Adi Preißler mit der Meisterschale

Historisches

Hier findet ihr die Texte unserer AG Tradition zu Jubiläen, Spielern und weiteren wichtigen Ereignissen in der BVB-Geschichte. Viel Spaß beim Stöbern!

Hunderttausende säumten am 6. Mai 1966 in Dortmund die Straßen, drängten sich auf dem “Neuen Markt” - heute Friedensplatz - , als der frischgebackene Sieger im Europacup der Pokalsieger nach dem großartigen 2:1 über den FC Liverpool in seine Heimatstadt zurückkehrte.

Schon die Ankunft auf dem Kölner Flughafen Stunden zuvor war super! Man hatte für den BVB sogar den sprichwörtlichen “Roten Teppich” ausgerollt. Wie Staatsgäste wurden die Meisterkicker empfangen. Mit dem Bus ging es dann weiter in Richtung Dortmund. Auf der B 54, der “Traumstraße”, stiegen die Sieger von Glasgow in offene Autos um. Damit begann ein unvergesslicher Autokorso. Der Weg ging über den Borsigplatz, der mehrfach umrundet wurde, und den Wallring bis zum Neuen Markt.

Besonders gefeiert wurden die beiden Torschützen Siggi Held und Stan Libuda, aber auch alle anderen Akteure standen mehrfach im Zentrum frenetischer Ovationen. Oberbürgermeister Dietrich Keuning hieß die siegreichen Recken, BVB-Präsident Willi Steegmann und Trainer Willi “Fischken” Multhaup willkommen.

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In das Spiel am Tag zuvor im Hampden Park zu Glasgow gingen die Schwarz-Gelben als krasser Außenseiter. Zu überlegen schienen die englischen Profis vom FC Liverpool, der Beatles-Stadt. Doch die Borussen entpuppten sich als taktisch klug eingestellt, gallig und effektiv im Zweikampf. Aus einer geschlossenen Elf ragten Kurrat, Assauer, Sturm, Paul und Tilkowski als ruhende Pole heraus.

Das 1:0 von Siggi Held (62.) mit herrlichem Schuss nach Vorarbeit von Emmerich glich Liverpool sieben Minuten später aus: Linksaußen Thompson angelte sich den Ball (wahrscheinlich) hinter der Grundlinie, Flanke, Roger Hunt verwandelte eiskalt. In der 109. Minute fällt eines der kuriosesten Tore der Europacupgeschichte: Held geht steil durch, schießt Keeper Lawrence an. Der Abpraller kommt zu Libuda, dessen Bogenlampe aus 25 Metern geht an die Latte. Mittelläufer Yeats kriegt den Ball an die Brust – Tor.

Als Kapitän Wolfgang Paul aus den Händen des Schweizer UEFA-Präsidenten Gustav Wiederkehr die Siegestrophäe entgegen nimmt, singen die etwa 2.000 mitgereisten BVB-Fans: “So ein Tag, so wunderschön wie heute”! Ein großariger Augenblick!

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Der BVB-Vorstand hatte offenbar nicht damit gerechnet, dass seine Mannschaft gewinnen könnte. Nur so ist es zu verstehen, dass keine Siegesfeier geplant war. Das war blamabel. Die Spieler improvisierten, plünderten die Küche und die Hotelbar und kamen so doch noch zu ihrer verdienten Fete.

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Die Helden von Glasgow

Hans Tilkowski: Weltklasse zwischen den Torpfosten

Hans Tilkowski (12. 7. 1935) hielt Anfang Oktober 1965 einen eindrucksvollen “Goldenen Fußball” in seinen Händen. Soeben war er als “Fußballer des Jahres 1965” ausgezeichnet worden. Die deutschen Sportjournalisten wählten mit ihm den ersten Torhüter überhaupt. 39.000 Besucher in der Kampfbahn “Rote Erde” waren Zeugen des Ereignisses. Der Präsident des DFB, Dr. Hermann Gösmann, war ebenso erschienen wie Bundestrainer Helmut Schön. Gerade Schön hielt es für seine Pflicht, seinem Nationalkeeper in verdienter Anerkennung die Hand zu drücken, war der “Til” doch für ihn eine feste Größe für die Weltmeisterschaft 1966 in England.

Hans Tilkowski stammte aus Dortmund-Husen und war über Kaiserau und Westfalia Herne 1963 zu Beginn der Bundesliga zum BVB gekommen. 

Am 4. Dezember 1963 stand er in der legendären BVB-Elf, die im “größten BVB-Spiel aller Zeiten” Benfica Lissabon, das Team von Eusebio und Coluna, mit 5:0 bezwang. Ab 1964 hütete er auch wieder das Tor der Nationalelf, aus dem ihn Herberger zur WM 1962 in Chile “verbannt” hatte.

Die Karriere Tilkowskis fand ihren Höhepunkt 1966. Sein BVB wurde Europapokalsieger und Deutschland mit ihm im Tor Vize-Weltmeister. Als Rekordtorhüter des DFB mit 39 Länderspielen beendete er 1967 im Stadion Rote Erde seine eindrucksvolle Nationalmannschafts-Karriere.

Schon zu seiner aktiven Zeit als Fußballer begann Hans Tilkowski, sich für Menschen in Not einzusetzen. Für sein außergewöhnliches Engagement wurde er u. a. mit dem Verdienstorden des Landes NRW und dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.

Gerd Cyliax: Supersprinter, Superspieler

“Verteidiger kauft man nicht, Verteiger macht man sich!” Einer, der diese “Fußball-Weisheit” eindrucksvoll bestätigt, ist Gerd Cyliax (23. 8. 1934 -17. 5. 2008). Seine Karriere begann beim TBV Mengede, setzte sich über Westfalia Herne und Preußen Münster fort und führte ihn 1959 in die Dortmunder Heimat zum BVB zurück. Er lief die 100 Meter unter 11 Sekunden und ist damit ist einer der Schnellsten, die jemals beim BVB gekickt haben. Immerhin gehörte er sogar zum erweiterten Kreis für die Sprintstaffel des DLV! Seine unglaubliche Geschwindigkeit entfaltete Cyliax besonders prägnant als Außenstürmer auf dem linken Flügel. Man erinnere sich nur an die BVB-Endspiele 1961 und 1963. Danach begann seine Karriere als rechter Außenverteidiger. Diese Position hatte er 1965 beim ersten BVB-Pokalsieg und 1966 beim unvergesslichen Europapokalsieg inne. Er war also ein beidfüßig agierender Kicker von großer Klasse. Als Verteidiger kannte er natürlich alle Tricks und Schliche seiner Kontrahenten und ließ sich kaum ein X für ein U vormachen. Leider hat Cyliax nie den Dress der Nationalmannschaft überstreifen dürfen. Mit der Deutschen Meisterschaft 1963, dem DFB-Pokal 1965 und dem Europapokal 1966 machte er unabhängig davon eine außergewöhnliche Vereins-Karriere. Gerd Cyliax, der stets unaufdringlich im Hintergrund blieb, hatte erstaunliche Entertainer-Qualitäten. Mit dem Akkordeon ging er virtuos um und erfreute in späteren Jahren manch gemütliches Beisammensein mit seinen alten Freunden aus Dortmund-Mengede.

Theo Redder: Hart und kompromislos

Das besondere Markenzeichen des Verteidigers Theo Redder (19. 11. 1941) war sein unerbittliches Tackling, das er mit atemberaubender Konsequenz praktizierte.  Damit war er der Prototyp des unangenehmen Gegenspielers. Callaghan, Liverpools Flügelflitzer im Endspiel zu Glasgow, kann davon ein Liedchen singen. Zum BVB stieß der gelernte Bäcker, der aus Werl stammt, in der Saison 1962/63. Borussias Trainer Hermann Eppenhoff formte den talentierten Außenverteiger zu einem Akteur von internationalem Format. Der Deutsche Meister 1963, DFB-Pokalsieger 1965 und Europacupsieger 1966 gehört auch zu den legendären Benfica-Helden. Theo Redder wurde von Bundestrainer Helmut Schön leider nur ein Mal – gegen Finnland -  in die Deutsche Nationalmannschaft berufen. Gemeinsam mit seinen BVB-Kollegen Tilkowski, Schmidt, Konietzka und Sturm stand er in jener Elf, die die Skandinavier 1964 mit 4:0 besiegte. Nach seiner aktiven Zeit – er musste seine Karriere beim BVB  schon mit 28 Jahren beenden - kümmerte sich Redder über viele Jahre hinweg liebevoll um die Traditionsmannschaft  des BVB. Der langjährige persönliche Freund Hoppy Kurrats ist heute stellvertretender Vorsitzender des BVB-Ältestenrates.

Dieter “Hoppy” Kurrat: Der Terrier

Für eine große Nationalmannschaftskarriere war Dieter “Hoppy” Kurrat (15. 5. 1942) leider ein paar Zentimeter zu klein. Auf dem Spielfeld hingegen wuchs der Junge vom Borsigplatz zu einem Abwehrriesen, der sich mit leidenschaftlicher Konsequenz um seine Gegenspieler kümmerte. Der “Hoppy”, wie ihn alle Welt nur nannte, war ein leuchtendes Aushängeschild der BVB-Nachwuchsarbeit. Auf den begabten  Jung-Kicker wurde auch der DFB schnell aufmerksam und berief ihn in die  Jugend-Nationalmannschaft. Beim BVB  folgte schon mit 18Jahren der Sprung in die 1. Mannschaft. Soeben war er mit der A-Jugend noch Westfalenmeister geworden, schon schaffte er nahtlos den Sprung in die erste Mannschaft. Das erste Oberligaspiel bestritt er am 9. Oktober 1960 gegen Hamborn 07. Im Endspiel um die “Deutsche” 1961, das der BVB gegen den 1. FC Nürnberg verlor, schnupperte er erstmals die Luft eines großen Finales. Es sollten weitere folgen! Der kleine Terrier mit dem großen Kämpferherzen wurde Deutscher Meister 1963, DFB-Pokalsieger 1965 und Europacupsieger 1966. Im Endspiel 1963 gegen den 1. FC Köln brachte er mit seinem überraschenden 1:0 in der 21. Minute den BVB auf die Siegerstraße. Alle waren erstaunt, denn das Toreschießen gehörte eigentlich nicht zu seiner “Kernkompetenz”.  In den großen Europacupspielen hatte es Kurrat zumeist mit den gegnerischen Spielmachern zu tun. So war Eusebio sein Gegner im Hinspiel 1963 in Lissabon, so setzte er sich mit Luis Suarez in den Partien gegen Inter Mailand auseinander. Suarez trat dem kleinen Mann vom Borsigplatz in der 18. Minute so brutal in den Unterleib, dass es nur die Konsequenz “Platzverweis” geben konnte. Ein bestochener Schiri namens Tesasic allerdings hatte im Gegensatz zu den Millionen an den Bildschirmen nichts gesehen.

Nach seiner aktiven Karriere stand Hoppy Kurrat dem BVB als Trainer zur Verfügung. Da die Borussen nach ihrem Abstieg 1972 finanziell ziemlich klamm waren, verzichtete er generös auf sein Trainergehalt. Später wechselte er als Spielertrainer zum SV Holzwickede, mit dem er 1976 Deutscher Amateurmeister wurde.

Wolfgang Paul: Karriere als “Stopper Paul”

Die BVB-Fans nannten den Uhrmachermeister Wolfgang Paul (25. 1. 1949) aus Bigge-Olsberg, der 1961 über den VfL Schwerte zum BVB stieß, wegen seiner eindrucksvollen Physis den “Ardeyhirsch”. Immerhin war er 1,86 Meter groß und mächtig von Gestalt. Bei Kopfbällen und in Zweikämpfen brachte er seine körperlichen Vorzüge mit wuchtigen Aktionen bestens zur Geltung. Hart, aber fair! Das waren die signifikanten Attribute des Sauerländers, der in seiner Fußballer-Karriere kein einziges Mal vom Platz flog.

Wolfgang Paul reifte beim BVB rasch zu einer Führungspersönlichkeit und wurde zu Beginn der Saison 1965/66 folgerichtig der Nachfolger von Aki Schmidt als Mannschaftskapitän der Schwarz-Gelben. In der Abwehrschlacht zu Glasgow konnten sich seine Mannen nicht nur auf ihren “Stopper Paul” verlassen, sondern sich auch an seinem kämpferischen Beispiel orientieren und aufrichten. Die englischen Medien flochten dem Hünen regelrechte Kränze der Verehrung.

Paul gehörte 1966 auch zum Aufgebot des DFB für die WM in England. Anders als Tilkowski, Held und Emmerich kam der untadelige Sportsmann allerdings zu keinem WM-Einsatz. Den Dress der Nationalmannschaft durfte sich der heutige Vorsitzende des BVB-Ältestenrates nur einmal, und das in einem inoffiziellen WM-Vorbereitungsspiel, überstreifen.

Rudi Assauer: Der schöne Rudi

“Als wir am 5. Mai 1966 in den Hampden Park zum Endspiel gegen Liverpool einliefen, hatte ich ziemlich die Hosen voll. Das hat der Aki, der direkt hinter mir stand, offensichtlich gemerkt. Seine Bemerkung: “Wenn Du heute Eierkes machst, dann bekommst Du einen Tritt in den A..., den Du nicht vergessen wirst”, habe ich das ganze Spiel über nicht vergessen. Deshalb unterlief mir in den 120 Minuten auch so gut wie kein Fehler!” Mit einem leichten Schmunzeln hat Rudi Assauer (30. 4. 1944) dieses Bonmot anlässlich eines Termins zur Vorbereitung der WM 2006 in Iserlohn erzählt, als er von einem Besucher auf das Europacupendspiel 1966 angesprochen wurde.

Der blendend aussehende gebürtige Sauerländer Assauer, der 1964 über die SpVgg Herten zum BVB kam, blieb den Schwarz-Gelben bis 1970 verbunden. Danach wechselte der technisch versierte linke Außenläufer zu Werder Bremen, wo er seine Karriere als Fußballer auch beendete. Es folgte eine eindrucksvolle Zeit als Werder-Manager und später als mächtiger Mann des FC Schalke 04.  Aber wo Rudi Assauer auch immer engagiert war, stets blieb er Mitglied beim BVB, mit dem er den größten Erfolg seiner Fußballerlaufbahn errungen hat.

Leider ist der zeitlebens vitale und lebensbejahende Rudi Assauer seit einigen Jahren schwer erkrankt und lebt heute völlig zurückgezogen. Sein alter Freund und Weggefährte Werner Hansch ist einer der Wenigen, die noch Zugang zu ihm haben. In Dortmund hat man Assauer zuletzt 2010 anlässlich der Premiere der Produktion “Leuchte auf, mein Stern Borussia” im Dortmunder Schauspielhaus gesehen, das er mit großer Freude erlebte.

Reinhard “Stan” Libuda: Flügelflitzer von Weltklasse

Wenn es bei Reinhard “Stan” Libuda “ (10. 10. 1943 – 25. 8. 1996) “lief”, dann brauchte er weltweit auf der Position des Rechtsaußen keinen Vergleich zu scheuen. Antrittsschnell, ein großartiger Dribbler – Libuda war ein Flügelflitzer, der jeden Gegenspieler zur Verzweiflung bringen konnte. Und seine Gegenspieler hatten es in aller Regel in sich: Kurbjuhn vom HSV, Bene aus Stuttgart, Piontek und Höttges von Werder Bremen gehörten dazu. Alles Kaliber, die einen schon das Fürchten lehren konnten. Aber der Mann aus Gelsenkirchen, der erst 1965/66 zum BVB stieß, ließ sie in Serie mit seinem berühmten Matthews-Trick schlecht aussehen. Gemeinsam mit Siggi Held und Lothar Emmerich bildete er ein Sturmtrio von internationalem Format.

Als Libuda 1965 zum BVB wechselte, wurde die verbale Gangart unter der Fans heftiger. Die unschöne Bezeichnung “Verräter” hielt Einzug in das Vokabular. Beim BVB blieb der Stan bis 1968. Dann wechselte er zurück zu seinem Stammverein, dem er im Herzen immer die Treue gehalten hatte.

In Glasgow lief es zunächst nicht so gut für ihn. Dann wurde er aber als Schütze des goldenen Tores über alle Maßen gefeiert.

In der Nationalmannschaft machte Libuda ebenfalls eine sehr respektable Karriere mit seinen 26 Länderspielen. Hier feierte er seinen größten Erfolg wohl mit dem Siegtreffer gegen Schottland in der WM-Qualifikation für 1970, mit dem er das Tor nach Mexico für die DFB-Formation öffnete. Die WM selber beendete er mit seinem Team auf einem großartigen dritten Rang.

Leider gehörte Libuda auch zu der Schalker Mannschaft, die Anfang der 1970er Jahre in den unseligen Bestechungsskandal verwickelt war. Unter diesem Fehltritt hat der prominenteste Grenzgänger zwischen dem BVB und Schalke 04 praktisch bis zu seinem frühen Tod gelitten.

 „Aki“ Schmidt: Meister der Regie

Das jugendliche Bürschen, das sich im Juli 1956 zu seinem ersten BVB-Training bei Trainer Helmut Schneider anmeldete, war gerade einmal 20 Jahre alt und stammte aus Berghofen. Sein Name: Alfred Schmidt, den seit Jahrzehnten jeder nur „Aki“ nennt.

Der erste Verein des Schüler- und Jugendkickers war die SpVggBerghofen. Seit er 1946 allerdings den BVB in einem Spiel gegen Witten im Hoeschpark gesehen hatte, schlug sein Herz für die Borussen. Bei diesem Club wollte er einmal spielen.

1956 also war es soweit. BVB-Trainer Helmut Schneider erkannte Schmidts großes Talent als Mittelfeldstratege und setzte ihn in der ersten Mannschaft ein.

Im September 56, im dritten Qualifikationsspiel des BVB für die Hauptrunde des Europapokals der Landesmeister gegen Spora Luxemburg, bestand er seine erste internationale Bewährungsprobe. Sepp Herberger wurde auf ihn aufmerksam und machte ihn bereits im Frühjahr 1957 in der Partie Holland – Deutschland zum Nationalspieler. Als Dank für das große Vertrauen des Bundestrainers schoss der Debütant dann auch gleich „sein“ Premierentor. Das war ein gelungener Einstand!

Aki Schmidts Erfolge als Spieler sind eindrucksvoll: Deutscher Vizemeister 1961, Deutscher Meister 1963, Benfica-Held, DFB-Pokalsieger 1965, Europapokalsieger 1966. Der großartige Mittelfeldstratege bildete zunächst mit Jürgen Schütz und Timo Konietzka und danach mit Siggi Held und Lothar Emmerich gefürchtete Sturmtrios.

Selbst die tollste Karriere erfährt da und dort Rückschläge. Das gilt auch für unseren Aki. Obwohl bereits Nationalspieler, fand er keine Berücksichtigung beim Endspiel um die Deutsche Fußball-Meisterschaft 1957 gegen den HSV, das BVB-Trainer Schneider mit der identischen Aufstellung bestreiten wollte wie im Jahr zuvor, um etwas Einmaliges zu schaffen.

In der Nationalmannschaft wurde Schmidt von 1956 bis 1964 in 25 Länderspielen eingesetzt, war 1958 WM-Teilnehmer in Schweden und danach der erste Kapitän der Nationalelf  aus dem „Hause“ BVB.

1966/67 besuchte Aki Schmidt mit Erfolg die Sporthochschule Köln und machte dort die Lizenz als Fußballlehrer. Seine Trainerstationen wurden Jahn Regensburg, Kickers Offenbach, Preußen Münster  und der FK Pirmasens. Der Deutsche Pokalsieg 1970 mit dem Zweitligisten Kickers Offenbach ist die besondere „Duftmarke“ seiner Trainertätigkeit.

Der lebensbejahende Aki Schmidt ist ein begnadeter Entertainer. Im Mai 2011 kreierte er das Lied „Rubbeldiekatz am Borsigplatz“, das praktisch der BVB-Song der Deutschen Meisterschaft 2011 wurde. Der Begriff „Rubbeldiekatz“ war sogar in der näheren Auswahl für das „Jugendwort 2011“.

Dass Aki Schmidt mit seinen jetzt 80 Lenzen dem BVB durch seine Tätigkeit im Ältestenrat noch treu verbunden ist, kann bei dieser Vita niemanden verwundern. 

Siegfried „Siggi“ Held: Schnell und torgefährlich

Über den SV Marktheidenfeld und die Offenbacher Kickers kam Siegfried „Siggi“ Held (geb. am 7. 8. 1942), der blonde Supersprinter unter den damaligen Fußballern, zu Beginn der Saison 1965/66 zum BVB. Der neue Trainer Willi „Fischken“ Multhaup, von Werder Bremen zum BVB gewechselt, hatte den pfeilschnellen Kicker schon auf seiner Wunschliste, bevor er den Vertrag mit den Borussen unterzeichnete. Siggi Held machte eine außergewöhnliche Blitzkarriere, die ihn rasch in die Nationalmannschaft führte. Sein erstes Länderspiel datiert vom 23. 2. 1966 gegen England. Neben seinen Auftritten in der Bundesliga nutzte er die internationalen Begegnungen des BVB im Europacup der Pokalsieger, um sich Bundestrainer Helmut Schön zu empfehlen. Gemeinsam mit Lothar Emmerich bildete er das international beachtete und gefürchtete Duo „The terrible Twins“. Held spielte nominell Mittelstürmer beim BVB, brach allerdings häufig auf den von ihm bevorzugten linken Flügel aus, um seine rasanten Sprints ansetzen zu können. Sein kongenialer Partner „Emma“ Emmerich rochierte dann in die Mitte und wartete auf die gefährlichen Pässe und Flanken seines fußballerischen Zwillings.

Im legendären Europacup-Endspiel 1966 war Held an beiden BVB-Toren beteiligt. Das 1:0 erzielte er höchstpersönlich, den Siegtreffer zum 2:1 bereitete er mit einem schneidigen Solo in Richtung Liverpooler Tor vor.

Es war nicht verwunderlich, dass Helmut Schön Siegfried Held auch mit zur WM nach England mitnahm. Im Eröffnungsspiel gegen die Schweiz erzielte er das erste WM-Tor der deutschen Mannschaft in diesem Turnier. Held wurde Stammspieler bei der WM und spielte in allen Partien bis zum Finale entweder Linksaußen oder Halblinks. Seine zweite WM erlebte er 1970 in Mexico. 1971 verließ Siegfried Held den BVB und schloss sich erneut den Offenbachern an. Nach dem Bundesligaaufstieg des BVB kam Held, von dem Trainer Otto Rehhagel eine Menge hielt, als Libero zurück zu den Schwarz-Gelben. Nach der aktiven Laufbahn war er als Trainer mit mehreren nationalen und internationalen Verpflichtungen erfolgreich. Gegenwärtig ist Siggi Held im Ältestenrat und als Fan-Betreuer weiterhin für den BVB tätig.

Willi Sturm: “Mister Zuverlässig”

Der Wattenscheider Vorortverein Union Günnigfeld hat zwei Fußballer mit dem Vornamen “Willi”  hervorgebracht, die zu Rang und Namen kamen und als Referenzadresse herhalten: Willi Schulz (FC Schalke und HSV), der als World Cup-Willi 1966 zu Ehren kam, und “Mister Zuverlässig” Willi Sturm (8. 2. 1940 – 5. 11. 1996), der mit dem BVB als Deutscher Meister, DFB-Pokalsieger und Europacupsieger großartige Erfolge feierte.

Sturm, ein Mann mit Pferdelunge, konnte praktisch alle Positionen im Mittelfeld mit gleichbleibend hoher Qualität ausfüllen.  Angenehm zurückhaltend und unaufdringlich im Wesen, war der Mann mit der schon früh hohen Stirn prädestiniert für die Übernahme von Spezialaufgaben. Sein großes Spielverständnis machte ihn zum idealen Partner für seine Mannschaftskameraden. Dabei war ihm kein Weg zu weit und keine Aufgabe zu unangenehm. Leider hat auch er nur ein einziges Mal in der Nationalelf – 1964 gegen Finnland - auflaufen dürfen.

Im Dress des BVB spielte Willi Sturm ein Jahrzehnt von 1961 bis 1971. Dabei kam er zu 53 Oberliga- und 186 Bundesligaseinsätzen. Darüber hinaus absolvierte er 22 Europapokalspiele für seine Schwarz-Gelben.

Lothar Emmerich: Der Mann mit den „linken Klebe“

Lothar Emmerichs fußballerische Karriere ist untrennbar mit seinem „Tor des Jahrhunderts“ im WM-Vorrundenspiel 1966 gegen Spanien in Birmingham verbunden. Dieser Treffer machte den schussgewaltigen Außenstürmer aus Dortmund-Dorstfeld, von dem das geflügelte Wort: “Gib mich die Kirsche!“ stammt, auf einen Schlag weltberühmt.

Lothar Emmerich, am 29. 11. 1041 geboren, kam 1960 von Dorstfeld 09 zum BVB und imponierte schon bald mit seiner sagenhaften Schusskraft. Mit dem BVB wurde er 1965 DFB-Pokalsieger und ein Jahr später im Hampden Park zu Glasgow gegen den FC Liverpool  Europacupsieger. Gemeinsam mit Siggi Held bildete er das europaweit gefürchtete Duo „The terrible Twins“ - die schrecklichen Zwillinge. Dabei war der elegante Held in aller Regel der Vorbereiter und der wuchtige Emmerich der Vollstrecker.

Der Bundesliga-Torschützenkönig 1966 und 1967 (gemeinsam mit Gerd Müller) erzielte in 32 Oberliga- und 183 Bundesligaspielen 126 Tore für die Borussen. Hinzu kommen 21 Europacupspiele mit 15 Toren.

Der fünfmalige Nationalspieler und Vize-Weltmeister von 1966 verließ den finanziell angeknockten BVB 1969 in Richtung Belgien. Nach seiner aktiven Karriere wurde er Trainer und kehrte 1999 nach Dortmund zurück. Hier fand er beim BVB als Fan-Beauftragter eine neue Aufgabe, der er sich mit Leidenschaft und Engagement verschrieb. Von seinen Stadionführungen gemeinsam mit Aki Schmidt schwärmen die Teilnehmer noch heute. Große Bestürzung erfasste zahllose Fußballfreunde, als die traurige Kunde von seinem unheilbaren Lungenkrebs die Runde machte, an dem er 2001 verstarb.

Zu Ehren des unvergessenen Linksfüßlers aus Dorstfeld trägt das heutige BVB-Maskottchen  den Namen „Emma“. Damit hat ihm der BVB ein bleibendes Denkmal gesetzt, das insbesondere die Kleinsten im BVB-Kids-Club über alle Maßen lieben.

Willy “Fischken” Multhaup: Der Gentleman-Trainer

Die schwarz-gelben Europacupsieger von 1966 sprechen voller Hochachtung von ihrem Trainer Willy “Fischken” Multhaup, der leider nur ein Jahr beim BVB unter Vertrag stand. Als Nachfolger von Hermann Eppenhoff übernahm Multhaup 1965 eine intakte Mannschaft, die er insbesondere taktisch verfeinerte. Hinzu kam, dass sich die beiden Neuzugänge Siggi Held und Stan Libuda als absolute Volltreffer herauskristalisierten, die auch in den Europacupspielen brillierten, ja, entscheidende Akzente setzten.

Der Essener “Fischken” Multhaup kam als Meistermacher von Werder Bremen zum BVB. Mit den Bremern war er 1965 überraschend Deutscher Meister geworden. Multhaup hatte ein großes Herz für seine Spieler und wurde rasch für sie zur Vertrauensperson. Er war stets hanseatisch vornehm im Umgang, punktuell Monokelträger und damit der Gentlemantrainer par exzellence.

Nach dem Europapokalsieg mit dem BVB, der sein größter Karriereerfolg war und blieb, verabschiedete er sich in Richtung Köln, wohin ihn FC-Boss Franz Kremer, einer der Väter der Bundesliga, mit einer großzügigen Offerte gelockt hatte.

In Quizfragen zum BVB werden gern Fragen nach dem ersten Nationalspieler, Olympiateilnehmer oder Weltmeister des BVB gestellt. Die Frage, wer eigentlich der erste Europameister des BVB war, ist zumeist nicht dabei. Die Antwort auf die nicht gestellte Frage: Mirko Votava.

Miroslav, kurz “Mirko” Votava wurde am 25. April 1956 in Prag geboren, wird also heute runde 70 Jahre alt.

Während des “Prager Frühlings” verließ die Familie 1968 ihre Heimat, kam zunächst nach Deutschland und ging dann für eine kurze Zeit nach Australien. Nach der Rückkehr  wurde man in Witten heimisch; die Brüder Mirko und Joschi kickten beim dortigen Vfl.

Heinz Keppmann, der A-Jugend-Trainer des BVB, wurde auf die veranlagten Jungs aufmerksam und holte sie 1973 zur Borussia.

Keppmann setzte alle erdenklichen Hebel in Bewegung, um die staatenlosen Votavas einzubürgern, was 1978 auch gelang. Damit stand  Mirko Votava auch eine Karriere in der Deutschen Nationalmannschaft offen.

Rasch fasste er in der 1. Mannschaft von Borussia Dortmund Fuß und wurde eine feste Größe in den Planungen seiner Trainer Otto Knefler, Horst Buhtz, Otto Rehhagel, Karl-Heinz Rühl, Branko Zebec und Udo Lattek. Sein wichtigster Erfolg beim BVB war  der Wiederaufstieg in die Bundesliga 1976. Für die Borussia bestritt er 189 Bundesligaspiele, in denen er 25 Tore erzielte.

Auch in mehreren Länderspielen kam er zum Einatz. Darunter befindet sich das letzte Gruppenspiel im Rahmen der Europameisterschaft 1980 am 17. 6. 1980 in Turin gegen Griechenland, das untentschieden 0:0 endete. Der 2:1-Sieg im Endspiel gegen Belgien wenige Tage später machte den DFB und damit auch Mirko Votava zum ersten “eingesetzten” BVB-Europameister.

Die Karriere von Mirko Votava im schwarz-gelben Dress endete 1982. Der Mittelfeldspieler wurde Borussias erster (lukrativer) Spanien-Transfer und Atletico Madrid sein neuer Arbeitgeber, mit dem er den spanischen Fußballpokal errang. 1985 zog es ihn in die Bundesliga zurück. Er folgte seinem früheren BVB-Trainer Otto Rehhagel und ging zu Werder Bremen. Dort feierte er herausragende nationale und internationale Erfolge und wurde mit Werder Bremen 1988 und 1993 Deutscher Fußballmeister, 1991 und 1994 DFB-Pokalsieger sowie 1992 Europacupsieger der Pokalsieger.

Als er 41-jährig 1997 als Bremens Mannschaftskapitän seine Karriere beendete, konnte er auf  546 Meisterschaftsspiele in der Bundesliga zurückschauen. Damit er in der bisherigen “Einsatzrangliste” die Nr. 5. Nicht schlecht!

Mirko Votava war kein Filigrantechniker, sondern ein Rackerer, ein Dauerläufer, ein bienenfleißiger Arbeiter und ein Mann mit einem großen taktischen Verständnis, das ihn für seine Mannschaften BVB, Atletico Madrid und Werder Bremen praktisch unverzichtbar machte.

Nach seiner aktiven Karriere wurde Votava Trainer.

Zuletzt sah ich  ihn im Mai 2024 in Dortmund. Er war gemeinsam mit Erdal Keser, Edin Tersic und Theao Schneider Ehrengast bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an seinen ehemaligen Förderer und A-Jugendtrainer Heinz Keppmann, zu dem er bis zu dessen Tod freundschaftliche Beziehungen unterhielt.

Mirko Votava war immer eine sportliches und – besonders wichtig – ein menschliches Vorbild. Deshalb gratulieren wir ihm auch ganz besonders herzlich zu seinem heutigen “runden” Geburtstag!

„Eine weitere Änderung in der Seelsorge trat Ostern 1906 dadurch ein, daß Kaplan Pott zum Vikar in Hordel ernannt wurde, Kaplan Klens zum 1. und der Seminarpriester Hubert Dewald aus Wanne zum 23. April 1906 zum 2. Kaplan wurde.“

Mit diesen recht dürren Formulierungen berichtet die Kirchenchronik der Dreifaltigkeitskirche von einer internen Personalie, die gut drei Jahre später eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für die Gründung des Ballspielvereins Borussia 09 Dortmund bekommen würde.

 

Hubert Dewald wurde am 15. November 1882 als Sohn eines Lokomotivführers in Wanne geboren. Der gute Schüler und fromme Katholik besuchte nach der Volksschule das Petrinum-Gymnasium in Recklinghausen und machte dort sein Abitur. Danach studierte er Theologie in Paderborn und in Freiburg. Am 6. April 1906 erlebte der 23-jährige Hubert Dewald im Hohen Dom zu Paderborn mit der Priesterweihe seinen bis dato größten Tag. Nur gut zwei Wochen später kam er als 3. Kaplan unter Pfarrer Klemens Cloidt zur Dreifaltigkeitskirche. Auf den jungen, ausgesprochen intellektuellen Geistlichen wartete mit der Leitung der Jünglings-Sodalität eine spannende und sehr umfangreiche  Aufgabe, gekennzeichnet von aufopferungsvoller Seelsorge und dem Willen, die Gemeindeschäfchen aus vieler Herren Länder in die Pfarrei zu integrieren und ihnen damit Halt und Charakter für den künftigen Lebensweg zu geben.

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Hubert Dewald wird im „Westfälischen Volksblatt“ wie folgt charakterisiert:

„Tiefe Frömmigkeit, ideale Berufsauffassung und hervorragende Begabung zeichneten ihn aus. Großes leistete er auf dem Gebiete der Jugendpflege als Präses und Bezirkspräses in den Jünglingssodalitäten der Stadt Dortmund. Nicht weniger liebevoll und eifrig war er bei den Kleinen in der Schule.“

Sein Aufgabenfeld in der Sodalität umfasste die Seelsorge für Kinder, Jugendliche und Familien mit der Unterweisung im Glauben und der Einbindung in die Pfarrei.

Der engagierte Kaplan hatte eherne Glaubensprinzipien, die er auch in mehreren Publikationen zum Ausdruck brachte.

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Hubert Dewald war ein Kind seiner Zeit und der damaligen Lebensumstände. Bezogen auf den „Fußball“ vertrat er eine Meinung, die von vielen bürgerlichen Kreisen, besonders von den Turnern, geteilt wurde: Fußball kommt aus England und ist deshalb als „englische Krankheit“ und „undeutsch“ abzulehnen. Der Begriff der „Fußlümmelei“ machte die Runde und: „Man tritt einen räudigen Hund mit dem Fuß, aber niemals ein Sportgerät“.

Das Buch „Sport und Körperpflege“ aus dem Geburtsjahr des BVB formuliert es wie folgt:

“Trotz alledem muss gewissenhaft registriert werden, dass das Fußballspiel Feinde hat, wie kaum ein anderer Sport. Es führt zu Raufszenen und verroht die Jugend, es ist reiner Muskelsport und bedingt keinerlei geistige Inanspruchnahme, die Beine

werden das Zentrum des Körpers, alles andere ist Nebensache, die Arme sind überflüssige Anhängsel, das Haupt gerade gut genug, einen Ball zu “köpfen”, und der Fußballchampion ist der Typus der vom Sport verschuldeten Degeneration.”

Mit dieser Haltung kam Kaplan Hubert Dewald in die Flurstraße zur Dreifaltigkeits-Gemeinde und widmete sich den jungen Sodalen, zu denen Franz Jacobi, Heinrich Unger und ihre Freunde gehören. Zu diesem Zeitpunkt landete bekanntlich aber auch der englische Lederball des Reinhold Richter am Borsigplatz. Auf dem städtische Gelände mit dem schönen Namen „Weiße Wiese“ gingen die Jungs von Stund an leidenschaftlich ihrem neuen Hobby nach.

Der Bauer Wübbecke, dessen Sohn ebenfalls dem runden Leder nachjagte, stellte ihnen seine Scheunen für die Aufbewahrung der Pfosten und Latten zur Verfügung stellt. Diese mussten unsere BVB-Pioniere damals an jedem Trainings- und Spieltag bis zur „Weißen Wiese“ und zurück schleppen.

Hubert Dewald sah im Fußball nach wie vor einen rohen und unpädagogischen Sport und bekämpfte ihn deshalb mit lauteren, teilweise aber auch mit unlauteren Mitteln. Ab und zu wurde mal ein Pfosten oder eine Latte aus den Wübbecke-Scheunen stibitzt. Öffentliche Schelten für die Rädelsführer der „Fußlümmelei“ wurden zur Regel. Die Jacobi und Co. wurden denunziert und angeschwärzt.

Im Herbst des Jahres 1909 spitzte sich die Situation weiter zu und gipfelte  in der Predigt Dewalds zum 4. Advent am 19. Dezember 1909, in der der Kaplan die sonntägliche Nachmittagsandacht um 14 Uhr als Pflichtveranstaltung für den Gemeindenachwuchs ausrief. Damit wollte er die Jungs packen, wusste er doch, dass genau zu diesem Zeitpunkt das sonntägliche Fußballspiel auf der „Weißen Wiese“ begann.

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Das war ernst zu nehmen, hatte Dewald seine Gedanken zum Sonntag doch in einem viel beachteten Buch in die Worte gekleidet:

„Der Sonntag gehört Gott dem Herrn.

Er wirft seinen warmen Schein vor allem ins Familienleben.

Er führt Eltern und Kinder zusammen.

Der Sonntag gibt uns auch Zeit, die Liebespflichten gegen andere zu erfüllen, Kranke zu besuchen, Betrübte zu trösten, die Gräber der verstorbenen Angehörigen aufzusuchen.

Er vergönnt uns stille Stunden geistiger Beschäftigung mit guten Büchern und wohltuender Erfrischung im Gebet.

Gott der Herr bietet uns am Sonntag reiche Seelenfreuden aus den reinsten Quellen des Glaubens, der Familie, der Freundschaft, der Natur.

Wer daraus schöpft, wird niemals die seichten Vergnügungen der anderen begehren.

Ihm wird der Tag zum Segen und zum Lob für Leib und Seele werden.“

Fußball dürfte in seinen Augen zu den „seichten Vergnügungen“ des Sonntags gehört haben, die er nicht akzeptieren konnte und wollte.

Nach der Morgenmesse, im Hause der Jacobis in der Wambeler Straße 12, schmiedeten die Kicker „revolutionäre“ Pläne. Reinhold Richter stieß zu ihnen und setzte ihnen den Floh einer eigenen Vereinsgründung ins Ohr. Mit ihren Freunden verabredeten sich die Sodalen für den Abend im Wildschütz, wo sich etwa 50 „Rebellen“ um 19.00 Uhr im Spiegelsaal einfanden und von Franz Jacobi und Heinrich auf die Trennung von der Jünglingssodalität eingestimmt wurden.

Als Dewald Wind von der Versammlung bekam, machte er sich mit wehenden Rockschößen auf, das kirchenspalterische Treiben zu unterbinden. Wie Franz Jacobi später erzählte, lief der Kaplan dabei in einen präzisen Uppercut. Es folgte Dewalds Treppensturz und die Erkenntnis, dass er an diesem Abend als „Gesprächspartner“ der „jungen Wilden“ nicht gefragt war.

Danach gründeten die verbliebenen 18 Jung-Sodalen den Ballspielverein Borussia 09 Dortmund und wählten Heinrich Unger zum ersten BVB-Präsidenten. Bei der Namensfindung stand übrigens die  „Borussia-Brauerei“ Pate, wie Franz Jacobi später gern erzählte.

Zum besseren Verständnis: Die Rebellen um Franz Jacobi sind aus der Jünglingssodalität ausgetreten, nicht aber aus der Dreifaltigkeitsgemeinde. Darin blieben die jungen und gläubigen Katholiken selbstverständlich weiter Mitglied.

Dewald war verbittert und gekränkt, besuchte in den folgenden Wochen und Monaten die Eltern der Rebellen und brachte es fertig, dass einige von ihnen zur Sodalität zurückkehrten. So zählte der junge Verein Ende 1910 nur noch zehn Mitglieder. Das war existenzbedrohend. Nach dem ersten offiziellen Spiel im Januar 1911 hängte man einige Fotos davon an die Kirchentür. Damit sollte stolz dokumentiert werden, dass man es trotz aller Restriktionen seitens der Kirche geschafft hatte. Kurze Zeit später schlossen sich mehrere „wilde Vereine“ mit den schönen Namen „Britannia“, „Rhenania“ und „Deutsche Flagge“ dem BVB an und füllten die gelichteten Reihen auf. Der BVB konnte in eine gesicherte Zukunft durchstarten.

Der Bruch mit Dewald und der Jünglingssodalität  hielt nach einer beiderseitigen Schmollzeit nicht lange an. Man arrangierte sich pragmatisch und arbeitete zum Wohle des Borsigplatzes wieder zusammen.

Kaplan Hubert Dewald ist fraglos eine zentrale Figur im Zusammenhang mit der Gründung des BVB. Ohne seine negative  Haltung dem Fußball und seinen „Dreifaltigkeitss-Kickern“ gegenüber wäre Borussia Dortmund nie gegründet worden, hätte es für eine Trennung von der Jünglingssodalität keinerlei Grund gegeben. Auf der anderen Seite sollte aber nicht verkannt werden, dass es Dewald war, der die Sodalen in dem Geiste erzogen hatte, sich nicht wegzuducken, aufrecht und mutig durchs Leben zu gehen und stets zur eigenen Meinung zu stehen. Dank also dem unfreiwilligen „Vereinsgründer“.

Nach elf Jahren in Dortmund sagte Hubert Dewald der Dreifaltigkeits-Gemeinde „ade“ und wurde Vikar in Anröchte. Hier starb er nach einer kurzen, schweren Erkrankung (wahrscheinlich an der Spanischen Grippe, einer Pandemie ähnlich Corona, die Tausende dahinraffte), am 15. Oktober 1917, gerade einmal 36 Jahre alt. Zu seiner Beisetzung auf dem Friedhof der Liebfrauenkirche in Gelsenkirchen (!) entsandte die Dreifaltigkeitskirche eine Delegation ehemaliger Zöglinge Dewalds, um ihm die letzte Ehre zu erweisen.

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Die Dortmunder „Tremonia“, heute „Ruhrnachrichten“, schrieb in ihrem Nachruf:

„Seine Gedankentiefe in allem, was er gesprochen in Predigt, Katechese und Vortrag und was er geschrieben, war geradezu hervorragend.“

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„Aufstieg! Endlich haben wir es geschafft! Den Meistertitel des Kreises Mark haben wir uns nun endgültig erkämpft!“

Mit diesen Worten feierte Heinz Schwaben, der Nachfolger des legendären BVB-Präsidenten Franz Jacobi, in der „Aufstiegs-Nummer“ der Vereinszeitung das Erreichen der 1. Ruhrbezirksklasse Gruppe Dortmund -Gelsenkirchen, also der damals höchsten deutschen Spielklasse. Damit war der BVB zum ersten Mal in seiner Geschichte erstklassig geworden. 

Hießen die Gegner bislang Viktoria Dortmund, SV Wanne, Westfalia Herne und Hörder SC, so spielten die Schwarz-Gelben in der Saison 1926/27 gegen Schalke 04, Union Gelsenkirchen oder den DSC 95, Dortmunds erstem Fußballclub überhaupt.

Den letzten und entscheidenden Sieg auf dem Weg zum Aufstieg errangen die Mannen vom Borsigplatz am 28. März 1926 in der Partie gegen Viktoria Dortmund, die mit 5:1 deutlich gewonnen wurde. 1.500 Fußball-Begeisterte waren zum Borussia-Sportplatz gekommen, um den Sieg und damit den Aufstieg in die Erstklassigkeit mitzuerleben.

Der BVB bestritt die Partie mit Kniprath, Jakubowitz, Kopacki, Weih, Hagedorn II, Schlabbers, Fischer, Zeitzer, Weiß und Wolf.

Herausragende Akteure waren Karl Hagedorn, der Strafstoßspezialist, Torwart Kniprath, die Außenstürmer Fischer und Zeitzer und  der gefährliche Weiß.

Im Verlaufe des Spiels wurde die Partie immer härter, teilweise brutal. Das Ergebnis: Borussias Weiß musste wegen „unsportlichen Benehmens“ vorzeitig in die Kabine.

In der 1. Ruhrgebietsklasse erging es dem BVB, der auf vielen Positionen neu formiert wurde, denkbar schlecht. Mit dem vorletzten Tabellenplatz musste man die Erstklassigkeit ad acta legen und fand sich 1927 in der 2. Bezirksklasse Dortmund wieder. Der Vorstand um Heinz Schwaben hatte den Clubs der umliegenden Gemeinden die besten Spieler weg gekauft. Das ging in die viel zitierte „Hose,“ Die Neuen - alles aus ihrer Sicht Führungsspieler – passten sich weder an noch in das Mannschaftsgefüge ein. Hohe Niederlagen wie 0:7, 0:9, 1:9 oder 2:7 waren die Folge. Das brachte umgehend den Abstieg.

Danach gab es eine Zäsur beim BVB, ein echtes Umdenken. Künftig wurde nicht mehr wild „eingekauft“, sondern man setzte auf die eigene Jugend und führte die talentiertesten Jung-Akteure an die 1. Mannschaft heran.

Das trug Früchte und sorgte auch dafür, dass sich die BVB-Mitglieder und die 1. Mannschaft als Einheit sahen, die willens war, ihrem Club durch Dick und Dünn zu folgen und zu ihm zu stehen.

Ihre Erstklassigkeit erkaufte sich der BVB im wahrsten Sinne des Wortes teuer. Man hatte Versicherungspolicen mit 12.000 Reichsmark beliehen und damit die wagemutige Einkaufspolitik finanziert. Danach war man fast pleite und konnte das Geld nicht zurückzahlen.

Um den Bankrott des BVB zu verhindern, griff Präsident Heinz Schwaben, ein Mann der Dortmunder Wirtschaft, tief in die eigene Tasche, bewahrte seinen Club vor dem entscheidenden Gang zum Amtsgericht  und wurde so zum ersten Retter des BVB.

 

Zu den Sympathieträgern der legendären BVB-Elf, die 1976 den Wiederaufstieg  in die Fußball-Bundesliga realisierte, gehörte ohne Frage Klaus Ackermann.

Der immer freundliche, konziliante und verbindliche Außenstürmer, Mittelfeldspieler  und spätere Verteidiger wurde am 20. März 1946 - also am Frühlingsanfang des schweren ersten Nachkriegsjahres – in Hamm geboren.

Schon als Jugendlicher bei  Germania Hamm wurde der begabte Nachwuchskicker  in die westfälische und in die westdeutsche Auswahl berufen. Seinen ersten Profivertrag unterzeichnete der nur 1,67 m große Flügelstürmer, erst18 Jahre jung, bei Preußen Münster. Nach drei Jahren Regionalliga wurde der legendäre Hennes Weisweiler auf ihn aufmerksam und holte den gelernten Elektroinstallateur zu den Gladbacher Fohlen. Am Bökelberg erreichte er mit seinem Team zweimal Platz drei in der Bundesliga. Als ihn aber zwei Spielzeiten später ein besseres Angebot des 1. FC Kaiserslautern erreichte, folgte er dem Lockruf und ging in die Pfalz.

Dort formten ihn die Trainer Lorant, Weise und Ribbeck weiter auf dem Weg zu einem anerkannten Spitzenmann. Erich Ribbeck setzte ihn  gern auch als Mittelfeldakteur ein. Mit den „Roten Teufeln vom Betzenberg“ erreichte er 1972 das Deutsche Pokalendspiel, indem der 1. FC K.  aber sang-und klanglos 0:5 gegen den FC Schalke unterlag.

Zu Beginn der Saison 1974/75 wechselte der „Acki“ zum BVB. Hier wurde der untadelige Sportsmann unter Trainer Otto Knefler sogar Mannschaftskapitän. Nach einem verletzungsbedingt schwächeren zweiten Jahr beim BVB avancierte er zum Außenverteidiger, der es mit der Erfahrung des früheren Außenstürmers vielen seiner Gegenspieler schwer machte. Gemeinsam mit Lothar Huber bildete er eine gefährliche Flügelzange mit häufig ungebremstem Offensivdrang.

Nach dem Wiederaufstieg, an dem er maßgeblich beteiligt war, wurde Klaus Ackermann in der ersten Bundesligasaison von Otto Rehhagel in sämtlichen Meisterschaftsspielen eingesetzt. Danach kamen viele Verletzungen, sodass er seine Karriere beim BVB 1979 beendete. Nach einem sich anschließenden Jahr beim Zweitligisten FC Herford war dann Schluss mit dem Kicken.

Mit seiner alten BVB-Truppe fühlt sich Klaus Ackermann nach wie vor verbunden. So war es für selbstverständlich, vor zwei Jahren an der Beisetzung von Horst Bertram teilzunehmen, ebenso wie Ackermann beim BVB zeitweise Mannschaftskapitän.

Für die Schwarz-Gelben absolvierte Klaus Ackermann 56 Zweitliga- und 43 Bundesligaspiele.

Heute wird der äußerst sympathische Junge aus dem Nachbarort Hamm also runde 80 Jahre alt. Dazu gratulieren wir ihm sehr herzlich und wünschen für die Zukunft alles erdenklich Gute!

Heinrich Schwaben, der langjährige Präsident und zweite Ehrenpräsident des BVB, wurde am 9. Januar 1896 am Borsigplatz geboren. Er stieß 17-jährig als Spieler zum BVB, machte sich als erstklassiger Verteidiger einen Namen über die Grenzen Dortmunds hinaus, war später als Geschäftsführer die rechte Hand von Franz Jacobi und wurde 1923 für fünf Jahre BVB-Präsident. 

Schwaben ist der Vater des Ausbaus der „Weißen Wiese“ zum „Borussia-Sportplatz“, führte den BVB 1926 in die damals höchste deutsche Spielklasse, gründete die Box-, Handball- und Damenabteilung und wurde 1928 der ersten Retter unseres Clubs, indem er aus eigener Tasche 13.000 Reichsmark Vereinsschulden beglich und dadurch den Gang zum Konkursrichter verhinderte.

Auch nach dem 2. Weltkrieg war er über Jahre hinweg in Spitzenämtern  tätig und galt zu recht als die „Graue Eminenz“ im Hintergrund des Clubs, die immer zur Stelle war, wenn es irgendwo brenzlig wurde.

Heinrich Schwaben war ein Mann der Dortmunder Wirtschaft. Zunächst erfolgreich bei der AEG tätig, wechselte er 1934 zur Union-Brauerei, bei der er als Vertriebsdirektor bis in den Vorstand aufstieg.

Eine riesige Trauergemeinde, an der Spitze BVB-Präsident Dr. Werner Wilms, unzählige schwarz-gelbe Weggefährten, Repräsentanten der Stadt Dortmund und der Industrie- und Handelskammer und viele andere Trauernde mehr, nahm am 2. November 1955 von der legendären BVB-Ikone einen sehr tränenreichen Abschied.

Dr. Wilms: „Heinrich Schwaben war ein Mann des Rechts, der Gerechtigkeit, des Ausgleichs. Viel haben wir unserem Heinz für seine unermüdliche Arbeit, für seinen nie versagenden Quell an Humor und  seine unermüdliche Tatkraft zu verdanken. Es ist besonders ehrend für ihn, dass er sich durch gelegentliche Enttäuschungen nicht beirren ließ und weiter zu seinen Borussen in guten und noch mehr in schlechten Tagen hielt. Im Vordergrund stand die Fürsorge für seinen BVB, und es muss festgehalten werden, dass er im Rahmen seiner Möglichkeiten stets bereit war zu helfen, beispielsweise um für die berufliche Unterbringung junger Sportkameraden zu sorgen.

Bis zu seinem allzu frühen Tode, ein Menschenleben lang, ist Heinrich Schwaben dem Sport in unserer Gemeinschaft treu geblieben. Wir gedenken seiner als eines aufrechten, frohen und hilfsbereiten Menschen, als eines tüchtigen und erfolgreichen Kaufmanns, eines Sportfreundes von besonderem Format und eines weit über dem Durchschnitt stehenden Mannes in des Wortes bester Bedeutung.“

Auch und gerade heute können und dürfen wir konstatieren: Heinrich Schwaben gehört zur creme de la creme der absolut bedeutendsten Borussen, die unser Club in seiner bisherigen Geschichte gehabt hat.

Hier einige seiner wichtigsten Aussagen:

“Unsere Stärke war immer die Geschlossenheit und Einigkeit, mit welcher unsere Mitglieder und Anhänger zusammenstanden. Wohl kein Verein kann diese innere Geschlossenheit aufweisen, wie wir sie haben. Opposition und Quertreiberei kennen wir bisher nur dem Namen nach.

Von Bedeutung ist für uns der Umstand, dass wir fast geschlossen in einem Stadtviertel wohnen, gewissermaßen eine Gemeinde für uns bilden. Man hat uns oft in spöttischer Weise, sowohl in Sportskreisen als auch in der Tagespresse, als „Leute vom Borsigplatz“ bezeichnet. Uns hat das wenig geniert, im Gegenteil, wir sind stolz darauf, am Borsigplatz einen derartigen Verein aufgebaut zu haben. Und wie so oft im Leben schlägt die Sache ins Gegenteil um. Wenn heute einer von „den Leuten vom Borsigplatz“ hört oder spricht, dann verbindet sich bestimmt damit die Vorstellung, dass sich dort ein Verein mit Wille und Energie seinen Platz erkämpft hat.“

Mit diesen unvergesslichen Worten hatte Schwaben 1926 in der Zeit der Weimarer Republik den ersten Aufstieg des BVB in die Erstklassigkeit des Fußballs „besungen“ und damit beredt den Familiensinn seines BVB in großartige Worte gefasst.

Wenn auf einen berühmten Fußballer die Bezeichnung „Entertainer“ zutrifft, dann auf Willi Lippens, der am 10. November 2025 die Vollendung seines 80. Lebensjahres feiern konnte. 

Ähnlich wie Weltmeister und Ulknudel Sepp Maier hat der gebürtige Holländer, der für die Niederlande sogar einmal ein Länderspiel absolvierte, die Bundesliga mit seinen fußballerischen Scherzen und Streichen geradezu außergewöhnlich bereichert.

Lippens, der wegen seines Watschelganges landauf, landab nur „Ente“ genannt wurde, machte seine ersten fußballerischen Schritte beim VfB Kleve 09. Bei einem Probetraining beim ETB Schwarz-Weiß Essen fiel er durch, landete dann später aber beim Stadtnachbarn Rot-Weiß und avancierte dort zum Publikumsliebling. Seine Körpertäuschungen, seine Tricks und Finten waren einmalig und ließen praktisch jeden gegnerischen Abwehrspieler schier verzweifeln. 

Nach eigenem Bekunden war einer der legendären Weltmeister von 1974, Berti Vogts mit Namen, sein Lieblingsgegner. Vogts kam mit dem Fußball-Gaukler fast in keinem Spiel zurecht und fühlte sich dabei häufig regelrecht düpiert.

Nach elf Jahren bei den Rot-Weißen erlag die „Ente“ zu Beginn der Spielzeit 1976/77 den Verlockungen des BVB und dessen Trainer Otto Rehhagel und verlegte seine Showbühne ins Westfalenstadion. Auch hier verzauberte der mittlerweile 30-Jährige das Publikum und wurde zum Star eines Teams, in dem er in Manni Burgsmüller einen fast gleichrangigen Ballzauberer als Partner fand.

Willi „Ente“ Lippens blieb bis 1979 beim BVB und ging nach zwei, drei schwereren Verletzungen  wieder zu „seinem“ Lieblingsclub Rot-Weiß Essen zurück, wo er seine Karriere auch beendete.

Für den BVB absolvierte die fußballspielende „Ente“ 70 Bundesligapartien, in denen „sie“ - die Ente - 13 Treffer erzielte.

Am 10. November wurde er also 80 Jahre alt, der unvergessliche Willi Lippens. Wir gratulieren sehr herzlich und wünschen dem Geburtstagskind alles erdenklich Gute, viel Gesundheit und ebenso viele gute Erinnerungen an den – seinen - BVB.

Das obige Foto zeigt eine tolle Szene aus dem Länderspiel Irland – Deutschland im Jahre 1956. Torhüter Heinrich Kwiatkowski hat sich instinktiv in die rechte Ecke geworfen. Vor ihm klärt allerdings per Flugkopfball sein Dortmunder Mannschaftskollege Elwin Schlebrowski die Situation mit einem gekonnten Flugkopfball.

 

Genau dieser Elwin Schlebrowski, der leider nur zwei Mal den Dress der Deutschen Nationalmannschaft überstreifen durfte, wurde gestern vor 100 Jahren, also am 31. 8. 1925, in Klein-Kamionken, dem damaligen Ostpreußen, geboren.

Die Familie Schlebrowski erlag schon kurz danach den Verlockungen des Ruhrgebietes und ließ sich unweit von Dortmund  in Wanne-Eickel nieder. Hier schloss der kleine Elwin sich als Schüler  Preußen Wanne an und wechselte später zu den  Sportfreunden, mit denen er 1950 in die 2. Liga West aufstieg. Damals hatte der BVB schon ein Auge auf den begabten Mittelfeld- und Abwehrspieler geworfen. Zur Saison 1951/52 war es dann soweit: Elwin Schlebrowski wechselte zum BVB und spielte bis 1960 für schwarz und gelb. Und das mit großem Erfolg!

Er wurde mehrfach Westdeutscher Meister mit dem BVB in den Jahren 1956 und 1957 Deutscher Fußballmeister. Diese großartigen Titel markieren dann auch seine größten sportlichen Erfolge in einer durchaus bemerkenswerten Karriere. Hinzu kam Anfang 1958  die Auszeichnung

„Mannschaft des Jahres“ für sein Team, in dem er ein unermüdlicher Antreiber mit einer nie ermüdenden Pferdelunge war. Natürlich stand er auch in der Elf, die  am 1. 8. 1956 das allererste Europapokalspiel des BVB gegen Spora Luxemburg absolvierte.

Leider konnte der anerkannte Meisterspieler in der Nationalmannschaft unter Sepp Herberger nie so richtig reüssieren. Der Sepp war eben ein Nickel, wie es Ady Preißler einmal formulierte, und mochte die Spieler aus dem Fußballwesten  nicht so sehr.

Dafür war er aber beim BVB eine überausfeste Größe und als wichtiger Teil der Läuferreihe Schlebrowski – Michallek – Bracht unverzichtbar.

Beruflich war der „Schlebro", wie er nur genannt wurde, zunächst unter Tage als Bergmann tätig, schulte später jedoch zum kaufmännischen Angestellten der Dortmund-Hörder-Hüttenunion um.

Nach seiner aktiven Zeit war der großartige Fußballer und bescheidene Mensch, der sich nie in den Vordergrund schob, mehrere Jahre Trainer der BVB-Jugend und aktiver Mitstreiter in dem von Legende Aloys Scheffler geleiteten Ältestenrat.

Die ungeklärte NS-Vergangenheit bezieht sich primär, aber auch lediglich darauf, dass Schlebro  1943 mit 18 als verführter Jugendlicher in die NSDAP eingetreten ist. Wie Hunderttausende andere auch. 

Zu seinem 100. Geburtstag, stellen wir ihn in den Mittelpunkt unserer Betrachtungen, um nachdrücklich eines vorbildlichen Sportsmanns zu gedenken, dem der BVB viel verdankt.

Dortmund lag 1945 in Trümmern; die Innenstadt war zu 93% zerstört. Der BVB - wie alle anderen Vereine auch - hatte aufgehört zu existieren. Die Alliierten hatten den Sport, der von den Nazis als  Kriegsvorbereitung missbraucht worden war, zunächst   kategorisch unterbunden, dann aber nach kurzer Zeit diese Anweisung etwas gelockert. Erst nach und nach kehrten die Spieler aus der  Kriegsgefangenschaft in die Heimat zurück. Nicht Jedem jedoch war diese Rückkehr vergönnt. Viele große Talente des BVB bezahlten Hitlers Wahnsinn mit dem Leben.

Schon wenige Wochen nach der bedingungslosen Kapitulation am 8. 5. 1945 trafen August Busse, Franz Jacobi, Heinrich Unger,  Heinrich Karsten, Egon Pentrup, Fritz Weller und einige andere Getreue in der Gaststätte von Willi Schneider am Borsigplatz zur ersten BVB-Vereinssitzung nach dem 2. Weltkrieg zusammen.

Die Bestandsaufnahme war trostlos. Alle Unterlagen des BVB waren vernichtet, eine Brandbombe hatte die Geschäftstelle in der Oesterholzstraße 60 völlig zerstört. Dort war der BVB am 19. 12. 1909 einmal gegründet worden. Hinzu kam: Jede Benutzung eines Sportplatzes war von der Genehmigung der britischen Militärregierung abhängig. Deshalb fand das erste provisorische „Training“ der Rumpfmannschaft auch auf des Kegelbahn der Gaststätte „Haus Herzog“ am Borsigplatz statt.

Kurze Zeit später fand in der „kriegsversehrten“ BVB-Geschäftsstelle eine richtungweisende Besprechung statt: In Anwesenheit  des einflussreichen späteren   Sportdezernenten Fritz Kauermann sprach man über die Wiedergeburt des Sports in unserer Stadt. Kauermann vom früheren Arbeiter-, Turn- und Sportverband hatte das Sagen in dieser Runde. Mit dem Arbeitersportkartell hatte er am 13.Juni 1926 schon als Staffelläufer an der Eröffnung der Kampfbahn „Rote Erde“ teilgenommen und unter dem Verbot des Arbeitersports durch die Nazis auch persönlich sehr gelitten.

Kauermann hatte schon gegen Ende April 1945 Kontakte zu den Alliierten aufgenommen, um den Sport in Dortmund „demokratisch“ neu zu strukturieren. Unmittelbar nach der Kapitulation wurde er Stadtsportbeauftragter der britischen Militärregierung und des Regierungspräsidenten in Arnsberg. Später gründete er den Kreissportverband Dortmund – heute Stadtsportbund – und war dessen längjähriger Vorsitzender. Für den Wiederaufbau des gesamten hiesigen Sports nach 1945 wurde er über mehr als zwei Jahrzehnte die herausragende Persönlichkeit.

Kauermann verdeutlichte in der Besprechung mit den Borussen die Auflage der Briten, nur  politisch einwandfreie Vereinsfunktionäre zu akzeptieren und örtliche  Großvereinen zu bilden. GemeinsameVorstellung sei es, so Kauermann weiter, auch den BVB aufzulösen und per Fusion in den Arbeitersport zu integrieren.

Selbst den künftigen Namen hatte er schon parat: “Freie Sportgemeinschaft Borussia von 1898” sollte er lauten. Unter diesem Namen wurde der BVB dann auch für einige wenige Wochen bei der Militärregierung geführt. Die “Sportgemeinschaft Borussia” entsprang einer  Fusion mit dem “Freien Sportverein 1898” und der Werksportgemeinschaft der Hoesch AG. Aus letzterer stammten übrigens so erfolgreiche BVB-Akteure wie Heinrich Ruhmhofer und Fritz Ibel, die mit den Borussen 1949 Deutscher Vizemeister wurden. .

Aber die Borussen löckten einmal mehr in ihrer Vereinsgeschichte wider den Stachel - schon am 15. Juli 1945 galt wieder der “alte”, traditionsreiche Name. Das war auch gut so, denn die BVB-Akteure sahen sich ihrer Identität beraubt. Der große Max Michallek, Borussias liebstes und talentiertestes Eigengewächs, liebäugelte sogar mit einem Wechsel nach Holzwickede. Die Vereinsvertreter führten den Alliierten gegenüber erfolgreich ihre drei Widerstandskämpfer gegen Hitler argumentativ ins Feld, von denen zwei  (Heinrich Czerkus und Franz Hippler) von den Nazis ermordet worden waren,  Hinzu kam, dass sich der frühere Präsident Egon Pentrup 1933/34 den damaligen Machthabern nicht gebeugt hatte. Er war nicht, wie gefordert, in die NSDAP eingetreten, sondern hatte stattdessen sein Amt als Präsident zur Verfügung gestellt. Als „graue Eminenz“  im Hintergrund bestimmte er aber weiterhin bis 1945 die Vereinsgeschicke mit. Diese Argumente waren hieb- und stichfest und überzeugten!

In der Jubiläumspublikation zum 60. Bestehen beschreibt der BVB die damalige Situation wie folgt:

„Der Name BVB Borussia 09 war uns aberkannt worden. Man wollte uns mit anderen Sportvereinen verschmelzen. Aber Dank unserer Initiativen wurden wir später unter Beibehaltung früherer Rechte doch wieder der alte BVB. Das war die Wiedergeburt unseres Vereins. Am 15. Juli 1945 bestätigte die Militärregierung den kommissarischen Vorstand mit Willi Bietzek (Foto) als Vorsitzendem sowie Franz Jacobi als Stellvertreter  und Schriftführer .“

Das erste Freundschaftsspiel nach dem 2. Weltkrieg machte der BVB im Hoeschpark – das Stadion Rote Erde war im März 1945 weitgehend durch Bombenangriffe zerstört worden  und die Nutzung oblag ausschließlich den Briten - gegen Unna 07/08. Die Partie endete vor 20.000 Besuchern 4:4. Die „Rote Erde“ stand erst einige Zeit später wieder zur Verfügung und 1947 konnte das erste Spiel der neugegründeten Oberliga West gegen die Sportfreunde Katernberg (3:0)  hier stattfinden. Die zerbombte Tribüne der Kampfbahn wurde nach ihrem Wiederaufbau das Stadion-Prunkstück der Studenten-Weltspiele 1953. Acht Jahre lang hatte die traditionsreiche Arena unter den Kriegsfolgen gelitten....

Wenn der BVB jetzt im Rahmen derClub-WM in den USA auf Real Madrid trifft, dann sein an dieser Stelle an das allererst Match der beiden großen Teams erinnert, das Ende Mai 1960 – also exakt vor 65 Jahren - in Sevilla stattfand. Hier die Geschichte:

Die Spiele zwischen dem BVB und Real Madrid sind legendär, waren häufig genug auch höchst spektakulär. Begonnen hat alles am 26. Mai 1960 in Sevilla. Der BVB war gemeinsam mit dem FC Valencia, Real Madrid und den Bolton Wanderers zu einem bedeutenden Vierer-Turnier eingeladen worden. Das war eine große Ehre für den Deutschen Meister der Jahre 1956 und 1957, der in seinen ersten Europapokalspielen der Landesmeister eine ausgezeichnete Visitenkarte abgegeben und sich dadurch für wichtige internationale Aufgaben wie für dieses Turnier empfohlen hatte.

Real Madrid war in diesen Jahren fußballerisch zumindest in Europa, wenn nicht gar weltweit, das absolute Maß aller Dinge. Fünfmal in Folge hatte das legendäre „weiße Ballett“ von 1956 an den Europapokal der Landesmeister für sich entschieden und erst wenige Tage zuvor – am 18. Mai 1960 – im Hampden Park zu Glasgow, wo der BVB 1966 den ersten Europacup einer deutschen Fußballmannschaft errungen hatte, im Finale Eintracht Frankfurt mit 7:3 geradezu deklassiert.   Alfredo di Stefano mit drei und der alles überragende Linksfüßler Ferenc Puskas mit vier Treffern hatten die Eintracht quasi in ihre Einzelteile zerlegt.

Bereits in der ersten Turnier-Begegnung kreutzten die „Königlichen“  wie die Madrilenen auch genannt wurden, mit den Borussen die Klingen, die mit Kwiatkowski, Burgsmüller, Thiemann, Bracht, Steinkuhl, Kelbassa, Peters, Cyliax, Schmidt, Konietzka und Pritz nicht in bester Besetzung antraten und beispielsweise auf Schütz und Cieslarczyk verzichten mussten.

Der BVB spielte unabhängig davon völlig angstfrei auf, war gleichwertig und hielt mehr als nur wacker mit. Zur Halbzeit stand es 0:0. Das war auch ein Verdienst des großartigen Keepers Heinrich Kwiatkowski, der überragend hielt und von der spanischen Presse als neuer Ricardo Zamorra gefeiert wurde, der damals als der beste Torwart aller Zeiten galt.

Die Schwarz-Gelben versteckten sich also nicht, suchten couragiert ihre Chancen und hatten durch Timo Konietzka und Aki Schmidt  durchaus eigene Möglichkeiten, die Real argentinischer Schlussmann Dominguez allerdings entschärfen konnte.

In den zweiten 45 Minuten setzte sich dann die überlegene individuelle Klasse der Spanier durch, die mit allen ihren Assen aufgelaufen waren. Santamaria, Canario, Cento oder Kopa wiesen nach, warum man weltweit einen so legendären Ruf als Ausnahmeteam genoss.

Die absoluten Superstars Alfredo di Stefano und Ferenc Puskas behielten es sich letztendlich  - ähnlich wie gegen Frankfurt - vor, drei Zaubertore zu schießen und den BVB mit 3:0  - etwas zu hoch – zu besiegen.

Da der BVB wenig später die Bolton Wanderers mit 3:2 bezwang (eine Woche zuvor hatten die Borussen in der Roten Erde gegen die nickeligen Wanderers noch mit 0:1 verloren) und gegen Valencia 2:2 unentschieden spielte, belegte man in diesem hochklassigen Turnier einen ehrenvollen zweiten Platz und brachte einen tollen, mit Juwelen geschmückten Pokal mit nach Hause.