Hunderttausende säumten am 6. Mai 1966 in Dortmund die Straßen, drängten sich auf dem “Neuen Markt” - heute Friedensplatz - , als der frischgebackene Sieger im Europacup der Pokalsieger nach dem großartigen 2:1 über den FC Liverpool in seine Heimatstadt zurückkehrte.
Schon die Ankunft auf dem Kölner Flughafen Stunden zuvor war super! Man hatte für den BVB sogar den sprichwörtlichen “Roten Teppich” ausgerollt. Wie Staatsgäste wurden die Meisterkicker empfangen. Mit dem Bus ging es dann weiter in Richtung Dortmund. Auf der B 54, der “Traumstraße”, stiegen die Sieger von Glasgow in offene Autos um. Damit begann ein unvergesslicher Autokorso. Der Weg ging über den Borsigplatz, der mehrfach umrundet wurde, und den Wallring bis zum Neuen Markt.
Besonders gefeiert wurden die beiden Torschützen Siggi Held und Stan Libuda, aber auch alle anderen Akteure standen mehrfach im Zentrum frenetischer Ovationen. Oberbürgermeister Dietrich Keuning hieß die siegreichen Recken, BVB-Präsident Willi Steegmann und Trainer Willi “Fischken” Multhaup willkommen.
In das Spiel am Tag zuvor im Hampden Park zu Glasgow gingen die Schwarz-Gelben als krasser Außenseiter. Zu überlegen schienen die englischen Profis vom FC Liverpool, der Beatles-Stadt. Doch die Borussen entpuppten sich als taktisch klug eingestellt, gallig und effektiv im Zweikampf. Aus einer geschlossenen Elf ragten Kurrat, Assauer, Sturm, Paul und Tilkowski als ruhende Pole heraus.
Das 1:0 von Siggi Held (62.) mit herrlichem Schuss nach Vorarbeit von Emmerich glich Liverpool sieben Minuten später aus: Linksaußen Thompson angelte sich den Ball (wahrscheinlich) hinter der Grundlinie, Flanke, Roger Hunt verwandelte eiskalt. In der 109. Minute fällt eines der kuriosesten Tore der Europacupgeschichte: Held geht steil durch, schießt Keeper Lawrence an. Der Abpraller kommt zu Libuda, dessen Bogenlampe aus 25 Metern geht an die Latte. Mittelläufer Yeats kriegt den Ball an die Brust – Tor.
Als Kapitän Wolfgang Paul aus den Händen des Schweizer UEFA-Präsidenten Gustav Wiederkehr die Siegestrophäe entgegen nimmt, singen die etwa 2.000 mitgereisten BVB-Fans: “So ein Tag, so wunderschön wie heute”! Ein großariger Augenblick!
Der BVB-Vorstand hatte offenbar nicht damit gerechnet, dass seine Mannschaft gewinnen könnte. Nur so ist es zu verstehen, dass keine Siegesfeier geplant war. Das war blamabel. Die Spieler improvisierten, plünderten die Küche und die Hotelbar und kamen so doch noch zu ihrer verdienten Fete.
Die Helden von Glasgow
Hans Tilkowski: Weltklasse zwischen den Torpfosten
Hans Tilkowski (12. 7. 1935) hielt Anfang Oktober 1965 einen eindrucksvollen “Goldenen Fußball” in seinen Händen. Soeben war er als “Fußballer des Jahres 1965” ausgezeichnet worden. Die deutschen Sportjournalisten wählten mit ihm den ersten Torhüter überhaupt. 39.000 Besucher in der Kampfbahn “Rote Erde” waren Zeugen des Ereignisses. Der Präsident des DFB, Dr. Hermann Gösmann, war ebenso erschienen wie Bundestrainer Helmut Schön. Gerade Schön hielt es für seine Pflicht, seinem Nationalkeeper in verdienter Anerkennung die Hand zu drücken, war der “Til” doch für ihn eine feste Größe für die Weltmeisterschaft 1966 in England.
Hans Tilkowski stammte aus Dortmund-Husen und war über Kaiserau und Westfalia Herne 1963 zu Beginn der Bundesliga zum BVB gekommen.
Am 4. Dezember 1963 stand er in der legendären BVB-Elf, die im “größten BVB-Spiel aller Zeiten” Benfica Lissabon, das Team von Eusebio und Coluna, mit 5:0 bezwang. Ab 1964 hütete er auch wieder das Tor der Nationalelf, aus dem ihn Herberger zur WM 1962 in Chile “verbannt” hatte.
Die Karriere Tilkowskis fand ihren Höhepunkt 1966. Sein BVB wurde Europapokalsieger und Deutschland mit ihm im Tor Vize-Weltmeister. Als Rekordtorhüter des DFB mit 39 Länderspielen beendete er 1967 im Stadion Rote Erde seine eindrucksvolle Nationalmannschafts-Karriere.
Schon zu seiner aktiven Zeit als Fußballer begann Hans Tilkowski, sich für Menschen in Not einzusetzen. Für sein außergewöhnliches Engagement wurde er u. a. mit dem Verdienstorden des Landes NRW und dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.
Gerd Cyliax: Supersprinter, Superspieler
“Verteidiger kauft man nicht, Verteiger macht man sich!” Einer, der diese “Fußball-Weisheit” eindrucksvoll bestätigt, ist Gerd Cyliax (23. 8. 1934 -17. 5. 2008). Seine Karriere begann beim TBV Mengede, setzte sich über Westfalia Herne und Preußen Münster fort und führte ihn 1959 in die Dortmunder Heimat zum BVB zurück. Er lief die 100 Meter unter 11 Sekunden und ist damit ist einer der Schnellsten, die jemals beim BVB gekickt haben. Immerhin gehörte er sogar zum erweiterten Kreis für die Sprintstaffel des DLV! Seine unglaubliche Geschwindigkeit entfaltete Cyliax besonders prägnant als Außenstürmer auf dem linken Flügel. Man erinnere sich nur an die BVB-Endspiele 1961 und 1963. Danach begann seine Karriere als rechter Außenverteidiger. Diese Position hatte er 1965 beim ersten BVB-Pokalsieg und 1966 beim unvergesslichen Europapokalsieg inne. Er war also ein beidfüßig agierender Kicker von großer Klasse. Als Verteidiger kannte er natürlich alle Tricks und Schliche seiner Kontrahenten und ließ sich kaum ein X für ein U vormachen. Leider hat Cyliax nie den Dress der Nationalmannschaft überstreifen dürfen. Mit der Deutschen Meisterschaft 1963, dem DFB-Pokal 1965 und dem Europapokal 1966 machte er unabhängig davon eine außergewöhnliche Vereins-Karriere. Gerd Cyliax, der stets unaufdringlich im Hintergrund blieb, hatte erstaunliche Entertainer-Qualitäten. Mit dem Akkordeon ging er virtuos um und erfreute in späteren Jahren manch gemütliches Beisammensein mit seinen alten Freunden aus Dortmund-Mengede.
Theo Redder: Hart und kompromislos
Das besondere Markenzeichen des Verteidigers Theo Redder (19. 11. 1941) war sein unerbittliches Tackling, das er mit atemberaubender Konsequenz praktizierte. Damit war er der Prototyp des unangenehmen Gegenspielers. Callaghan, Liverpools Flügelflitzer im Endspiel zu Glasgow, kann davon ein Liedchen singen. Zum BVB stieß der gelernte Bäcker, der aus Werl stammt, in der Saison 1962/63. Borussias Trainer Hermann Eppenhoff formte den talentierten Außenverteiger zu einem Akteur von internationalem Format. Der Deutsche Meister 1963, DFB-Pokalsieger 1965 und Europacupsieger 1966 gehört auch zu den legendären Benfica-Helden. Theo Redder wurde von Bundestrainer Helmut Schön leider nur ein Mal – gegen Finnland - in die Deutsche Nationalmannschaft berufen. Gemeinsam mit seinen BVB-Kollegen Tilkowski, Schmidt, Konietzka und Sturm stand er in jener Elf, die die Skandinavier 1964 mit 4:0 besiegte. Nach seiner aktiven Zeit – er musste seine Karriere beim BVB schon mit 28 Jahren beenden - kümmerte sich Redder über viele Jahre hinweg liebevoll um die Traditionsmannschaft des BVB. Der langjährige persönliche Freund Hoppy Kurrats ist heute stellvertretender Vorsitzender des BVB-Ältestenrates.
Dieter “Hoppy” Kurrat: Der Terrier
Für eine große Nationalmannschaftskarriere war Dieter “Hoppy” Kurrat (15. 5. 1942) leider ein paar Zentimeter zu klein. Auf dem Spielfeld hingegen wuchs der Junge vom Borsigplatz zu einem Abwehrriesen, der sich mit leidenschaftlicher Konsequenz um seine Gegenspieler kümmerte. Der “Hoppy”, wie ihn alle Welt nur nannte, war ein leuchtendes Aushängeschild der BVB-Nachwuchsarbeit. Auf den begabten Jung-Kicker wurde auch der DFB schnell aufmerksam und berief ihn in die Jugend-Nationalmannschaft. Beim BVB folgte schon mit 18Jahren der Sprung in die 1. Mannschaft. Soeben war er mit der A-Jugend noch Westfalenmeister geworden, schon schaffte er nahtlos den Sprung in die erste Mannschaft. Das erste Oberligaspiel bestritt er am 9. Oktober 1960 gegen Hamborn 07. Im Endspiel um die “Deutsche” 1961, das der BVB gegen den 1. FC Nürnberg verlor, schnupperte er erstmals die Luft eines großen Finales. Es sollten weitere folgen! Der kleine Terrier mit dem großen Kämpferherzen wurde Deutscher Meister 1963, DFB-Pokalsieger 1965 und Europacupsieger 1966. Im Endspiel 1963 gegen den 1. FC Köln brachte er mit seinem überraschenden 1:0 in der 21. Minute den BVB auf die Siegerstraße. Alle waren erstaunt, denn das Toreschießen gehörte eigentlich nicht zu seiner “Kernkompetenz”. In den großen Europacupspielen hatte es Kurrat zumeist mit den gegnerischen Spielmachern zu tun. So war Eusebio sein Gegner im Hinspiel 1963 in Lissabon, so setzte er sich mit Luis Suarez in den Partien gegen Inter Mailand auseinander. Suarez trat dem kleinen Mann vom Borsigplatz in der 18. Minute so brutal in den Unterleib, dass es nur die Konsequenz “Platzverweis” geben konnte. Ein bestochener Schiri namens Tesasic allerdings hatte im Gegensatz zu den Millionen an den Bildschirmen nichts gesehen.
Nach seiner aktiven Karriere stand Hoppy Kurrat dem BVB als Trainer zur Verfügung. Da die Borussen nach ihrem Abstieg 1972 finanziell ziemlich klamm waren, verzichtete er generös auf sein Trainergehalt. Später wechselte er als Spielertrainer zum SV Holzwickede, mit dem er 1976 Deutscher Amateurmeister wurde.
Wolfgang Paul: Karriere als “Stopper Paul”
Die BVB-Fans nannten den Uhrmachermeister Wolfgang Paul (25. 1. 1949) aus Bigge-Olsberg, der 1961 über den VfL Schwerte zum BVB stieß, wegen seiner eindrucksvollen Physis den “Ardeyhirsch”. Immerhin war er 1,86 Meter groß und mächtig von Gestalt. Bei Kopfbällen und in Zweikämpfen brachte er seine körperlichen Vorzüge mit wuchtigen Aktionen bestens zur Geltung. Hart, aber fair! Das waren die signifikanten Attribute des Sauerländers, der in seiner Fußballer-Karriere kein einziges Mal vom Platz flog.
Wolfgang Paul reifte beim BVB rasch zu einer Führungspersönlichkeit und wurde zu Beginn der Saison 1965/66 folgerichtig der Nachfolger von Aki Schmidt als Mannschaftskapitän der Schwarz-Gelben. In der Abwehrschlacht zu Glasgow konnten sich seine Mannen nicht nur auf ihren “Stopper Paul” verlassen, sondern sich auch an seinem kämpferischen Beispiel orientieren und aufrichten. Die englischen Medien flochten dem Hünen regelrechte Kränze der Verehrung.
Paul gehörte 1966 auch zum Aufgebot des DFB für die WM in England. Anders als Tilkowski, Held und Emmerich kam der untadelige Sportsmann allerdings zu keinem WM-Einsatz. Den Dress der Nationalmannschaft durfte sich der heutige Vorsitzende des BVB-Ältestenrates nur einmal, und das in einem inoffiziellen WM-Vorbereitungsspiel, überstreifen.
Rudi Assauer: Der schöne Rudi
“Als wir am 5. Mai 1966 in den Hampden Park zum Endspiel gegen Liverpool einliefen, hatte ich ziemlich die Hosen voll. Das hat der Aki, der direkt hinter mir stand, offensichtlich gemerkt. Seine Bemerkung: “Wenn Du heute Eierkes machst, dann bekommst Du einen Tritt in den A..., den Du nicht vergessen wirst”, habe ich das ganze Spiel über nicht vergessen. Deshalb unterlief mir in den 120 Minuten auch so gut wie kein Fehler!” Mit einem leichten Schmunzeln hat Rudi Assauer (30. 4. 1944) dieses Bonmot anlässlich eines Termins zur Vorbereitung der WM 2006 in Iserlohn erzählt, als er von einem Besucher auf das Europacupendspiel 1966 angesprochen wurde.
Der blendend aussehende gebürtige Sauerländer Assauer, der 1964 über die SpVgg Herten zum BVB kam, blieb den Schwarz-Gelben bis 1970 verbunden. Danach wechselte der technisch versierte linke Außenläufer zu Werder Bremen, wo er seine Karriere als Fußballer auch beendete. Es folgte eine eindrucksvolle Zeit als Werder-Manager und später als mächtiger Mann des FC Schalke 04. Aber wo Rudi Assauer auch immer engagiert war, stets blieb er Mitglied beim BVB, mit dem er den größten Erfolg seiner Fußballerlaufbahn errungen hat.
Leider ist der zeitlebens vitale und lebensbejahende Rudi Assauer seit einigen Jahren schwer erkrankt und lebt heute völlig zurückgezogen. Sein alter Freund und Weggefährte Werner Hansch ist einer der Wenigen, die noch Zugang zu ihm haben. In Dortmund hat man Assauer zuletzt 2010 anlässlich der Premiere der Produktion “Leuchte auf, mein Stern Borussia” im Dortmunder Schauspielhaus gesehen, das er mit großer Freude erlebte.
Reinhard “Stan” Libuda: Flügelflitzer von Weltklasse
Wenn es bei Reinhard “Stan” Libuda “ (10. 10. 1943 – 25. 8. 1996) “lief”, dann brauchte er weltweit auf der Position des Rechtsaußen keinen Vergleich zu scheuen. Antrittsschnell, ein großartiger Dribbler – Libuda war ein Flügelflitzer, der jeden Gegenspieler zur Verzweiflung bringen konnte. Und seine Gegenspieler hatten es in aller Regel in sich: Kurbjuhn vom HSV, Bene aus Stuttgart, Piontek und Höttges von Werder Bremen gehörten dazu. Alles Kaliber, die einen schon das Fürchten lehren konnten. Aber der Mann aus Gelsenkirchen, der erst 1965/66 zum BVB stieß, ließ sie in Serie mit seinem berühmten Matthews-Trick schlecht aussehen. Gemeinsam mit Siggi Held und Lothar Emmerich bildete er ein Sturmtrio von internationalem Format.
Als Libuda 1965 zum BVB wechselte, wurde die verbale Gangart unter der Fans heftiger. Die unschöne Bezeichnung “Verräter” hielt Einzug in das Vokabular. Beim BVB blieb der Stan bis 1968. Dann wechselte er zurück zu seinem Stammverein, dem er im Herzen immer die Treue gehalten hatte.
In Glasgow lief es zunächst nicht so gut für ihn. Dann wurde er aber als Schütze des goldenen Tores über alle Maßen gefeiert.
In der Nationalmannschaft machte Libuda ebenfalls eine sehr respektable Karriere mit seinen 26 Länderspielen. Hier feierte er seinen größten Erfolg wohl mit dem Siegtreffer gegen Schottland in der WM-Qualifikation für 1970, mit dem er das Tor nach Mexico für die DFB-Formation öffnete. Die WM selber beendete er mit seinem Team auf einem großartigen dritten Rang.
Leider gehörte Libuda auch zu der Schalker Mannschaft, die Anfang der 1970er Jahre in den unseligen Bestechungsskandal verwickelt war. Unter diesem Fehltritt hat der prominenteste Grenzgänger zwischen dem BVB und Schalke 04 praktisch bis zu seinem frühen Tod gelitten.
„Aki“ Schmidt: Meister der Regie
Das jugendliche Bürschen, das sich im Juli 1956 zu seinem ersten BVB-Training bei Trainer Helmut Schneider anmeldete, war gerade einmal 20 Jahre alt und stammte aus Berghofen. Sein Name: Alfred Schmidt, den seit Jahrzehnten jeder nur „Aki“ nennt.
Der erste Verein des Schüler- und Jugendkickers war die SpVggBerghofen. Seit er 1946 allerdings den BVB in einem Spiel gegen Witten im Hoeschpark gesehen hatte, schlug sein Herz für die Borussen. Bei diesem Club wollte er einmal spielen.
1956 also war es soweit. BVB-Trainer Helmut Schneider erkannte Schmidts großes Talent als Mittelfeldstratege und setzte ihn in der ersten Mannschaft ein.
Im September 56, im dritten Qualifikationsspiel des BVB für die Hauptrunde des Europapokals der Landesmeister gegen Spora Luxemburg, bestand er seine erste internationale Bewährungsprobe. Sepp Herberger wurde auf ihn aufmerksam und machte ihn bereits im Frühjahr 1957 in der Partie Holland – Deutschland zum Nationalspieler. Als Dank für das große Vertrauen des Bundestrainers schoss der Debütant dann auch gleich „sein“ Premierentor. Das war ein gelungener Einstand!
Aki Schmidts Erfolge als Spieler sind eindrucksvoll: Deutscher Vizemeister 1961, Deutscher Meister 1963, Benfica-Held, DFB-Pokalsieger 1965, Europapokalsieger 1966. Der großartige Mittelfeldstratege bildete zunächst mit Jürgen Schütz und Timo Konietzka und danach mit Siggi Held und Lothar Emmerich gefürchtete Sturmtrios.
Selbst die tollste Karriere erfährt da und dort Rückschläge. Das gilt auch für unseren Aki. Obwohl bereits Nationalspieler, fand er keine Berücksichtigung beim Endspiel um die Deutsche Fußball-Meisterschaft 1957 gegen den HSV, das BVB-Trainer Schneider mit der identischen Aufstellung bestreiten wollte wie im Jahr zuvor, um etwas Einmaliges zu schaffen.
In der Nationalmannschaft wurde Schmidt von 1956 bis 1964 in 25 Länderspielen eingesetzt, war 1958 WM-Teilnehmer in Schweden und danach der erste Kapitän der Nationalelf aus dem „Hause“ BVB.
1966/67 besuchte Aki Schmidt mit Erfolg die Sporthochschule Köln und machte dort die Lizenz als Fußballlehrer. Seine Trainerstationen wurden Jahn Regensburg, Kickers Offenbach, Preußen Münster und der FK Pirmasens. Der Deutsche Pokalsieg 1970 mit dem Zweitligisten Kickers Offenbach ist die besondere „Duftmarke“ seiner Trainertätigkeit.
Der lebensbejahende Aki Schmidt ist ein begnadeter Entertainer. Im Mai 2011 kreierte er das Lied „Rubbeldiekatz am Borsigplatz“, das praktisch der BVB-Song der Deutschen Meisterschaft 2011 wurde. Der Begriff „Rubbeldiekatz“ war sogar in der näheren Auswahl für das „Jugendwort 2011“.
Dass Aki Schmidt mit seinen jetzt 80 Lenzen dem BVB durch seine Tätigkeit im Ältestenrat noch treu verbunden ist, kann bei dieser Vita niemanden verwundern.
Siegfried „Siggi“ Held: Schnell und torgefährlich
Über den SV Marktheidenfeld und die Offenbacher Kickers kam Siegfried „Siggi“ Held (geb. am 7. 8. 1942), der blonde Supersprinter unter den damaligen Fußballern, zu Beginn der Saison 1965/66 zum BVB. Der neue Trainer Willi „Fischken“ Multhaup, von Werder Bremen zum BVB gewechselt, hatte den pfeilschnellen Kicker schon auf seiner Wunschliste, bevor er den Vertrag mit den Borussen unterzeichnete. Siggi Held machte eine außergewöhnliche Blitzkarriere, die ihn rasch in die Nationalmannschaft führte. Sein erstes Länderspiel datiert vom 23. 2. 1966 gegen England. Neben seinen Auftritten in der Bundesliga nutzte er die internationalen Begegnungen des BVB im Europacup der Pokalsieger, um sich Bundestrainer Helmut Schön zu empfehlen. Gemeinsam mit Lothar Emmerich bildete er das international beachtete und gefürchtete Duo „The terrible Twins“. Held spielte nominell Mittelstürmer beim BVB, brach allerdings häufig auf den von ihm bevorzugten linken Flügel aus, um seine rasanten Sprints ansetzen zu können. Sein kongenialer Partner „Emma“ Emmerich rochierte dann in die Mitte und wartete auf die gefährlichen Pässe und Flanken seines fußballerischen Zwillings.
Im legendären Europacup-Endspiel 1966 war Held an beiden BVB-Toren beteiligt. Das 1:0 erzielte er höchstpersönlich, den Siegtreffer zum 2:1 bereitete er mit einem schneidigen Solo in Richtung Liverpooler Tor vor.
Es war nicht verwunderlich, dass Helmut Schön Siegfried Held auch mit zur WM nach England mitnahm. Im Eröffnungsspiel gegen die Schweiz erzielte er das erste WM-Tor der deutschen Mannschaft in diesem Turnier. Held wurde Stammspieler bei der WM und spielte in allen Partien bis zum Finale entweder Linksaußen oder Halblinks. Seine zweite WM erlebte er 1970 in Mexico. 1971 verließ Siegfried Held den BVB und schloss sich erneut den Offenbachern an. Nach dem Bundesligaaufstieg des BVB kam Held, von dem Trainer Otto Rehhagel eine Menge hielt, als Libero zurück zu den Schwarz-Gelben. Nach der aktiven Laufbahn war er als Trainer mit mehreren nationalen und internationalen Verpflichtungen erfolgreich. Gegenwärtig ist Siggi Held im Ältestenrat und als Fan-Betreuer weiterhin für den BVB tätig.
Willi Sturm: “Mister Zuverlässig”
Der Wattenscheider Vorortverein Union Günnigfeld hat zwei Fußballer mit dem Vornamen “Willi” hervorgebracht, die zu Rang und Namen kamen und als Referenzadresse herhalten: Willi Schulz (FC Schalke und HSV), der als World Cup-Willi 1966 zu Ehren kam, und “Mister Zuverlässig” Willi Sturm (8. 2. 1940 – 5. 11. 1996), der mit dem BVB als Deutscher Meister, DFB-Pokalsieger und Europacupsieger großartige Erfolge feierte.
Sturm, ein Mann mit Pferdelunge, konnte praktisch alle Positionen im Mittelfeld mit gleichbleibend hoher Qualität ausfüllen. Angenehm zurückhaltend und unaufdringlich im Wesen, war der Mann mit der schon früh hohen Stirn prädestiniert für die Übernahme von Spezialaufgaben. Sein großes Spielverständnis machte ihn zum idealen Partner für seine Mannschaftskameraden. Dabei war ihm kein Weg zu weit und keine Aufgabe zu unangenehm. Leider hat auch er nur ein einziges Mal in der Nationalelf – 1964 gegen Finnland - auflaufen dürfen.
Im Dress des BVB spielte Willi Sturm ein Jahrzehnt von 1961 bis 1971. Dabei kam er zu 53 Oberliga- und 186 Bundesligaseinsätzen. Darüber hinaus absolvierte er 22 Europapokalspiele für seine Schwarz-Gelben.
Lothar Emmerich: Der Mann mit den „linken Klebe“
Lothar Emmerichs fußballerische Karriere ist untrennbar mit seinem „Tor des Jahrhunderts“ im WM-Vorrundenspiel 1966 gegen Spanien in Birmingham verbunden. Dieser Treffer machte den schussgewaltigen Außenstürmer aus Dortmund-Dorstfeld, von dem das geflügelte Wort: “Gib mich die Kirsche!“ stammt, auf einen Schlag weltberühmt.
Lothar Emmerich, am 29. 11. 1041 geboren, kam 1960 von Dorstfeld 09 zum BVB und imponierte schon bald mit seiner sagenhaften Schusskraft. Mit dem BVB wurde er 1965 DFB-Pokalsieger und ein Jahr später im Hampden Park zu Glasgow gegen den FC Liverpool Europacupsieger. Gemeinsam mit Siggi Held bildete er das europaweit gefürchtete Duo „The terrible Twins“ - die schrecklichen Zwillinge. Dabei war der elegante Held in aller Regel der Vorbereiter und der wuchtige Emmerich der Vollstrecker.
Der Bundesliga-Torschützenkönig 1966 und 1967 (gemeinsam mit Gerd Müller) erzielte in 32 Oberliga- und 183 Bundesligaspielen 126 Tore für die Borussen. Hinzu kommen 21 Europacupspiele mit 15 Toren.
Der fünfmalige Nationalspieler und Vize-Weltmeister von 1966 verließ den finanziell angeknockten BVB 1969 in Richtung Belgien. Nach seiner aktiven Karriere wurde er Trainer und kehrte 1999 nach Dortmund zurück. Hier fand er beim BVB als Fan-Beauftragter eine neue Aufgabe, der er sich mit Leidenschaft und Engagement verschrieb. Von seinen Stadionführungen gemeinsam mit Aki Schmidt schwärmen die Teilnehmer noch heute. Große Bestürzung erfasste zahllose Fußballfreunde, als die traurige Kunde von seinem unheilbaren Lungenkrebs die Runde machte, an dem er 2001 verstarb.
Zu Ehren des unvergessenen Linksfüßlers aus Dorstfeld trägt das heutige BVB-Maskottchen den Namen „Emma“. Damit hat ihm der BVB ein bleibendes Denkmal gesetzt, das insbesondere die Kleinsten im BVB-Kids-Club über alle Maßen lieben.
Willy “Fischken” Multhaup: Der Gentleman-Trainer
Die schwarz-gelben Europacupsieger von 1966 sprechen voller Hochachtung von ihrem Trainer Willy “Fischken” Multhaup, der leider nur ein Jahr beim BVB unter Vertrag stand. Als Nachfolger von Hermann Eppenhoff übernahm Multhaup 1965 eine intakte Mannschaft, die er insbesondere taktisch verfeinerte. Hinzu kam, dass sich die beiden Neuzugänge Siggi Held und Stan Libuda als absolute Volltreffer herauskristalisierten, die auch in den Europacupspielen brillierten, ja, entscheidende Akzente setzten.
Der Essener “Fischken” Multhaup kam als Meistermacher von Werder Bremen zum BVB. Mit den Bremern war er 1965 überraschend Deutscher Meister geworden. Multhaup hatte ein großes Herz für seine Spieler und wurde rasch für sie zur Vertrauensperson. Er war stets hanseatisch vornehm im Umgang, punktuell Monokelträger und damit der Gentlemantrainer par exzellence.
Nach dem Europapokalsieg mit dem BVB, der sein größter Karriereerfolg war und blieb, verabschiedete er sich in Richtung Köln, wohin ihn FC-Boss Franz Kremer, einer der Väter der Bundesliga, mit einer großzügigen Offerte gelockt hatte.