine erstklassigen Reflexe nach. „Spinne“ Max Michallek schaltete und waltete nach Belieben. Zwei clever angelegte „Sperrketten“ ließen keine HSV-Entfaltung zu. Adi Preißler und Erich Schanko brillierten mit klugem Spielaufbau. Der „Erich mit der hohen Stirn“ entpuppte sich als Meister des tödlichen Passes.

Die Treffer für Borussia erzielten Erdmann nach einer Ecke, Michallek per Kopf, Kasperski mit seinem starken rechten Fuß, Lenz nach glänzender Vorarbeit von Ibel und Preißler, der einen Abpraller nach feinem Freistoß von Michallek aus 25 Metern aufnahm und ins leere Tor einnetzte.

Der „interne Zonenmeister“ BVB spielte mit Rau; Ruhmhofer, Halfen; Buddenberg, Koschmieder, Schanko; Erdmann I, Michallek, Preißler, Kasperski und Lenz.

 

1950: Tottenham mit sportlichem Brückenschlag - „Sir Alf“ Ramsey in der Roten Erde - BVB Vorbild für die „Spurs“

Fast genau fünf Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 begab sich Tottenham Hotspur im Mai 1950 zum ersten Mal  in seiner Geschichte auf eine Deutschlandtournee, die die britische Spitzenmannschaft auch nach Dortmund führen sollte. Damit betätigte sich der Club aus dem Nordosten der englischen Hauptstadt mit seinen jüdischen Wurzeln als einer der ersten fußballerischen Brückenbauer zwischen den lange verfeindeten „Tommis“ und den Deutschen, die London im 2. Weltkrieg noch vehement bombardiert und beschädigt hatten.

Vorschau auf das Spiel gegen Tottenham 1950.

Bevor man Dortmund ansteuerte, war man bereits in Hannover und Berlin zu Gast gewesen und hatte Arminia Hannover, Tennis-Borussia Berlin und Wacker 04 jeweils das Nachsehen gegeben.

Am 24. Mai 1950 gaben die Spurs im nach wie vor „kriegsbeschädigten“ Stadion Rote Erde gegen den BVB ihre erste Visitenkarte überhaupt in Dortmund ab. Es wurde eine vollendete Demonstration englischer Fußballkunst, die sich auch in dem Endergebnis von 4:0 für den Gast von der Insel ausdrückte. Der unterlegene BVB hielt über die gesamte Spielzeit jedoch unerschrocken und wacker dagegen, sodass die 18.000 Besucher eine Klassepartie erleben durften.

Tottenham kam mit allen Stars, darunter auch Torhüter Ditchburn, Nicolson, Baily und Alf Ramsey. Ramsey ist einer der bekanntesten englischen Kicker und Trainer überhaupt und nur in einem Atemzug mit Superstars wie Sir Bobby Charlton und  Bobby Moore zu nennen. Er spielte von 1949 – 1955 für Tottenham und absolvierte in dieser Zeit 226 Partien, in denen er als rechter Verteidiger 24 Tore erzielte und  darüber hinaus zu 32 Länderspielen kam, die ihn u. a. auch zur Fußball-WM 1950 nach Brasilien führten.

Seine größten Erfolge erzielte Ramsey allerdings als Trainer der englischen Nationalmannschaft, die er von 1963 – 1974 coachte. 1966 wurde er mit seinem Team  im eigenen Land mit dem 4:2 über Deutschland Fußball-Weltmeister. Danach erhob ihn die  Queen in den Adelsstand.

Der BVB hatte den britischen Gästen offensichtlich sehr imponiert. In einem Interview des Daily Mirror unterstrich Ronny Burgess, der Tottenham-Mannschaftskapitän, kurze Zeit später:

„Wir sind während unserer Deutschland-Tournee von der Form tief beeindruckt worden, die Borussia Dortmund gegen uns zeigte. Der BVB spielt jenen Fußball, nach dem wir streben. Wir wollen in der neuen Saison das kurze, schnelle, kontinentale Passspiel der Schwarz-Gelben übernehmen und hoffen, es durch entschlossenes Ausnutzen der heraus gespielten Chancen noch verbessern zu können.“

Der BVB als Vorbild für die Spurs. Das war ein echter Ritterschlag, galten doch die Mannschaften von der Insel damals als das Maß aller fußballerischen Dinge!

 

1952: Internationale Spiele schlagen Brücken der Freundschaft

Als “Boten der Versöhnung” traten die Borussen nach dem Vorbild der “Spurs” ab 1952 in Erscheinung. Dortmunds Oberbürgermeister Fritz Henßler und sein Oberstadtdirektor Wilhelm Hansmann hatten den Gedanken an den BVB-Vorstand herangetragen. Die Überlegung: Nach den Schrecknissen und Wirren des 2. Weltkriegs konnte der Sport, in diesem Falle der Massensport Fußball, eine wichtige Rolle in der beginnenden Aussöhnung der Völker übernehmen. Außerdem war Deutschland international im Sport wieder gesellschaftsfähig geworden und durfte 1952 in Oslo und in Helsinki nach mehrjähriger Wartezeit an den Olympischen Spielen teilnehmen.

Der BVB-Vorstand nahm die politische Anregung also gern auf und begann,  einen “Brückenzyklus“ zu initiieren. Da bot es sich förmlich an, das Profiteam von Le Havre nach Dortmund zu bitten, einen fußballerischen Repräsentanten des “Erzfeindes” Frankreich.

Der Wimpel des BVB-Gegners Le Havre

Am 19. April 1952 war es soweit: Der renommierte Gast lief in die “Rote Erde” ein. Für die Borussen unter ihrem Trainer Hans “Bumbas” Schmidt war das Freundschaftsmatch auch sportlich eine interessante Standortbestimmung. Le Havre gab nämlich einen imponierenden Einblick in die Stärken des französischen Fußballs. Große Schnelligkeit, eine erstaunliche Ballbehandlung, ausgezeichnetes taktisches Geschick - Tugenden, die den Beifall der 18.000 Besucher geradezu herausforderten. Borussia hielt dagegen, hielt mit. Das Match endete schließlich schiedlich-friedlich 2:2.

In der zweiten Halbzeit wurde munter ausgewechselt. So kam auch ein junger Mann zu seinem Einsatz, der später drei Mal mit den Schwarz-Gelben Deutscher Meister werden sollte: Willi Burgsmüller, der 1956, 1957 und 1963 - zuletzt sogar als Kapitän seines Teams - in den Genuss von Meisterehren kam.

Einen knappen Monat später spielte der schottische Meister Hibernian FC Edinburg vor 30.000 Besuchern in Dortmund. Der BVB unterlag knapp mit 1:2. Allerdings entwickelte sich vor den Augen der Fans eine Partie auf höchstem Niveau, wie sie selbst die “Rote Erde” in ihrer Geschichte ganz selten erlebt hat. Die Schotten spielten witzig und spritzig und ließen erkennen, dass auf der Insel großer Fußball geradezu zelebriert wurde.

Auch in diesem Spiel hielt der BVB beachtlich mit und hatte in Schanko und Hänschen Flügel seine herausragenden Akteure.

Die Partie BVB - Skeid Oslo führte im Juni 1952 eine norwegische Mannschaft nach Westfalen. Das Spiel kam durch die Vermittlung von Kurt Plener, einem renommierten Dortmunder Journalisten, zustande. Dass die Begegnung 5:3 für Borussia endete, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Jedenfalls feierten die Akteure nach den 90 Minuten bei westfälischem Eisbein mit Sauerkraut eine rauschende internationale Sportbegegnung.

Wladimir Beara, einer des besten Torhüter der 1950er Jahre weltweit

Gleich zu Beginn der neuen Spielzeit stellte sich der nächste internationale Gegner in Dortmunder vor: Hayduk Split kam, sah und siegte Mitte August 1952. 3:1 für den Gast hieß es am Ende der 90 Minuten. Die Silbermedaillengewinner von Helsinki Luscica, Vukas und Beara stachen aus der Elf, die große Klasse demonstrierte, noch heraus. Insbesondere Torhüter Wladimir Beara, oft als “Ballettmeister zwischen den Pfosten“ bezeichnet, demonstrierte im Kasten des Gegners absolute Weltklasse.

Auch in den folgenden Jahren kam der BVB seiner selbst gestellten Aufgabe nach, den Sport für die internationale Aussöhnung zu nutzen. So machte man beispielsweise 1953 eine viel beachtete Tournee durch England und reiste als “Botschafter des Fußballs” nur ein Jahr später durch die Vereinigten Staaten von Nordamerika.

1954 reiste der BVB nach England und spielte dort gegen Luton Town.

 

7. 6. 1952: Stade Reims zu Gast in Dortmund - 

Zu den Teams, die im Rahmen der Mission Aussöhnung im Stadion Rote Erde gegen die Schwarz-Gelben antraten, gehörte auch der französische Erstligist Stade Reims,.

15.000 Fans kamen Mitte Juni in die „Kampfbahn“, und niemand wurde enttäuscht. Der BVB gewann in einer begeisternden Partie mit zahlreichen Höhepunkten gegen die Profis aus dem Nachbarland letztlich verdient mit 4:2. Niepieklo (2), Schanko und Erdmann erzielten die Treffer für den BVB. Die beiden Tore für den Gast markierte ein gewisser Raimond Kopa, Sohn polnischer Einwanderer nach Frankreich und gerade einmal 20 Jahre jung, der exzellent aufspielte und mit herrlichen „Rastelli-Tricks“ die Besucher begeisterte.

Dieser Raimond Kopa, Geburtsname Kopaszewski (13. 10. 1931 – 3. 3. 2017), war einer der besten Kicker der gesamten Geschichte des Fußballs. Seine eindrucksvolle sportliche Vita in Stichworten:

Französischer Nationalspieler, französischer Meister 1953, 1955, 1960 und 1962, drei Mal Frankreichs Sportler/Fußballer des Jahres, spanischer Meister mit Real Madrid 1957 und 1958, Gewinner des Europapokals der Landesmeister mit Real Madrid 1957, 1958 und 1959, Europas Fußballer des Jahres 1958 und 1970 - praktisch als Krönung einer einzigartigen Karriere - Ritter der französischen Ehrenlegion und damit in den Adelsstand erhoben, vergleichbar mit dem englischen „Sir“. Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac beförderte ihn 2007 sogar vom Ritter der Ehrenlegion zum „Offizier“. Kopa war ohne Frage Frankreichs erster „Sonnenkönig“ des Fußballs, lange vor Michel Platini und Zinedine Zidane.

Raimond Kopa, als Underdog und Migrant eigentlich ohne Perspektive in der neuen Heimat Frankreich, legte einen außergewöhnlichen Ehrgeiz an den Tag und schaffte einen geradezu sagenhaften sportlichen und gesellschaftlichen Aufstieg. Ausgestattet mit einem starken sozialen Gewissen, engagierte er sich später nachdrücklich für die Belange unterprivilegierter Zeitgenossen.

In diesem Zusammenhang sei einmal ein Blick auf weitere herausragende internationale Superstars gestattet, die zwischen 1926 und 1974 in der „Roten Erde“ zu Gast waren.

Bernd Trautmann, die Torwartlegende

Bernd Trautmann (Man City), Lorenzo Buffon (AC Mailand), Wladimir Beara (Roter Stern Belgrad), Bobby Moore (West Ham United), Giacinto Faccheti (Inter Mailand) Tarcisio Burgnich

(Inter), Martin Peters (West Ham United), Matthias Sindelar (Austria (Ostmark) Wien), Nils Liedholm  (AC Mailand),  Dennis Law  (ManU), Duncan Edwards (ManU), Tommy Taylor (ManU), George Best (ManU), Josef Masopust (Dukla Prag), Branko Zebec (Partizan Belgrad) und Luis Suarez (Inter Mailand) gehören dazu und seinen hier beispielhaft genannt.

Zu jedem dieser Weltklasse-Kicker könnte man ein ganzes Buch schreiben; jeder von ihnen hat nationale und internationale Titel zuhauf gesammelt.

Drei bislang noch nicht aufgeführte „Helden des runden Leders“ wollen wir im Kontext mit Raimond Kopa etwas ausführlicher vorstellen, denn sie wurden ebenso wie der legendäre Franzose in ihrem Heimatland England in den Adelsstand erhoben und durften sich anschließend stolz „Sir“ nennen:

 

Sir Alf Ramsey, Tottenham Hotspur

Englischer Nationalspieler, Englischer Meister 1951 mit Tottenham Hotspur, Trainer der englischen Weltmeister-Mannschaft 1966.

Bekanntester Spruch: „Never change a winning Team“.

Der großartige Abwehrspieler kam 1950 mit Tottenham nach Dortmund und siegte in der Roten Erde mit 4:1. Später berichtete er aber, dass der BVB so eindrucksvoll agiert habe, dass sich die „Spurs“ den Borussen-Stil zum Vorbild für die eigene Spielweise gemacht hätten. Mit Erfolg, denn die „Heißsporne“ wurden 1953 mit dem „BVB-Stil“ englischer Meister.

Sir Bobby Charlton, der Superstar von ManU, 1997 auf dem Alten Markt zu Dortmund. Links: Gerd Kolbe, Autor dieser Dokumentation.

 

Sir Bobby Charlton, Manchester United

Englischer Nationalspieler, Weltmeister 1966, Gewinner des Europapokals der Landsmeister 1968, englischer Meister 1957, 1965, 1967, Gewinner des FA Cup 1963, englischer Fußballer des Jahres 1966, Europas Fußballer des Jahres 1966.

Sir Bobby saß 1956 im ersten BVB-Spiel im Europapokal der Landesmeister 1956 beim 0:0 seines Teams Manchester United in Dortmund als Youngster noch auf der Ersatzbank.

Am 11. 11. 1964 allerdings, beim 6:1-Sieg seines Teams über den BVB im Messepokal, zog er im Mittelfeld meht als nur gekonnt die strategischen Fäden. Im Februar 1958 überlebte er im Gegensatz zu vielen seiner Mitspieler den schrecklichen Flugzeugabsturz in München-Riehm, an den noch heute höchst eindrucksvoll im ManU-Stadion Old Trafford erinnert wird.

 

Sir Geoffrey Hurst, West Ham United

Englischer Nationalspieler, Weltmeister 1966, erster Spieler, der in einem WM-Endspiel drei Tore (laut Hans Tilkowski zwei) erzielte, Gewinner des Europapokals der Pokalsieger 1965 und des englischen FA Cups 1964.

Sir Geoffrey dürfte keine so guten Erinnerungen an die Rote Erde haben, schied er doch hier mit West Ham im Frühjahr 1966 im Halbfinale des Europapokals der Cupsieger mit 1:3 aus dem Wettbewerb aus. Der BVB gewann anschließend am 5. 5. 1966 das Finale in Glasgow mit 2:1 gegen den FC Liverpool und holte damit als erste deutsche Mannschaft einen Europapokal.

Die Rote Erde als Box-Arena

 

20. Juli 1952: 50.000 in der “Roten Erde” - 

Die “Kampfbahn” verdankt ihren weltweiten Ruf dem Fußball, der Leichtathletik und dem Boxen. Zwischen 1950 und 1955 fanden hier sechs  Box-Großkampftage statt. Sie lockten insgesamt etwa 200.000 Besucher und zahllose internationale Sportkorrespondenten in die renommierte Arena.

Boxen war in Dortmund seit den Tagen von Max Schmeling höchst beliebt. “Der Max” war 1927 in der Westfalenhalle Europameister im Halbschwergewicht geworden und hatte hier seine Weltkarriere begründet.

Nun stand ein anderer im Ringgeviert: Heinz Neuhaus aus Hombruch, ein echter Lokalmatador, Kategorie ”Schwergewicht”, liebevoll “ Dicker” genannt. Ausgestattet mit einer fürchterlichen  “Rechten”. Ein spektakulärer K. O. lag immer in der Luft. Das liebten die Fans.

 

50.000 Boxfans erlebten den Kampf zwischen Heinz Neuhaus – Hein ten Hoff.

Neuhaus war Europameister. Und genau um diesen Titel ging es am 20. Juli 1952. Sein Gegner: Der hünenhafte Hein ten Hoff aus Hamburg, seines Zeichens Deutscher Meister. 1950 hatte er gegen den mittlerweile amtierenden Weltmeister Jersey Joe Walcott umstritten nach Punkten verloren - jetzt wollte er den Gürtel des  Europameisters erobern.

Der Fight war witterungsbedingt um eine Woche verschoben worden.

Die Boxfreunde strömten in hellen Scharen in die Rote Erde 47.600 Karten waren verkauft worden. Mehrere Tausend weitere hatten sich auf Schleichwegen den Zugang zur “Roten Erde” verschafft. Dann schritt die Polizei ein und riegelte das Gelände hermetisch ab. 50.000 - das war genug!

Als nach neun Vorkämpfen bei bestem Boxwetter die beiden Hauptkämpfer den Ring betraten, ging ein Raunen durch die Massen. Auch die US-amerknischen Veranstalter hatten ihre Spione geschickt.  Das konnte nur eines bedeuten: Der  Sieger von Dortmund würde alle Chancen haben, Weltmeister Walcott herauszufordern.

All jene, die sich zu Beginn des Kampfes noch ein Bier oder ein Würstchen holten, hörten zwar noch den Gong zur ersten Runde, vom Kampf selbst sahen sie allerdings nichts mehr. Denn schon nach 51 Sekunden fand der rechte “Hammer” des Titelverteidigers fulminant sein Ziel. Traf neben der Halschlagader auch noch das Kinn ten Hoffs und zeitigte entsprechende Wirkung: Der Hamburger knickte ein, fiel unglücklich und brach sich das Wadenbein. Schwer geschlagen hockte er anschließend völlig bewegungsunfähig auf seinem Ringschemel. Heinz Neuhaus hingegen nahm die Ovationen “seines” Publikums entgegen. Und auch die Gäste aus Amerika merkten an, eine solche Rechte nur ganz selten in ihrem Leben gesehen zu haben. Trotz aller Begeisterung der Jungs aus Übersee: Einen Weltmeisterschaftskampf boten sie Heinz Neuhaus nicht an. Vielleicht war dessen Rechte zu gut.....

1953 präsentierte sich die „Kampfbahn“ mit neuer Tribüne. Die letzten Kriegsschäden waren beseitigt.

 

30. August 1953: Die Wiedergeburt der „Roten Erde“

Der 30. August 1953 war für den Dortmunder Sport ein besonderer Freudentag. Das lag weniger daran, dass der BVB an diesem Sonntag im Auftaktspiel der Oberliga-West-Saison 1953/54 Preußen Dellbrück sicher mit 4:0 besiegte, als vielmehr an der Tatsache, dass das Stadion „Rote Erde“ endlich alle Kriegsfolgen bewältigt hatte und mit der Eröffnung der neuen Tribüne quasi seine Wiedergeburt feierte.

Der Ausbau war erforderlich geworden, weil sich die Stadt Dortmund für die Sudenten-Weltspiele, die mit  der „Wiedergeburt“ des Stadions in der Roten Erde stattfanden, erfolgreich beworben hatte.

Deutschland wird in der Roten Erde Handball-Weltmeister.

 

7. Juli 1955: Deutschland Feldhandball-Weltmeister

Dortmund hatte sich mit reichlich Flaggenschmuck herausgeputzt. Fand an diesem von der Sonne freundlich begleiteten Sonntag, dem 10. Juli 1955, doch in der Kampfbahn „Rote Erde“ die erst zweite Weltmeisterschaft der Bundesrepublik nach dem 2. Weltkrieg und der Staatsgründung 1949 statt.

Zur Erinnerung: Deutschland war nach dem unseligen 2. Weltkrieg bis 1950 von allen internationalen Sportereignissen ausgeschlossen und durfte auch als Ausrichter nicht in Erscheinung treten. Nachdem der Bann gebrochen war, spielte der Standort Dortmund eine durchaus herausgehobene Rolle. Im Juli 1952 fand in der Roten Erde die erste Europameisterschaft (im Boxen) und im Oktober 1952 in der Westfalenhalle die erste Weltmeisterschaft (im Rollkunstlauf) der Bundesrepublik statt, 1953 folgten die „Studenten-Weltspiele“ in der „Kampfbahn“ und an besagtem 10. Juli 1955 mit dem Feldhandball-WM-Finale an gleicher Stelle der Höhepunkt der gesamten Stadiongeschichte bis zur Gegenwart.

Deutschland traf einmal mehr auf die Schweiz, seit Jahrzehnten der „ewige“ Handball-Rivale. Sage und schreibe 50.000 Besucher*innen – unter ihnen der Autor dieser Zeilen – füllten das Stadion-Rund – eine geradezu unvorstellbare Kulisse. Schon früh am Tag waren die Straßen vom Hauptbahnhof über die City bis hin zum Stadion bestens gefüllt mit „Schlachtenbummlern“ beider Teams, denn auch aus der Schweiz waren zahlreiche Fans angereist. Feldhandball, heute nahezu unbekannt, war damals eine ganz große Nummer im internationalen Sportgeschehen.

Das Ereignis war derart bedeutsam, dass die Partie von der ein Jahr zuvor aus der taufe gehobenen „Eurovison“ live in die angeschlossenen Länder Europas übertragen wurde. Damit wurde der Sport für Dortmund einmal mehr ein wichtiger Imagefaktor über die Landesgrenzen hinaus.

Deutschland gewann, angetrieben vom siebenfachen Torschützen und besten Handballer der Welt Bernhard Kempa (man schwärmt heute auch im Hallenhandbal immer noch von dem berühmten Kempa-Trick) von Frisch Auf Göppingen, assistiert von den Ausnahmekönnern Hein Dahlinger, Werner Vick und Horst Singer, trotz erbitterter Gegenwehr der Eidgenossen letztlich souverän mit 25:13 Toren und verteidigte damit den 1952 in der Schweiz errungenen Weltmeistertitel.

Die Presse sprach euphorisch von deutschen „Traumkombinationen im Sprint“ und überschlug sich mit Lobeshymnen. Das Dortmunder Finale wird nicht ohne Grund als das beste Feldhandballspiel aller Zeiten bezeichnet.

Weltmeister für Deutschland wurden: Nellen, Heinz Singer, Becker, Bernhard, Dahlinger, Isbeck, Käsler, Kempa, Rulf, Schädlich, Horst Singer, Strahler, Vick, Wankl, Will, Winterlin, Fromm.

Fußball-Vorschau für das Qualifikationsspiel zum Europapokal 1956 gegen Spora Luxemburg.

 

1. August 1956: 

Als Borussia Dortmund, der Deutsche Meister 1956, zum ersten Mal in der europäischen Königsklasse antreten durfte, hieß der Wettbewerb noch „Europapokal der Landesmeister“ und war in der Tat nur den „echten“ Meistern der europäischen Ligen vorbehalten. Vieles hat sich seitdem geändert....

Der 1. August 1956 war für Borussia Dortmund von besonderer Bedeutung. An diesem Mittwochabend nämlich begann vor 20.000 Besuchern im Stadion „Rote Erde“ die Europapokalgeschichte des BVB, die bis heute als Höhepunkte zwei stolze Europacupsiege – 1966 Europapokal der Cupsieger und 1997 Champions-League –  Sieger - aufweist.

Der Gegner hörte auf einen wenig klangvollen Namen. Aber: „Dieses Vorspiel um die Qualifikation zum Europa-Pokal am ersten Tag der neuen Spielzeit bereicherte unsere Kenntnis von einer im Verborgenen blühenden erstklassigen Mannschaft. Spora aus der Hauptstadt des 300.000 Bewohner zählenden Großherzogtums Luxemburg überraschte uns durch ein brillantes Spiel“. So hieß es in der BVB-Vereinszeitschrift von damals. In der Tat waren alle Fans im Stadion von den sprichwörtlichen Socken, dass der krasse Außenseiter zur Pause mit 2:1 führte. Und das, obwohl die Schwarz-Gelben in exakt der Aufstellung antraten, die kurz zuvor Deutscher Meister geworden war. Okay: bis zum Ende der 90 Minuten stand es dann 4:3 für den BVB nach Toren von Helmut Bracht, Alfred Niepieklo und Ady Preißler (2) für den BVB und drei Treffern von Borreux für den Gast. Aber man war gewarnt! Das Rückspiel würde kein Zuckerschlecken werden.

Festzuhalten wäre: Das erste Tor in einem Europapokalwettbewerb für den BVB erielte der linke Läufer (WM-System) Helmut „Jockel“ Bracht!

Und tatsächlich erlebte der BVB in Luxemburg eine unliebsame Überraschung: Ersatzgeschwächt unterlag er mit 1:2. Aber unter welchen Umständen hatte man anzutreten! Noch am Tage zuvor (Mittwoch, 5. 9. 56), hatten die Borussen in Köln gegen den dortigen FC zu spielen. Dieses Meisterschaftsspiel der Oberliga West gewannen sie nach rasantem Verlauf mit 4:3. Nur 24 Stunden später mussten sie in Luxemburg auflaufen. Das wäre heute zu recht ein absolutes Ding der Unmöglichkeit. Borussia spielte technisch besser, Spora hielt mit unbändiger Kampfkraft dagegen. Das Endergebnis: 2:1 für die Heimmannschaft – den BVB-Treffer erzielte Ady Preißler – stand schon zur Halbzeit fest.

Also musste zehn Tage später ein drittes und damit entscheidendes Match her. Jetzt zeigte der Deutsche Meister seine wahre Klasse und entzauberte den „Fußballzwerg“ mit 7:0.

Die Auslosung der UEFA bescherte dem BVB ein Kontrastprogramm par exzellence! Manchester United hieß der großartige nächste Gegner von der Insel, die legendäre Mannschaft des Trainer Matt Busby. Die sogenannten „Busby-Babes“. Neben Real Madrid die anerkannt beste Mannschaft Europas. Das verhieß großen Fußball!

Und das brachte großen Fußball!!!

Ticket für das legendäre Europapokalspiel 1956 gegen ManU.

 

November 1956: 

Der Mann, der Anfang  April 1997 auf die Bühne des Fan-Treffs vor dem Champions-League-Spiel BVB - Manchester United kam, war ein echter “Sir”. Sein Name: Bobby Charlton, Herzstück der englischen Weltmeisterelf von 1966, von der Queen in den Ritterstand erhoben. Sein Auftritt auf dem Alten Markt war von überwältigender Noblesse. In der Tat: Hier stand und sprach ein Sir.

Bobby Charlton war nicht allein gekommen. Er hatte seinen früheren Mitspieler Alan McGuinness mitgebracht.

Charlton, Mc Guinness? Diese beiden Namen weckten Erinnerungen. An ein Ereignis, das am 6. Februar 1958 nicht nur die Sportwelt erschütterte.

ManU, neben Real Madrid damals die führende europäische Fußballmannschaft,  hatte in Belgrad ein Europapokalspiel bestritten. Das 3:3 bedeutete für die Briten die nächste Pokalrunde.

Der Unglückstag war bereits von düsteren Vorahnungen überschattet. Keiner wollte fliegen, alle hatten wegen der schlechten Witterungsverhältnisse schwere Bedenken. Ein Spieler hatte sogar - bewusst - seinen Pass im Hotel vergessen, um sich am Flug vorbeizudrücken. Es half alles nichts: Der Start wurde verschoben, der Pass per Taxi geholt. In München gab es gegen 13.00 Uhr einen Zwischenstopp zum Auftanken. Mit Verspätung rollte das Flugzeug um 15.04 Uhr zum dritten Startversuch an die Startbahn.

Der Start misslang - wahrscheinlich wegen vereister Flügel. Die Maschine gewann nicht an Höhe, sondern raste im Schneesturm über die Abzäunung hinaus in die dortigen Häuser. Die schreckliche Bilanz: 23 Tote, darunter acht ManU-Spieler. Zu ihnen gehörten Duncan Edwards, das größte Talent des englischen Fußballs überhaupt, Tommy Taylor, der brillante Mittelstürmer, Roger Byrne, Eddie Colmanund, David Pegg.

Einige überlebten: Bobby Charlton, Gesprächspartner auf der Fan-Treff-Bühne 1997, Alan McGuinness, den er mitgebracht hatte, der großartige Torhüter Harry Gregg und Trainerlegende Matt Busby gehörten dazu.

Im Gespräch erzählte Bobby Charlton, dass der damals erst 21-jährige Duncan Edwards der beste Fußballer gewesen sei, den er jemals gesehen hätte.

Manchester befand sich wochenlang in einem tiefen seelischen Notstand. Später errichtete man am Stadion „Old Trafford“ eine Gedenkstätte mit dem geborstenen Rumpf der Unglücksmaschine und einer großen Uhr, die die Todesminute der unvergesslichen Fußballhelden anzeigt.

Auch die Dortmunder Borussen waren konsterniert, als sie  die tragische Nachricht  erhielten. Sie erinnerten sich lebhaft an zwei unvergessliche Europacupspiele mit den Verunglückten. Der knappen Niederlage in Manchester (2:3, als Held von Manchester ging Keeper Heini Kwiatkowski in die Sportgeschichte ein) folgte das höchst achtbare 0:0 in der Roten Erde, bei dem das Dortmunder Flutlicht seine Premiere feierte. Max Michallek, der herausragende BVB-Mittelläufer, beherrschte in diesem Match sogar den Superstar Tommy Taylor. Bobby Charlton, noch keine 20 Jahre alt, saß auf der Ersatzbank. McGuinness hingegen erlebten die 45.000 Besucher in Dortmund „live“. Im Busby-Team stand auch Duncan Edwards, der noch heute als das größte fußballerische Talent Englands aller Zeiten angesehen wird.

Ehrende Briefmarke für das überragende ManU-Talent Duncan Edwards

Matt Busby und Manchester United benötigten fast ein Jahrzehnt, um wieder eine europäische Spitzenmannschaft zu formen und die Münchener Tragödie sportlich zu verkraften. In den Herzen der ManU-Fans jedoch hat die verunglückte Mannschaft  einen  Platz gefunden, der nahezu kultische Züge trägt.

 

28.12.1959 

Die knapp 10.000 Besucher in der „Roten Erde“ genossen unmittelbar nach den Weihnachtsfeiertagen das letzte Oberligaspiel des Jahres und das erste Match der Rückserie der Saison 1959/60 gegen Viktoria Köln in vollen Zügen. Der BVB, angetrieben von dem unermüdlichen Mittelfeldakteur Wolfgang „Sulli“ Peters, dominierte die Partie nach Belieben und hatte sich bis kurz vor Schluss eine souveräne 5:1-Führung erspielt. Es wirkte alles leicht, locker und entspannt, was der BVB an diesem Tag regelrecht zelebrierte. Die  Treffer hatten bis zur 70. Minute  Friedhelm Konietzka (2),  Jürgen Schütz, Aki Schmidt und Regisseur  Wolfgang Peters bei einem Gegentreffer von Giegeling erzielt. Doch noch war das Match nicht beendet. Das Beste sollte noch kommen. Praktisch unmittelbar vor dem Schlusspfiff ging die Hand von Kölns Abwehrspieler Wagner für jeden sichtbar zum Ball. Keine Frage, Elfmeter!

Timo Konietzka und Jürgen Schütz, wegen ihrer fußballerischen Streiche auch „Max und Moritz“ genannt.

Friedhelm „Timo“ Konietzka schnappte sich das Leder und legte es auf dem ominösen Punkt. Nach einem gut fünf Meter langen Anlauf holte er weit aus. Das sah nach einem fulminanten Schusses auf das von Genthe gehüteten Tor der Viktorianer aus. Doch weit gefehlt!  Denn Schlitzohr Konietzka legte den Ball sachte und sanft diagonal seinem kongenialen Partner Jürgen „Charly“ Schütz vor, der sich in einer offensichtlich abgesprochenen Lauerstellung direkt an der Linie des „Sechzehners“ befand. Schütz flitzte los, zog ab und verwandelte souverän.

Großes Erstaunen auf den Rängen, ähnlich großes Erstaunen auch bei den Unparteiischen, die sich in der Platzmitte versammelten, aber nach kurzer Beratung den Treffer anerkannten. Alle regelgerecht! Also 6:1 für den BVB. Ein Kantersieg! Und dann dieser spektakuläre Schlussakkord als Höhepunkt! So etwas wie diesen indirekten Elfer hatte man genau genommen noch nie gesehen. Er setzte einen wirklich sensationellen Schlussstrich unter diese Partie, mit der der BVB in die Rückrunde der Saison 1959/60 startete, die den Borussen in der Endabrechnung den dritten Platz in der Oberliga West einbrachte.

Jürgen Schütz und Friedhelm Konietzka waren vor etwa sechs Jahrzehnten die erklärten Idole der Dortmunder Fußballfans. Sie verzauberten mit ihrer unnachahmlichen Art Fußball zu spielen praktisch alle, die es mit den Schwarz-Gelben hielten.

Technisch überragend, voller Esprit, schnell, torgefährlich, so gut wie nicht zu bremsen. Diese Attribute charakterisieren sie, die in vollendeter Manier miteinander harmonierten, treffend. Was die beiden Superkicker auf den grünen Rasen veranstalteten, war allererste Sahne. Dass sie ihre Gegner häufig genug mit schelmischem Humor düpierten, brachte ihnen die anerkennende Bezeichnung „Max und Moritz“ ein.

Ihre ersten Gehversuche beim BVB machten sie 1959 unter Trainer Max Merkel, dem Verfechter von „Zuckerbrot und Peitsche!“ Der Jürgen kam von Urania Lütgendortmund, der „Timo“ – den Spitznamen verpasste ihm Helmut „Jockel“ Bracht -  von Lünen 08 zum Borsigplatz.

So richtig rund ging es dann in der Spielzeit 1959/60. Die Fußball-Zwillinge schossen Tore wie vom Fließband: Schütz kam auf 31, Konietzka auf 27 Treffer.

 In den folgenden Spielzeiten ein ähnliches Bild. Schütz wurde 1960, 1961 und 1963 Torschützenkönig der Oberliga West, Konietzka folgte stets knapp dahinter.

Gemeinsam wurden die Supertechniker 1963 mit dem BVB noch Deutsche Meister, dann trennten sich ihre Wege, da Jürgen Schütz zum AS Rom nach Italien wechselte.

Die Rote Erde 1958

 

14. Juni 1958: FV Hombruch 09 Deutscher Amateurmeister 1958 - 

Der 14. Juni 1958 war ein Sonntag. Und einmal mehr strömten die Fußball-Enthusiasten aus Dortmund und der Region in die Kampfbahn „Rote Erde“ . Insgesamt zählte man 22.000 Besucher. Der Grund für die „Völkerwanderung“ war  das erste Endspiel um eine Deutsche Fußballmeisterschaft in Dortmund überhaupt. 

Beteiligt war aber keineswegs der BVB, wie man vielleicht vermuten könnte, sondern der FV Hombruch 09 aus dem Süden der Stadt.

Die Geschichte in Kürze: Nachdem die Hombrucher  in der Saison 1957/58 am letzten Spieltag in Dahlhausen den Staffelsieg der Verbandsliga Westfalen errungen hatten, ging es Schlag auf Schlag: Zwei Siege gegen die SpVgg Erkenschwick - der Lohn war die Westfalenmeisterschaft .

Es folgte die „Westdeutsche“. TuS Lintfort und Bergisch Gladbach 09 blieben hierbei „auf der Strecke“. Jetzt winkte sogar die „Deutsche“. Auf dem Weg ins Endspiel hatte Berlins Vertreter Rapide Wedding mit 0:2 das Nachsehen. Und schon war der 14. Juni 1958 in der Roten Erde erreicht. Voller Begeisterung erlebten die 22.000, wie die Jungs aus Hombruch mit dem Rückenwind des Heimvorteils den renommierten ASV Bergedorf 85 mit 3:1 schlugen.  Dortmund war zum dritten Mal in Folge fußballerisch aus dem Häuschen: 1956 und 1957 hatten die Borussen die Fans in Westfalen mit ihrer legendären „Doppelmeisterschaft in identischer Aufstellung“ förmlich verwöhnt. Und nun schaffte auch der FV Hombruch, ebenso wie die Schwarz-Gelben im großen Gründungsjahr 1909 entstanden, eine Deutsche Meisterschaft. Insbesondere im Stadtbezirk Hombruch feierte man lange und anhaltend....

Die Helden von 1958 waren: Burgsmüller, Ullrich, Legre, Czidzik, Schulte-Braucks, Meinsen, Thiele, Schürmann, Prothmann, Schmidt und Jördens.

Hombruchs Torhüter Hermann Burgsmüller ist übrigens der Bruder des dreifachen Deutschen Meisters und BVB-Mannschaftskapitän Willi Burgsmüller. Wenn die Burgsmüllers Familienfeste haben, dann geht es also meisterlich rund!

An den Erfolg der Deutschen Meisterschaft konnte später nicht mehr angeknüpft werden. Landesliga, Verbandsliga, Landesliga, Bezirksliga, Verbandsliga, Landesliga. So hießen weitere sportliche Stationen in den folgenden Jahrzehnten mit einem kontiunuierlichen Auf und Ab. 2002 folgte die Fusion mit dem FC Eintracht Hombruch zum Hombrucher SV 09/72, der sich durch eine gute Jugendarbeit und ein beachtliches Engagement im Damenfußball auszeichnete. Immerhin gingen mehrere namhafte Erst- und Zweitligaspielerinnen wie Carolin Dej, Jacqueline Klasen, Lina Maguli, Sonja Speckmann und Isabelle Wolf aus dem Club hervor.

Das heutige Aushängeschild des Clubs sind die B-Junioren, die in der Bundesliga kicken.

Zu den herausragenden Cracks der Vergangenheit gehörten Torhüter Manfred Martinschledde und Sturmtank Kurt Prothmann. Martinschledde, der Anfang der 1960er Jahre nach Hombruch kam, tauchte rasch im Notizbuch von Helmut Schön auf. Der leider kürzlich verstorbene Malermeister mit seiner sagenhaft stoischen Ruhe brachte es immerhin auf acht Einsätze in der Deutschen Amateur-Nationalmannschaft.

Drei Jahre - von 1949 bis 1952 – spielte Hombruch in der II Division auf der Grundlage des Vertragsspielerstatuts. Der „Star“ war damals der ausgesprochen torgefährliche Kurt Prothmann, der mit 23 Treffern Torschützenkönig seiner Liga wurde.

Eintrittskarte zum „Spiel des Jahrhunderts“

 

4. Dezember 1963: 

Auf den Rängen des Stadions “Rote Erde” drängten sich am 4. Dezember 1963 gut 45.000 begeisterte Besucher. Unter ihnen die elf Bergleute, die knapp einen Monat zuvor durch das tragische Bergwerksunglück von Lengede verschüttet und Tage später höchst spektakulär gerettet worden waren.  Diese Aktion ist als das “Wunder von Lengede” in die Geschichte eingegangen.

Der BVB hatte die elf Geretteten als Ehrengäste zum Europapokalspiel gegen Benfica Lissabon eingeladen. Damit besaß man den bestmöglichen Glücksbringer überhaupt, wie sich später herausstellte.

Die Fußballfans in ganz Deutschland warteten gespannt auf den Auftritt von Benfica, den zweifachen Europapokalsieger und Gewinner des Weltpokals, denn oft hatte man die beste Mannschaft der Welt ja nicht zu Gast.

Doch schön der Reihe nach:

Dank des Helden von Lissabon, wie Hans Tilkowski später genannt wurde, verlor Borussia das Hinspiel Anfang November nur mit 1:2. Da Benfica, das legendäre Team von Eusebio und Coluna, in Lissabon einen tollen Angriffswirbel hingelegt hatte, war Trainer Ceisler felsenfest davon überzeugt, dass sein Team das Rückspiel Anfang Dezember ebenfalls siegreich gestalten würde. Er war sich so sicher, dass er es dem leicht angeschlagenen Eusebio frei stellte, ob er spielen wollte oder nicht. Motto: Es wird auch ohne ihn gehen. Eusebio winkte ab, gönnte sich ein “Päuschen”..

Benficas Weltstar Eusebio

Der 4. Dezember 1963 war ein bitterkalter Wintertag. Das schmeckte den Gästen von der iberischen Halbinsel gar nicht. Sie waren auch im Winter an angenehmere Temperaturen gewöhnt. Der BVB spielte sich in einen regelrechten Rausch hinein, wollte den 45.000 im Stadion sowie den Millionen Fernsehzuschauern der ARD, die das Match zeitversetzt genießen konnten, etwas ganz besonderes bieten. Das gelang trefflich! Die auch in den Bäumen und auf dem legendären Musikpavillon auf der Osttribüne sitzenden Fußballfreunde kamen voll auf ihre Kosten. Gewandet in die legendären “Flutlicht-Trikots” trumpfte der BVB im Stile eines Weltklasseteams auf. Nachdem man sich eine halbe Stunde lang auf hohem Niveau “abgetastet” hatte, ging`s rasant zur Sache:

Das 1:0 markierte “Schlitzohr” Timo Konietzka (35.) in seiner unnachahmlichen Art mit einem platzierten Kopfball. Dann folgten die berühmten drei Treffer von “Goldköpfchen” Franz Brungs, der sich nachdrücklich in die Annalen des Europapokals eintrug. Das abschließende fünfte Tor ging auf Reinhold Wosabs Konto. Hinzu kommen mehrere Latten- und Pfostenschüsse, die das Ergebnis noch katastrophaler für die Gäste hätten werden lassen können.

Hoppy Kurrat und Timo Konietzka nach dem 5:0 über Benfica auf den Schultern der Fans

Benfica war so konsterniert, dass man selbst zum offiziellen Bankett nach dem Spiel im Hotel “Römischer Kaiser” eine ganze Stunde zu spät kam. So lange musste man sich sammeln und die Niederlage sacken lassen.

Borussia feierte an diesem 4. Dezember 1963 den größten Triumph der bisherigen Vereinsgeschichte. Einen Triumph, der bis heute unvergessen ist und um den sich zahllose Legenden ranken.

“Kopfball-Ungeheuer” Hoppy Kurrat

 

12. 11. 1966: BVB – FC Schalke 6:2 - 

Im Frühjahr 1966 erlebten die 40.000 in der Roten Erde einen 7:0-Sieg der Schwarz-Gelben mit sage und schreibe fünf Kopfballtoren. Das ist immer noch Bundesligarekord. Sogar der leider bereits verstorbene und unvergessene Hoppy Kurrat (1,61 m groß) schrieb sich in die Liste der „Kopfballungeheuer“ ein.

Zu einer der kuriosesten Begegnungen zwischen dem BVB und dem FC Schalke 04 kam es am 12. November 1966 in der Kampfbahn „Rote Erde“. 41.000 waren gekommen, um den ewig jungen Westschlager zu erleben. Und bereits in der ersten Halbzeit wurden zumindest die BVB-Fans nicht enttäuscht: Durch drei Treffer der bestens disponierten Lothar „Emma“ Emmerich (15., 21., 26. Minute) sowie ein Eigentor des Unglückswurms Friedel Rausch (24.) führte der BVB bereits 4:0, als FIFA-Schiedsrichter Gerd Hennig aus Duisburg zum Pausentee pfiff. Schalke drohte ein Desaster ähnlichen Ausmaßes wie zu Beginn des Jahres, als es mit dem 7:0-Kantersieg der Schwarz-Gelben an gleicher Stätte die bislang höchste Knappen-Klatsche aller Zeiten gegeben hatte.

Doch kaum waren die beiden Teams in den Kabinen verschwunden, senkte sich eine schier undurchdringliche Nebelwand über das Stadion. Man fühlte sich förmlich an den Kino-Hit „The Fogg – Der Nebel des Grauens“ - erinnert. Die Schalker frohlockten: Bei diesen erbärmlichen Sichtverhältnissen  würde Schiedsrichter Hennig die Partie mit Sicherheit abbrechen und zu einem späteren Zeitpunkt wiederholen lassen. Gedacht, gesagt, geirrt. Denn der Pfeifenmann war keineswegs dieser Meinung. Gut, die Besucher sahen nicht mehr allzu viel. Aber der wackere Schiri vollbrachte eine äußerst respektable Laufleistung, war immer auf der Höhe des Balles, sah (angeblich) alles und war wohl auch der Einzige überhaupt unter den 41.000, der nach dem Schlusspfiff mit dem Brustton der Überzeugung sagen konnte:“Das Spiel endete 6:2 für den BVB“.

Auf den Rängen munkelte man, Hennig habe nach etwa einer Stunde Spielzeit  BVB-Keeper Bernhard Wessel gefragt: „Sag mal Bernd war der Ball gerade drin?“ Die spontane Antwort: „Natürlich nicht, Schiri: Das hätte ich Ihnen doch schon von mir aus gesagt.“

Torschütze Reinhold Wosab

Die Torfolge der zweiten Halbzeit: Unmittelbar nach dem Wiederanpfiff erzielte BVB-Rechtsaußen Reinhold Wosab das 5:0, es folgten Neuser (50.) mit dem 5:1, Siggi Held (72,) mit dem 6:1 und Bechmann (78.) mit dem 6:2-Endstand.

Kein Wunder, dass in Dortmunds Kneipen dieses außergewöhnliche Derby noch über Wochen hinweg ausgiebig, wenn auch leicht „schalk(e)haft“, diskutiert wurde. Es blühte der vielzitierte Flachs. Ein überliefertes Bonmot lautet: Dieses Spiel hat der BVB auf eine eindeutig nebulöse Art und Weise gewonnen!“

Einen von verschiedenen Zeitungen angeregten Protest legten die Knappen nach  Rücksprache mit ihrem Anwalt allerdings erst gar nicht ein. 

Eintrittskarte zum Länderspiel gegen Albanien

 

8. April 1967: 

Mit dem Qualifikationsspiel zur ersten Fußball-Europameisterschaft der UEFA zwischen  Deutschland und Albanien endete 1967 die - wenn auch bescheidene - Länderspielkarriere der Kampfbahn “Rote Erde”.

Man schrieb den 8. April 1967, als die Staatsamateure aus dem Lande der Skipetaren gegen die bundesdeutsche Formation mit den Jung-Weltstars Beckenbauer, Overath und Gerd Müller in Dortmund antraten. Nicht zu vergessen Europapokalsieger und Vize-Weltmeister Hans Tilkowski, der sein 39. und letztes Länderspiel absolvierte und damit Rekordnationalspieler der DFB-Torhüter wurde, sowie der eisenharte Abwehrrecke Willi Schulz aus Hamburg, der in diesem Match zum 50. Mal den Nationaldress überstreifte.

Hans Tilkowski, Borussias Super-Torwart der 1960er Jahre

Es regnete in Strömen, als der finnische Schiedsrichter Hirvulemi die deutsche Premiere der soeben gegründeten Europameisterschaftsrunde anpfiff. Heftige Niederschläge hatten Dortmund schon in den letzten Tagen vor dem Spiel “beglückt”. Deshalb waren die Stadion-Manager vom Sportamt der Stadt auch nicht gerade angetan von der ultimativen Forderung der Gäste, am Abend zuvor in der “Kampfbahn” trainieren zu wollen. “Wenn nicht, dann reisen wir sofort wieder ab!” Eine Konsequenz, die man sich nicht leisten wollte. Tags darauf  präsentierte sich der Platz den 32.000 Besuchern mit knöcheltiefem Boden.

Keine leichten Bedingungen also für die Techniker des DFB, die allerdings sportlich nichts “anbrennen” ließen. Albanien hatte genau genommen keine echte Chance und unterlag - wenn auch etwas zu hoch - mit 0:6. Dabei unterstrich der spätere “Bomber der Nation” Gerd Müller vom FC Bayern München mit vier Treffern seine Extraklasse. Mit den restlichen zwei Toren schrieb sich „Hennes“  Löhr (1. FC Köln) in die Annalen des Spieles ein.

Der neue Rekordnationalspieler der Torhüter, Dortmunds “schwarzer Hans” Tilkowski, war seinem Team einmal mehr ein sicherer Rückhalt. Gutes Stellungsspiel, fangsicher und stark in der Strafraumbeherrschung. Tilkowski war wie eh und je die Zuverlässigkeit in Person. Und konnte sich anlässlich des abschließenden Banketts im “Römischen Kaiser” über die verdiente Ehrung durch DFB-Schatzmeister Jakob Koenen  freuen. Das war das würdige Ende einer großartigen Länderspielkarriere.

Stadion-Vorschau auf ein legendäres Fußballspiel

 

6. 9. 1969: BVB – Schalke 1:1 oder: legendäre Hundebisse lassen grüßen

„Passt auf den Wiener auf!“ Mit dieser Schlagzeile machte am 6. September 1969 das „Borussen-Echo“ darauf aufmerksam, dass der Schalker Neuzugang „Hansi“ Pirkner aus Österreichs Hauptstadt ein gefährliches Bürschchen auf dem linken Flügel sei. Das hätten die Borussen beherzigen sollen, denn Pirkner bestätigte die mahnende Überschrift auf eindrucksvolle Art und Weise: Eine Ecke segelte herein, Pirkner war zur Stelle, BVB-Keeper Rynio hatte das Nachsehen, Schalke führte in der 37. Minute mit  1:0.

Hinter dem Tor hatten sich schon zu Spielbeginn zahlreiche Besucher aus Gelsenkirchen ein Plätzchen gesucht, die dort eigentlich nicht hin gehören. Eigentlich… Die Rote Erde war nämlich mit über 40.000 Besuchern so überfüllt, dass jeder danach gierte, gute Sichtmöglichkeiten zu erhaschen.

Nach dem Pirkner-Treffer rannten dann zahlreiche freudetrunkene Schalke-Fans auf das Feld und sorgten für eine höchst unübersichtliche Situation. Die BVB-Ordner, die mit einem ganzen Rudel herrlicher Deutscher Schäferhunde für Ruhe und Ordnung sorgen sollten und wollten, flitzten hinterher und versuchten, den Platz wieder von den Fans zu „befreien“! Leider trugen die Hunde keine Maulkörbe. Und so kam es, wie es kommen musste: Die Tiere waren mit der Situation mental überfordert und bissen genervt in alle Richtungen. Dabei gruben sich die Zähne zweier Prachtexemplare in das Hinterteil von Friedel Rausch und in die Kniekehle von Gerd Neuser, beide vom FC Schalke 04.

So stand der Skandal in der Zeitung...

Natürlich hatten die Vorfälle das Potenzial für einen handfesten Skandal. Die Medien überschlugen sich in ihrer Berichterstattung; der BVB musste den beiden Verletzten jeweils 500,- DM Schmerzensgeld  zahlen.

Der gebissene Schalker Spieler und spätere Trainer Friedel Rausch allerdings ging höchst entspannt mit der Situation um. Als ihn einige Zeit später Moderator Dieter Kürten im „Aktuellen Sportstudio“ fragte, was denn passiert wäre, wenn der Hund ihn von vorn gebissen hätte, konterte er schlagfertig: “Dann hätte er sich die Zähne ausgebissen!“

Ja, die Schalker.....

Das Spiel selber ging nach einer längeren Unterbrechung munter weiter. Es endete letztlich unentschieden 1:1. Den Ausgleichstreffer markierte Werner „Acker“ Weist in der 65. Spielminute. Weist, der später zum FC Schalke wechselte, war in der Saison 1969/70 mit 20 Toren nach dem „uneinholbaren“ Gerd Müller (38 Treffer) die Nr. 2 der Bundesliga-Torschützen.

Übrigens gab es  eine weitere Tierepisode beim Rückspiel Ende Januar 1970 in der Gelsenkirchener Glückauf-Kampfbahn: Schalkeboss  Günter Siebert, ein Mann mit Gespür für öffentlichkeitswirksame Auftritte,  hatte beim Raubtierpark des Grafen Westerhold einige halbwüchsige Löwen „an Land gezogen“, die beim Einlaufen der beiden Teams „Spalier“ standen und wohl als eine Replik an das Ereignis des Hinspiels gedacht waren. Auch diese Partie endete unentschieden 1:1; das Tor für den BVB erzielte erneut „Acker“ Weist.

In der Saison-Endabrechnung landete der BVB auf dem fünften, der FC Schalke auf dem neunten Rang. Respektabel, aber nicht gerade überwältigend oder für die sportliche Ewigkeit bestimmt. Die legendären Hundebisse zu Dortmund hingegen aus dem September 1969 werden fraglos unvergesslich bleiben.

In den Jahren danach ging es mit dem BVB kontinuierlich bergab, bis man 1972 aus der Bundesliga abstieg. Auch die Rote Erde hatte in den Jahren seit 1926 arg „Staub angesetzt.“ Um die gröbsten Mängel zu kaschieren, hatte die Stadt auf der Ost- und auf der Südtribüne (über dem Marathontor) unansehnliche und letztlich auch bautechnisch bedenkliche Holztribünen gebaut. 1971 verhängte die Stadt als Bauordnungsbehörde gegen sich selber eine Ordnungsverfügung, in der auf die baulichen Mängel hingewiesen und der Abbruch gefordert wurde.

Gut, dass am 2. 4. 1974 das Westfalenstadion eröffnet wurde. Die Rote Erde wurde im Zuge des Neubaus zu einer modernen Leichtathletikanlage um- und ausgebaut.

In der Gegenwart nutzt die erfolgreiche 2. Mannschaft des BVB die „Kampfbahn“ für ihre Heimspiele in der dritten Bundesliga.

 

Schlussakkord: 

 

Programmheft für den Leichtathletik-Länderkampf gegen Finnland 1954

1938 führte der OSV Hörde, heute OSC Thier/LG Olympia Dortmund, in der Kampfbahn sein 1. Internationales Leichtathletik-Sportfest durch. Besondere Attraktionen waren die US-amerikanischen Stars, die – leider ohne den unvergleichlichen Jesse Owens – bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin brilliert hatten.  Nach dem 2. Weltkrieg, in den 1950er und 1960ern, kamen zu den legendären OSV-Sportfesten Asse wie Fanny Blankers-Coon, Betty Cuthbert, Shirley Strickland, Lee Calhoun, Martin Lauer, Manfred Germar, Ludwig Müller und Armin Hary.

Autogramme der Stars des OSV-Sportfestes 1956. Oben links die Unterschrift von Dr. Karl Dickel vom DSC 95, der 1932 den Deutschen Rekord im Weitsprung aufgestellt hatte.

Nach dem Bau des Westfalenstadions für die Fußball-Weltmeisterschaft 1974 zog der BVB in die neue Superarena um. Was lag also näher, als die Rote Erde in ein Leichtathletikstadion umzubauen. 1,5 Mio. DM flossen in die modernen Kunststoffanlagen und andere Verbesserungen mehr. Die Eröffnung wurde Pfingsten 1975 mit einem großen Internationalen Leichtathletik-Volksfest gefeiert.

Und nochmals Autogramme. Diese Zusammenstellung stammt aus dem Jahre 1975. Auch dabei: Irena Szewinska, eine der besten Leichtathletinnen aller Zeiten.

An den Pfingsfeiertagen1975 und 1976 gaben sich große internationale Stars wie die mehrfache Olympiasiegerin Irena Szewinska, eine der bedeutendsten Leichathletinnen aller Zeiten, Mike Boit, Ulrike Meyfahrt, Ellen Mundinger, Silvia Hollmann, Annegret Richter, Inge Helten etc. ein Stelldichein. Die Traber-Truppe begab sich waghalsig in schwindelnder Höhe aufs Hochseil, Carmen Rischer turnte ihre Weltmeisterkür und ein Prominentenlauf über 3.000 m erfreute ebenso wie die Sprintstaffel mit dem BVB der damaligen Jahre.

Frank Elstner (3. v. links) nahm 1975 am Prominentenlauf des Pfingstfestes in der Roten Erde teil.

Annegret Richter, die erfolgreichste Dortmunder Sportlerin aller Zeiten, bereitete sich in der „Roten Erde“ gemeinsam mit der ähnlich starken Inge Helten auf ihre Olympiasiege 1972 in München und 1976 in Montreal vor. Später kam die DLV-Gala.

Annegret Richter, die erfolgreichste Dortmunder Sportlerin “ever”, bereitete sich mit OSC-Kollegin Inge Helten in der Roten Erde auf die Olympischen Spiele in Montreal vor.

Weltmeister Karsten Kobs glänzte im Hammerwurf, Tim Lobinger und Danny Ecker im Stabhochsprung, Xavier Sotomayor zeigte seine Hochsprungkünste und sein kubanischer Landsmann Iwan Petroso dokumentierte, wie toll man weitspringen kann.

Auch das Deutsche Turnfest und der Deutsche Evangelische Kirchentag Anfang der 1990er Jahre gehören in den Reigen der Spitzenereignisse dieser historischen Sportstätte namens Kampfbahn “Rote Erde”, der hoffentlich noch eine gute Zukunft beschieden sein möge!!!

„Heini, fausten!“ scholl es in den 1950er Jahren häufig in lauten Chören von den Rängen des Stadions „Rote Erde“, wenn Heinrich Kwiatkowski, Borussias Meistertorhüter der Teams von 1956 und 1957, in Aktion trat. Auch in der Meisterschafts-Endrunde 1963 wurde er noch eingesetzt und ist dadurch dreifacher Deutscher Meister mit dem BVB geworden. Eine außergewöhnliche Leistung, vor der man nur den Hut ziehen kann!

Der „Kwiat,“ wie er liebevoll von seinen Fans genannt wurde, war ein Klassekeeper, der sowohl auf der Linie als auch in der Strafraumbeherrschung brillierte.

Deshalb kann es auch nicht verwundern, dass er 1954 von Sepp Herberger      als einer der drei Torhüter für die WM in der Schweiz nominiert wurde. „Fußballgott“ Toni Turek war die Nr. 1, um den Platz dahinter bewarben sich Kwiatkowski  und Heinz Kubsch aus Pirmasens.

Deutschland startete mit einem sicheren 4:1-Sieg gegen die Türkei in das WM-Turnier. Anschließend waren am 20. 6. 1954 in Basel die Ungarn der Gegner, die Übermannschaft der frühen 1950er Jahre. Das „unschlagbare“ Team mit Puskas, Hidegkuti, Kocsic, Czibor und Bozsik, Olympiasieger 1952, sensationeller Bezwinger Englands 1953 in Wembley und seit Jahren unbesiegt.

Bundestrainer Sepp Herberger trat zu diesem Match mit einer B-Elf an. Im Tor stand Heinrich Kwiatkowski.

Die Ungarn spielten groß auf und ließen der deutschen Ersatzformation nicht den Hauch einer Chance. 8:3 hieß es am Ende für die Magyaren. Der wackere „Kwiat“ konnte einem nur leid tun. Er hechtete, fing, faustete  - alles vergebens! Aber Terbergers Taktik ging auf. Nach Siegen über die Türkei (Wiederhungsspiel), Jugoslawien und Österreich stand die DFB-Elf am 4. 7. 1954 im Endspiel gegen Ungarn und wurde durch einen legendären 3:2-Sieg Fußball-Weltmeister.

Und durch seinen Einsatz gegen die Ungarn avancierte Heinrich Kwiatkowski zum ersten Weltmeister des BVB in seiner Vereinsgeschichte.

Auch vier Jahre später nahm er in Schweden an der WM teil. Gemeinsam mit Aki Schmidt und Fred Kelbassa stand er in der DFB-Elf, die Frankreich im Spiel um Platz drei unterlag.

Heinrich Kwiatkowski wurde am 16. 7. 1926 in Gelsenkirchen geboren. Seine ersten Schritte als Torwart absolvierte er bei Westfalia Schalke. Danach ging er 1947 zum FC Schalke 04. Ernst Kuzorra hatte ihn empfohlen. Nach einer weiteren Zwischenstation bei Rot-Weiß Essen kam „Kwiat“ 1952 zum BVB.

Hier genoss der neue Zerberus rasch die Sympathien des Publikums und das Vertrauen von Trainer „Bumbas“ Schmidt sowie dessen Nachfolger Helmut Schneider. Unvergesslich ist seine überragende Leistung im Europapokalspiel 1956 gegen Manchester United, in dem er – im grünen Sweater seines Torwartkollegen Bernd Trautmann von ManCity spielend - mit schier unglaublichen Glanzparaden zum „Helden von Manchester“ wurde.

Nach dem Karriereende von Ady Preißler wurde „Kwiat“ dessen Nachfolger als BVB-Kapitän. Als solcher führte er seine Mannen zum Endspiel 1961 auf das Feld, das der BVB  unglücklich gegen Nürnberg verlor. In der Endrunde 1963 stand er auch noch im Tor seiner Schwarz-Gelben. Im Finale allerdings musste er Bernhard Wessel, dem Reaktionswunder unter den BVB-Torhütern, den Vortritt lassen.

Heinrich Kwiatkowski, Borussias erster Weltmeister, der in der Hausmannstraße in der südlichen Innenstadt wohnte und bei den Dortmunder Stadtwerken im Fotolabor arbeitete, war  überall sehr beliebt. Geradezu mit Engelsgeduld erfüllte er jeden Autogrammwunsch  und ist allen, die ihm begegneten, als untadeliger Sportsmann und einer der ganz großen Torhüter der BVB-Historie in bester Erinnerung.

Heute vor 100 Jahren erblickte  Heinrich Kwiatkowski das Licht der Welt. Ein Grund mehr, wieder einmal an ihn zu erinnern.

 

Am 31. Juli 1926 erblickte Erich Rüttel in DO-Kley das berühmte Licht der Welt.

Nach den Schrecken des 2. Weltkriegs, in dem es nicht möglich war, eine Lehre zu beginnen, bewarb er sich 1946, bereits 20 Jahre alt und Realschüler, bei der Stadt Dortmund – und wurde genommen!

Nach dem Inspektoren-Lehrgang am Westf.-Märkischen Studieninstitut für kommunale Verwaltung – heute Fachhochschule – folgte eine rasante Karriere über die Stationen Ausbildungsabteilung  des Personalamtes, Organisation Bundesgartenschau 1959 und Ordnungsamt, dessen Leiter erwurde..

Die Bundesgartenschau mit ihren sieben Millionen Besuchern organisierte er so gekonnt, dass ihm von überall her große Anerkennung zuteil wurde.

Die jungen Verwaltungslehrlinge der Stadt unterrichtete Rüttel  in der Berufsschule im Fach Staatsrecht. Das lag dem überzeugten Demokraten sehr am Herzen. Außerdem setzte er sich mit ganzer Kraft für die Aussöhnung mit Israel und den Juden in Deutschland ein. Auf ihn geht letztlich die Begründung der Städtepartnerschaft mit Netanya zurück. Das Rüttel-Buch „Israel – Heimat der Heimatlosen“ ist heute noch sehr lesenswert.

In diesem Kontext sollte auch nicht verschwiegen werden, dass Rüttel zu den wichtigsten Förderern der Steinwache mit ihrer Aufarbeitung der Zeit des Naziterrors in Dortmund gehörte.

Daneben war Rüttel aktiv in der SPD und in der ÖTV, in deren Hauptvorstand mit dem legendären Heinz Kluncker  an der Spitze er gewählt wurde.

Als der viel bewunderte Fritz Kauermann als Personal,- Sport,- Organisations- und Klinikdezernent in den Ruhestand ging, wurde Erich Rüttel sein Nachfolger. Ein Glücksfall für die Stadt und den gesamten Dortmunder Sport. Denn Rüttel füllte die großen Fußstapfen seines Vorgängers nicht nur aus, sondern rackerte sich unermüdlich ab, um die Bezeichnung „Sportstadt Dortmund“ mit Leben zu füllen. Er engagierte sich für die Leichtathleten, die Ruderer, die Schützen, und natürlich auch für den Fußball, und hier insbesondere für den BVB.

Rüttel ist einer der Väter der Helmut-Körnig-Halle, der Eislaufhalle an der Westfalenhalle und der bedeutendenSchießanlage in DO-Nord, um nur einige zu nennen.

Unsterblich allerdings ist Erich Rüttel als Vater des Westfalenstadions geworden.

Er griff den Gedanken Fritz Kauermanns auf, die Bewerbung um die Fußball-Weltmeisterschaft 1974 dafür zu nutzen, dem sportlich und finanziell stark angeschlagenen BVB mit einem neuen Stadion gleichzeitig eine tragfähige Grundlage für die zukünftige Entwicklung zu schaffen. Seine wichtigsten Mitstreiter waren Hermann Heinemann, Willi Spaenhoff und der Bundestagsabgeordnete Hans Urbaniak.

Die damalige Situation des BVB war außerordentlich prekär. Das Stadion „Rote Erde“ entsprach praktisch in keiner Beziehung mehr den modernen Anforderungen an eine Bundesliga-Arena. Sportlich war man am Ende, es drohte schon 1969 der Abstieg in die 2. Bundesliga (der dann 1972 auch kam). Und die FIFA hatte das Dortmunder Stadion in Paletten-Bauweise als WM-Arena als zu klein abgeschmettert. In dieser fast unmöglichen  „Gemengelage“ schlug Rüttel dem Rat der Stadt trotz allem vor, das Stadion zu bauen. Er warb Tag und Nacht für sein Projekt, putzte Klinken ohne Ende beim WM-OK in Frankfurt, beim Land NRW und bei der Bundesregierung. Die Klaviatur der filigranen, manchmal auch rustikalen Meinungsbeeinflussung spielte er über Monate hinweg rauf und runter, ging Gott und der Welt so lange auf die Nerven, bis die Finanzierung stand und der Rat der Stadt in namentlicher Abstimmung – ähnlich dem Hammelsprung im Bundestag - über das Rüttel- Projekt abstimmte. Es gab – auch dank seiner großartiger Rede vor dem entscheidenden Ratsvotum -  die erhoffte Mehrheit, und die erste reine Fußball- Arena Deutschlands mit Namen „Westfalenstadion“ konnte gebaut werden. Objektiv gesehen war der Stadionbau kommunalpolitischer Unsinn, subjektiv aus der Sicht eines BVB-Fans betrachtet  zwingende Notwendigkeit.

Als dann Köln aus finanziellen Gründen die Bewerbung zurück gab, wurde Dortmund aus der Reserveliste gezaubert, und die WM-Teilnahme mit letztlich vier tollen Spielen war gerettet.

Das Westfalenstadion wurde der Stadion-Hit der WM 1974 und für den BVB die Grundlage, sich finanziell und sportlich zu erholen, in die Bundesliga zurückzukehren und praktisch über Nacht der Finanz-Krösus des deutschen Fußballs zu werden.

Verheiratet mit Gattin Ellen verloren die Rüttels auf tragische Weise den einzigen Sohn Gerd im Alter von nur 16 Jahren bei einem Skiunfall. Diesen Verlust haben sie zeitlebens nicht verkraftet.

Eine sehr innige Beziehung pflegten sie später zur zweifachen  Olympiasiegerin Annegret Richter und ihrem Mann Manfred, dem exzellenten Hürdensprinter, mit denen sie bis zu ihrem Ableben eine tiefe Freundschaft verband.

Erich Rüttel starb 2009 im Alter von 83 Jahren.

Die Stadt Dortmund als Bauherr und Eigentümer und Erich Rüttel als Initiator, „Stadion-Flüsterer“ und  unermüdlicher Kämpfer für die Sache haben ohne Frage den BVB damals gerettet. Insbesondere ohne Rüttels unermüdlichen Einsatz für den Stadionbau würde es den BVB in seiner heutigen Form nicht mehr geben. Er hat  mit dafür gesorgt, dass der Satz „Aber eins, aber eins, das bleibt bestehn: Borussia Dortmund wird nie untergehn“ auch heute noch gilt.

Gerade deshalb wollen wir hiermit an den großen Erich Rüttel ehrend erinnern. Die BVB-Familie sollte ihn nicht vergessen!

 

Ein Text der AG-Tradition der BVB Fan- und Förderabteilung in Zusammenarbeit mit dem BORUSSEUM.

 

Als Borussia Dortmund zum ersten Mal in der europäischen Königsklasse antreten durfte, hieß der Wettberwerb noch „Europapokal der Landesmeister“ und war in der Tat nur den „echten“ Meistern der europäischen Ligen vorbehalten. Vieles hat sich seitdem geändert....

Ein Blick zurück

 

Der 1. August 1956 war für Borussia Dortmund von besonderer Bedeutung. An diesem Mittwochabend nämlich begann vor 20.000 Besuchern im Stadion „Rote Erde“ die Europapokalgeschichte des BVB, die bis heute als Höhepunkte zwei stolze Europacupsiege – 1966 Europapokal der Cupsieger und 1997 Champions-League –  aufweist.

Der Gegner an besagtem 1. August hörte auf einen wenig klangvollen Namen. Aber: „Dieses Vorspiel um die Qualifikation zum Europa-Pokal am ersten Tag der neuen Spielzeit bereicherte unsere Kenntnis von einer im Verborgenen blühenden erstklassigen Mannschaft. Spora aus der Hauptstadt des 300.000 Bewohner zählenden Großherzogtums Luxemburg überraschte uns durch ein brillantes Spiel“. So hieß es in der BVB-Vereinszeitschrift von damals. In der Tat waren alle Fans im Stadion von den sprichwörtlichen Socken, dass der krasse Außenseiter zur Pause mit 2:1 führte. Und das, obwohl die Schwarz-Gelben in exakt der Aufstellung antraten, die kurz zuvor Deutscher Meister geworden war. Okay: bis zum Ende der 90 Minuten stand es dann 4:3 für den BVB nach Toren von Helmut Bracht, Alfred Niepieklo und Ady Preißler (2) für den BVB und drei Treffern von Borreux für den Gast. Aber man war gewarnt! Das Rückspiel würde kein Zuckerschlecken werden.

Festzuhalten wäre: Das erste Tor in einem Europapokalwettbewerb für den BVB erielte der linke Läufer (WM-System) Helmut „Jockel“ Bracht!

Und tatsächlich erlebte der BVB in Luxemburg eine unliebsame Überraschung: Ersatzgeschwächt unterlag er mit 1:2. Aber unter welchen Umständen hatte man anzutreten! Noch am Tage zuvor (Mittwoch, 5. 9. 56), hatten die Borussen in Köln gegen den dortigen FC zu spielen. Dieses Meisterschaftsspiel der Oberliga West gewannen sie nach rasantem Verlauf mit 4:3. Nur 24 Stunden später mussten sie in Luxemburg auflaufen. Das wäre heute zu recht ein absolutes Ding der Unmöglichkeit. Borussia spielte technisch besser, Spora hielt mit unbändiger Kampfkraft dagegen. Das Endergebnis: 2:1 für die Heimmannschaft – den BVB-Treffer erzielte Ady Preißler – stand schon zur Halbzeit fest.

Also musste zehn Tage später ein drittes und damit entscheidendes Match her. Jetzt zeigte der Deutsche Meister seine wahre Klasse und entzauberte den „Fußballzwerg“ mit 7:0.

Die Auslosung der UEFA bescherte dem BVB ein Kontrastprogramm par exzellence! Manchester United hieß der großartige nächste Gegner von der Insel, die legendäre Mannschaft des Trainer Matt Busby. Die sogenannten „Busby-Babes“. Neben Real Madrid die anerkannt beste Mannschaft Europas. Das verhieß großen Fußball.

Und das brachte großen Fußball!

 

Ein Text der AG-Tradition der BVB Fan- und Förderabteilung in Zusammenarbeit mit dem BORUSSEUM.

Bei den Olympischen Spielen von 1936 in Berlin gab es nach acht Jahren wieder ein Fußballturnier. Die deutsche Mannschaft gehörte zu den Favoriten, eine Goldmedaille war fest eingeplant. Das hatte der Führer Adolf Hitler im stillen Kämmerlein entschieden, aber vergessen, dies den Norwegern mitzuteilen, gegen die Deutschland im zweiten Spiel der Olympischen Endrunde anzutreten hatte.

Der Reihe nach.

Das Turnier begann mit dem Achtelfinale, in dem es gegen Luxemburg einen ungefährdeten 9:0-Sieg gab. August Lenz und andere wurden für das Viertelfinale geschont.

Am 7. August 1936 war die deutsche Mannschaft im Poststadion gegen Norwegen erneut klarer Favorit. Die nationalsozialistische Führungsriege mit Hitler an der Spitze in der Ehrenloge, das Publikum im Stadion und Millionen an den Volksempfängern erwarteten nichts anderes als einen klaren Sieg. Doch es kam so, wie es im Fußball eben manchmal kommt. Der Außenseiter aus Norwegen spielte unbeschwert auf und konnte früh in Führung gehen. Der große Favorit aus Deutschland verkrampfte unter dem enormen Erwartungsdruck immer mehr und fand kein Mittel gegen die Norweger, die geschickt die Räume eng machten und gefährliche Konter setzten. Die Westfälische Landeszeitung vom 08.08.1936 schrieb: „Nur August Lenz spielte und kämpfte lange Zeit hervorragend, bis auch er in dem allgemeinen Sturmtorso unterging.“  Als in der 83. Minute das 2:0 für Norwegen fiel, sprang der große Sportsmann Adolf Hitler empört auf und verließ, mit seinen Paladinen im Schlepptau, das Stadion. Die Mannschaft hatte den Führer ernsthaft vergrätzt, er hat nie wieder ein Fußballspiel besucht.

Mit dieser Niederlage war auch die Karriere von Reichstrainer Prof. Dr. Otto Nerz genau genommen beendet. Ihn beerbte wenig später Josef „Sepp“ Herberger, der den Deutschen 1954 mit dem nie erhofften WM-Titel das „Wunder von Bern bescherte.

Wie August Lenz nach dieser schmachvollen Niederlage nach Dortmund und zum Borsigplatz zurückkehrt, das schildert der international berühmte Schriftsteller Volker Kutscher (Babylon Berlin) in der fiktiven Krimi-Kurzgeschichte „Dortmund, Weiße Wiese,“ an deren Entstehung BVB-Historiker Gerd Kolbe mitwirken durfte.

Die Geschichte ist zu finden in dem lesenswerten Buch „Jubiläumsmorde – Mord am Hellweg“, das 2021 im Verlag „grafit“ erschienen ist.

Ein Text der AG-Tradition der BVB Fan- und Förderabteilung in Zusammenarbeit mit dem BORUSSEUM.